Kaum eine Woche vergeht, ohne dass der deutsche Pressewald uns eine hoffnungsfrohe Mitteilung zukommen lässt, dass wieder einmal ein sensationeller Durchbruch in der medizinischen Behandlung von Krebs gelungen ist. Die letzten “Durchbrüche” waren die monoklonalen Antikörper (wie Avastin),  die auf „höchst selektive“ Art und Weise die Krebszellen eliminieren sollten und damit das sonst typische Nebenwirkungsspektrum einer Chemotherapie hinter sich gelassen haben sollten.

Dieser Fortschritt war natürlich mit den entsprechenden Kosten verbunden. Unter dem Strich jedoch zeigen fast alle Durchbrüche keine signifikanten Wirkungen auf die Überlebenszeit. Sie erhöhen sie um einige wenige Monate, mehr nicht. Wie dies im Einzelnen aussehen kann bzw. aussieht, habe ich schon unter „Durchbrüche in der Krebsmedizin – Näher betrachtet“ und „Bekanntes Krebsmedikament: Mehr Schaden als Nutzen?“ diskutiert.

Einbruch statt Durchbruch

Heute muss z.B. der „Spiegel“ zugeben, dass „gerade einmal jede zehnte Ankündigung eines neuen Ansatzes zur Bekämpfung von Krebs sich später auch bestätigen lässt“ (www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,824405,00.html). Das heißt in Zahlen ausgedrückt, dass ca. 9 von 10 Durchbrüchen und Hoffnungen bei der Krebstherapie mehr oder weniger im Sande verlaufen, da sie es nicht einmal bis zu den klinischen Tests schaffen.

90 Prozent – da könnte man evidenzbasiert vermuten, dass das eine statistisch signifikante Zahl von Einbrüchen ist. Grund für diese schulmedizinische evidenzbasierte Katastrophe ist, laut Glenn Begley und Lee Ellis, die übereilte und nahezu unkritische Veröffentlichung von Untersuchungsergebnissen, die in das Beuteschema der Pharmafirmen passen. Diese Ergebnisse sind selten verifiziert und mit der Praxis abgeglichen, werden aber schnellstmöglich als Durchbruch dargestellt.

Die beiden Wissenschaftler hatten 53 wissenschaftliche Arbeiten aus den letzten 10 Jahren untersucht. Alle diese Arbeiten beschworen neue Ansätze und Wege in der Krebstherapie oder neue Medikamente. Unter dem Strich sind heute nur noch 6 Ansätze im Gespräch. Der große Rest ging den Weg alles Vergänglichen: Die einmal gemachten Beobachtungen, die den Hype auslösten, konnten in der Praxis nicht bestätigt werden.

Da fragt man sich, wieso die Wissenschaft es sich erlauben kann, so viel „Ausschuss“ zu produzieren. Grund für den Ausschuss ist mit großer Wahrscheinlichkeit der Publikationsdruck, dem die Wissenschaftler ausgesetzt sind. Da leidet schon mal die Qualität der veröffentlichten Arbeiten, da diese ja schnell und möglichst perfekt an die Öffentlichkeit gelangen sollen. Und wenn es Ecken und Kanten bei den Ergebnissen geben sollte, dann wird die Story glatt gebügelt. Das Ganze hat dann zwar nichts mehr mit „Wissen“schaft zu tun, sondern mit Legoland, füttert dafür aber die Presse mit Sensationsmaterial und hält die Firmen, die ihr Legoland verbreiten, im Gespräch.

So kommen die beiden Autoren zu dem Ergebnis, dass es in der medizinischen Forschung nur äußerst selten sauber durchgeführte Arbeiten gibt, mit einem dementsprechenden Aussagewert. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass Arbeiten mit negativen Ergebnissen erst gar nicht veröffentlicht werden. In der Welt des allgemeinen Positivismus haben solche Studien keinen Platz. Die medizinische Forschung veröffentlicht in der Regel lieber dubiose Hurra-Ergebnisse als solide Negativ-Ergebnisse. Die beiden Autoren bemängeln, dass die meisten Forscher nur die Daten veröffentlichen, die zur eigenen Theorie passen. Die Daten, die weniger passen oder gar widersprechen, die landen im Reißwolf.

Der abschließende Vorschlag der beiden Autoren ist besonders eigenartig: Sie empfehlen den Einsatz von Doppel-Blind-Versuchen schon bei frühen Tests, was eine unwissenschaftliche Selektion von Datenmaterial verhindern hilft. Eigenartig ist hier weniger der Inhalt dieser Empfehlung, sondern dass die beiden überhaupt eine solche Empfehlung machen müssen. Denn genau diese Empfehlung wird oft als Vorwurf gegenüber der alternativen Medizin seitens der Schulmedizin getätigt. Die Forschungen im alternativen Bereich werden als wissenschaftlich nicht sauber verpönt, da keine randomisierten, doppelblinden, Plazebo kontrollierten Studien durchgeführt werden und diese damit ohne Aussagekraft seien. Wie es scheint, redet die Schulmedizin mal wieder von sich selbst, wenn sie Forderungen aufstellt, die zu erfüllen sie selbst nicht in der Lage ist.

Fazit

In dem Maße, wie die Krebserkrankungen zunehmen, werden auch die Durchbrüche in der Presse zunehmen. Und vor lauter Durchbrüchen vergisst die Schulmedizin und deren Forschung ihre eigentliche Aufgabe: Weniger Klappern beim Handwerk, statt dessen solide Ergebnisse. Denn sonst bleibt ihnen weiterhin nichts anderes übrig, als die Einbrüche als Durchbrüche zu verkaufen.

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Beitragsbild: fotolia.com – crevis