Die „Faktenchecker“ die nichts „checken“ – oder es vielleicht gar nicht wollen?

Am 16.9.2020 veröffentlichte die dpa einen Faktencheck, der sich auf eine Studie bezog, die die Lockdown Maßnahmen weltweit hinterfragt hatte und zu keinem sehr günstigen Ergebnis gekommen war. Ich hatte in diesem Beitrag darüber berichtet: Globale Studie zeigt die Wirkungslosigkeit von Lockdown und „AHA“-Regeln.

Die Studie des „National Bureau of Economic Research“ (NBER) kam in seinen Ausführungen zu dem wenig schmeichelhaften Ergebnis, dass „Lockdown und Maskenpflicht nicht zu verringerten Covid-19-Übertragungsraten oder Todesfällen“ geführt hatten. Oder kurz: Die Maßnahmen waren nutzlos und überflüssig.

Jetzt dürfte es den offiziellen Stellen etwas schwer fallen, das NBER als Aluhutträger oder Verschwörungstheoretiker zu denunzieren, um damit die Aussage der Studie zu relativieren. In solchen Fällen haben sich andere Methoden als vermeintlich wirksam erwiesen: Statt die Studie und seine Inhalte anzugreifen, werden die angegriffen, die diese Ergebnisse verbreiten.

Dies wird in einem sogenannten „Faktencheck“ vollzogen, der sich an die Prinzipien des Astroturfing orientiert. Und das geht so:

Der dumme Leser kann nicht richtig interpretieren

So lautet die Überschrift dieses Faktencheck dann auch: „Arbeitspapier fehlinterpretiert: Forscher warnen lediglich vor Überbewertung der Corona-Maßnahmen“.

Und damit fängt die richtige Interpretation dieser Studie im Einklang mit dem Heiligen Corona-Glaubensbekenntnis an, die angeblich keine Studie, sondern „nur ein Arbeitspapier“ sein soll. Dann gut, wenn es nur ein Arbeitspapier ist, warum sich dann noch mit einem „Faktencheck“ aufhalten? Was interessiert uns, was die in den USA da für sich alleine zusammen schreiben? Für die dpa war es dann doch Grund genug, dieses „Arbeitspapier“ noch einmal näher zu betrachten und die richtige Interpretation uns zukommen zu lassen.

Es fängt mit der angeblich irreführenden Behauptung seitens der Verschwörungstheoretiker an, „dass weder Lockdowns noch Maskengebot einen Einfluss auf den Verlauf von Covid-19 hatten“.

In der „Bewertung“ durch die dpa heißt es dann, dass an keiner Stelle der Arbeit so etwas behauptet würde. Die „Studienautoren“ (Studienautoren? Also doch eine Studie und kein Arbeitspapier?) warnten lediglich davor, die Wirksamkeit der Maßnahmen überzubewerten.

Ja was wird denn dann laut dpa behauptet?

Der dpa Faktencheck beschreibt dann kurz, was die Studie/Arbeitspapier beobachtet hatte:

In ihrem Papier beschreiben sie, wie sich die Wachstumsraten der täglichen Todesfälle 20 bis 30 Tage nach dem Auftreten der ersten 25 kumulierten Todesfälle in einer Region verändert haben. Das Ergebnis ihrer Modelle: Innerhalb dieses Zeitraums fielen die Wachstumsraten in allen beobachteten Ländern und Regionen von hohen Anfangswerten ausgehend fast gegen null und blieben anschließend grob bei diesem Wert.“.

Der darauffolgende Satz der dpa ist fast geeignet, beim Leser für Luftnot zu sorgen: „Dieses Ergebnis nehmen die Autoren zum Anlass, frühere Studien-Ergebnisse, wonach nicht-pharmazeutische Interventionen (NPIs) zu einer Eindämmung des Coronavirus geführt hätten, in Frage zu stellen“.

Die Autoren der NBER-Studie/Arbeitspapier stellen also laut dpa frühere Studienergebnisse infrage, die behauptet haben, dass nicht-pharmazeutische Interventionen (wenn ich das richtig interpretiere sind das Lockdown und „AHA“-Regeln) zur Eindämmung von Covid-19 geführt hätten. Jetzt verstehe ich die Faktenchecker der dpa nicht mehr. Sie waren doch angetreten, um eine „richtige“ Interpretation abzuliefern. Stattdessen liefern sie eine richtige Interpretation ab.

Genau: Lockdown und „AHA“-Regeln als Eindämmungsmaßnahmen der „Pandemie“ sind infrage zu stellen. Oder anders herum: Es steht nirgends in diesem „Arbeitspapier“, zum Leidwesen der Faktenchecker, dass Lockdown und „AHA“-Regeln genau die richtigen Maßnahmen waren, um die Bevölkerung vor weiterem Übel zu bewahren.

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Ein Faktencheck, der nichts checkt

Schaut man sich die dpa-eigene Beschreibung der Methodik dieser Studie, wie weiter oben bereits zitiert, genauer an, dann fällt Folgendes auf:

Die Faktenchecker sagen hier, ohne anscheinend zu wissen, welche Bedeutung diese Aussage hat, Folgendes: „Das Ergebnis ihrer Modelle: Innerhalb dieses Zeitraums fielen die Wachstumsraten in allen beobachteten Ländern und Regionen von hohen Ausgangswerten ausgehend fast gegen Null und blieben anschließend grob bei diesem Wert“.

Diese Erklärung ist nicht falsch. Im Gegenteil! Was aber bei dieser „Interpretation“ unterschlagen wird, das ist die Tatsache, dass „alle beobachteten Länder und Regionen“ auch Länder und Regionen umfasste, die keine oder kaum „nicht-pharmazeutische Interventionen“ durchgeführt hatten. Aber auch in diesen Ländern/Regionen sah man die gleichen Effekte wie in denen, wo Lockdown und „AHA“-Regeln wüteten.

Daraus leiteten die „Studienbetreiber“ des NBER-„Arbeitspapiers“ angeblich nur ab, dass die angeordneten Maßnahmen überbewertet würden. Diese Aussage heißt laut meiner „Interpretation“, dass im Falle von angeblich wirksamen Maßnahmen diese sich dadurch auszeichnen, dass sie in den Ländern/Regionen nachweisbare und wirksame Spuren hinterlassen haben müssten, während in den Ländern/Regionen, wo keine oder kaum „wirksame“ Maßnahmen durchgeführt wurden, entsprechend höhere Mortalitäts- oder Morbiditätsraten zu verzeichnen wären. Und genau das war aber nicht der Fall!

Vor diesem Hintergrund kann man schon von einer Überbewertung dieser Maßnahmen reden – eine vorsichtige Formulierung für die Wirkungslosigkeit der Maßnahmen.

Warum das NBER ein Arbeitspapier gemacht hat

Da es angeblich dem NBER nicht darum ging, die nicht-pharmakologischen Interventionen zu begutachten, worum ging es denn dann?

Laut dpa hat das NBER diesen Aufwand veranstaltet, um „Hinweise für weitere Forschung“ zu geben – und – davor zu warnen, „die Bedeutung staatlicher Maßnahmen zu überhöhen“. Klar, machen wir auch nicht. Brauchen wir auch gar nicht. Denn die staatlichen Maßnahmen sind ja selbstverständlich wirksam und adäquat und brauchen von daher auch nicht überhöht zu werden, gelle?

Und das ist es, was laut dpa dieses „Arbeitspapier“ zum Ausdruck bringen wollte und weswegen es erstellt wurde: Die Maßnahmen waren alle und überall in Ordnung. Darum braucht es keine „Überhöhung“ in deren Einschätzung. Toll!

Und überhaupt, die Aussagen des Arbeitspapiers dienten lediglich als Diskussionsgrundlage für andere Forscher, laut Angaben der Homepage. Also haben Arbeitspapiere keinen Aussagewert? Zumindest interpretiere ich die Interpretation der dpa in diese Richtung.

Nur, wissenschaftliche Veröffentlichungen sind immer Diskussionsgrundlage. Niemand, der wissenschaftlich korrekt arbeitet, wird sich hinstellen und Herrn Wieler imitieren, indem er behauptet, dass seine wissenschaftlichen Ergebnisse „NIE hinterfragt werden dürfen“ und dass man selbige einfach zu glauben hätte.

Interessant auch die Angabe der Homepage durch die dpa. Es handelt sich hier um eine archivierte Webseite:

NBER Working Papers

Die aktive Homepage sieht etwas anders aus:

Working Papers | NBER

Auf der archivierten Seite steht im Gegensatz zu der Verlautbarung der dpa, die in ihrem „Interpretations-Faktencheck“ von „vorläufigen Ergebnissen“ der Arbeitspapiere spricht, die Erklärung von NBER, dass hier Forschungsergebnisse in einer vorläufigen Form zur Verfügung gestellt werden. Ich sehe einen Unterschied zwischen „Forschungsergebnissen in vorläufiger Form“ und „vorläufigen Ergebnissen“. Bei der dpa hat man einfach die Tatsache, dass es sich hier um Forschung handelt, heraus interpretiert.

Auf der aktiven Homepage fehlt dieser Hinweis inzwischen beziehungsweise ist etwas modifiziert worden. Das NBER spricht hier von „neuen Forschungsergebnissen“ die auf der Seite zur Einsichtnahme bereitgestellt werden. Bezeichnenderweise werden diese „Arbeitspapiere“ auf der Webseite des NBER unter der Kategorie „Forschung“ eingeordnet.

Damit dürfte klar sein, dass die dpa-Kategorisierung/Interpretation der Arbeitspapiere als Laberveranstaltung und nicht als wissenschaftliche Beiträge eine Interpretation ist, wie sie ein Astroturfer nicht besser hätte hinbekommen können.

Fazit

Der Faktencheck der dpa erweist sich wie so viele Faktenchecks zuvor auch als grandioses Eigentor.

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Beitragsbild: fotolia.com

Dieser Beitrag wurde am 12.11.2020 erstellt.

3 Kommentare Kommentar hinzufügen

  1. Avatar

    Das Beste an den Masken ist, dass man sehen kann, das etwas getan wird. Und wer Lockdowns oder Hilfspakete verkündet, der kann so richtig schön „entschlossener Politiker“ spielen.
    Da sind die Verbesserung der Verhältnisse im ÖPNV, den Schulen und im Gesundheitswesen doch lange nicht so schillernd.

  2. Avatar

    Fakt ist, dass die Politik kein Konzept hat. Bundeswirtschaftsminister Altmaier predigte noch vor ca. 1 Woche, dass es patriotische Pflicht sei, vor Weihnachten in den Innenstädten einzukaufen, aktuell kommt der harte Lock down und das war es mit dem Einkaufen ab dem 16.12.2020, obwohl noch im September die Politik einräumte, es wäre ein Fehler gewesen Schulen, Kitas, Geschäfte, Gaststätten, Friseure etc. dicht zu machen, zumal es dort Hygienekonzepte bis zur Außengastronomie im Winter mit Heizung, warmen Decken etc. gibt. Geld für Hepa-Luftfilteranlagen, Entlüftung über das Dach (Material für 200,– € aus dem Baumarkt je Klassenraum) wurde in Schulen nicht investiert, statt dessen sollen sich die Schüler darunter auch Kinder, auf offene Fenster und Zugluft einstellen.
    Die Hauptinfektionsquelle, der ÖPNV wird nicht dahin reguliert, mehr Bahnen und Busse einzusetzen um Abstand zu ermöglichen, die Erfahrungen von Eltern über die Situation vor dem morgendlichen Schulbeginn werden ignoriert.
    Was wird uns der heute beschlossene harte Lockdown bringen? Gewalt gegen Frauen und Kinder steigt signifikant an. Einsamkeit, Anstieg schwerer depressiver Episoden, Suizide, alte Menschen, die in ihren Wohnungen verhungern, Menschen, die Angst haben, sich behandeln zu lassen, auch bei akut lebensbedrohlichen Erkrankungen, wie Herzinfarkt und Schlaganfall, den Rettungsdienst nicht in Anspruch nehmen.
    Uns fehlen Pflegekräfte, die anständig bezahlt werden, Intensivbetten sind hinreichend vorhanden, eine Warn-App, die diesen Namen wirklich verdient und Politiker, die verantwortlich handeln, statt das Land in den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Abgrund mit zu befürchtenden gewalttätigen Konflikten und Verteilungskämpfen zu treiben.
    treiben

  3. Avatar
    Kirsten Opriel

    12. Februar 2021 um 22:21

    Ich empfehle, sich die Sitzungen des Corona Ausschusses anzusehen, um das große Bild hinter der geschürten Coronapanik zu verstehen. Es geht nicht um ein Virus oder das Retten von Menschenleben.
    Ich wollte es auch lange nicht wahrhaben und habe noch letzten Sommer gedacht, dass die Sache wegen der Medien aus den Fugen geraten ist. Weit gefehlt. Ebenfalls lesenswert: Paul Schreyers Buch „Chronik einer angekündigten Krise – Wie ein Virus die Welt verändern konnte“.
    Great Reset, ein paar größenwahnsinnige Superreiche, alles durchgeplant – und schon macht alles Sinn.
    Wenn sich nicht endlich viel, viel mehr Leute wehren und die Anwälte, die weltweit versuchen, den Wahnsinn zu stoppen, keine Erfolg haben – dann gute Nacht, Welt.

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