Es gibt da einen geflügelten Ausdruck: Wenn man keine Probleme hat, dann macht man sich selbst welche.

Das lässt sich leider auch auf den Bereich der Medizin übertragen: Wenn man keine Krankheit hat, dann gibt es die Möglichkeit, eine zu erfinden. Oder aber man überlässt diese Angelegenheit den Spezialisten der Medizin, die dann in mindestens 10 Prozent der Fälle eine erfolgreiche Falschdiagnose erstellen können… Ja, und auch ich nehme mich von solchen Fehldiagnosen nicht aus.

Das Resultat einer solchen Falschdiagnose wäre dann eine Behandlung (meist mit Medikamenten der Schulmedizin), die nicht nur unnötige Kosten verursachen, sondern auch unnötige Nebenwirkungen, die viele Medikamente mit sich bringen.

Auf der anderen Seite besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass wirklich eine Erkrankung vorliegt, die dann jedoch aufgrund der Falschdiagnose unbehandelt bleibt. Damit hätte der Patient den doppelten Schaden: die richtige Krankheit wird nicht behandelt und kann sich entwickeln und die Brieftasche und das bisschen Gesundheit (was noch übrig geblieben ist), wird durch die falsche Behandlung – sagen wir mal: “gestört”.

Zu Fehldiagnosen im Bereich der Röntgenologie in Notaufnahmen hatte ich schon mal in meinem Naturheilkunde-Blog geschrieben: http://naturheilt.com/blog/fehldiagnosen-roentgen-notaufnahme/

Zur Problematik falscher Diagnosen gesellt sich eine weitere Untersuchung, die sich auf die Diagnose „Multiple Sklerose“ (MS) (als besonders „schlechtes“ Beispiel) konzentrierte. Diese Studie versuchte die Charakteristika zu beschreiben, die für Fehldiagnosen bei dieser Erkrankung typisch sind. Dazu hatten die Autoren einen Fragebogen über das Internet an ihre Kollegen geschickt, die als MS-Spezialisten galten. In dem Fragebogen ging es darum, herauszufinden, ob und wie viele Patienten von Hausärzten, Allgemeinmedizinern usw. an die MS-Spezialisten überwiesen worden waren, bei denen die zuvor gestellte und dem Patienten bereits mitgeteilte Diagnose MS dann doch nicht bestätigt werden konnte.

Die 122 MS-Spezialisten, die an der Studie teilnahmen und befragt worden waren, gaben an, dass sie zusammen mindestens 600 Fälle benennen konnten, bei denen es nachweislich zu einer Falschdiagnose gekommen war. 95 Prozent der Spezialisten gaben an, mindestens einen, meist aber mehrere Patienten überwiesen bekommen zu haben, bei denen die Diagnose „MS“ sich als falsch herausstellte. Die Mehrheit der Studienteilnehmer – über 90 Prozent – gab zudem an, dass bei den meisten falsch diagnostizierten Patienten bereits über den Hausarzt eine entsprechende medikamentöse Therapie eingesetzt hatte.

Diese unnötigen Therapien kosteten das amerikanische Gesundheitssystem geschätzte 11 Millionen Dollar pro Jahr. 94 Prozent der befragten Spezialisten sagten außerdem aus, dass die klinische Behandlung dieser Patienten eine größere Herausforderung für sie war, als einem Patienten die neue Diagnose überbringen zu müssen. Und zu guter Letzt gaben 14 Prozent an, dass sie die „guten Nachrichten“ der Falschdiagnose ihren Patienten nicht zumuten wollten. Denn sie gehen davon aus, dass eine solche Mitteilung mehr psychologischen Schaden anrichtet als das Verschweigen der tatsächlichen Begebenheiten.

Die Autoren der Studie kamen zu dem Schluss, dass die Falschdiagnose MS häufiger zu sein scheint als allgemein angenommen. Dies hat signifikante Konsequenzen für die betroffenen Patienten, deren Behandlung und die damit verbundenen Kosten. Die Behandlung eines fehldiagnostizierten MS-Patienten ist eine besondere Herausforderung, wobei die Übermittlung der Wahrheit eine weitere Herausforderung ethischer Natur für die behandelnden Ärzte ist.

Nur die Spitze des Eisbergs?

Diese Studie gibt nun Grund zu der Vermutung, dass nicht nur im Bereich von MS Falschdiagnosen gehäuft auftreten. Vielmehr lässt sich vermuten, dass auch in anderen Bereichen, wie Krebserkrankungen, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen Falschdiagnosen auftreten, die möglicherweise ähnlich häufig sind. Dr. Eran Klein, ein Ko-Autor dieser Studie, gibt zu bedenken, dass Fehldiagnosen besonders häufig bei Erkrankungen auftreten können, bei denen es keine definitiven Tests gibt. Diese Erkrankungen und deren Behandlung benötigen einen erfahrenen Fachmann mit dem entsprechenden Wissenshintergrund über diese Erkrankung – einen Spezialisten also.

Fazit

Hausärzte, Allgemeinmediziner etc. sollten bei komplizierteren Erkrankungen, für die sie kein spezifisches Hintergrundwissen und Erfahrung haben, lieber die Reißleine ziehen und den Patienten an die entsprechenden Fachärzte überweisen. Ich bin zwar kein Fan des “Facharzt-Tourismus”, aber bei solchen Diagnosen macht das schon Sinn. Wie man das dann therapiert – das ist dann wieder eine ganz andere Frage…

Link zur Studie: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22581930

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Beitragsbild: pixabay.com – DarkoStojanovic