2020 gab es in deutschen Krankenhäusern weniger Beatmungen als 2019

2020 gab es in deutschen Krankenhäusern weniger Beatmungen als 2019. Dazu müssen wir uns die sogenannten SARI-Fälle anschauen.

Unter „SARI“ versteht man schwere akute Infektionen der Atemwege. In einem Beitrag vom 1. Dezember 2020 hatte ich die Belegung der Intensivbetten durch SARI und/oder Covid-19 beschrieben. Hier zeigte sich, dass es im Jahr 2020 weniger Patienten als im Jahr 2019 gab, die laut Statistik mit SARI diagnostiziert wurden.

In folgender Grafik zeigen sich die wöchentlichen Verläufe von SARI-Fällen in den beiden Jahren 2019 und 2020 darstellt.

Man sieht hier, dass im Jahr 2019 ohne Covid-19 in vielen Monaten höhere Fallzahlen zu verzeichnen waren als in 2020. Bei einer „Pandemie“, bei der SARS-CoV-2 als todbringendes Virus zuschlägt, sollte man eigentlich für das Jahr 2020 signifikant höhere Zahlen erwarten als hier abgebildet sind.

Eine weitere Übersicht von Zack F (Quelle InEK Datenbrowser) zeigt es noch deutlicher:

Beatmete Patienten 2019 - 2020

Ebenfalls sehr erhellend ist ein Blick auf die Beatmungsdauer der Patienten:

Beatmungsdauer Intensiv 2019 im Vergleich zu 2020

Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter „Unabhängig. Natürlich. Klare Kante.“ dazu an:

Aber da gibt es ja sofort Stellungnahmen, die behaupten, dass Covid-19-Fälle in dieser Grafik (Statistik) gar nicht dabei seien. Zum Beispiel bekommt man auf Twitter und in anderen Nachrichten sofort Antworten wie von einer gewissen Julia Müller:

Das heißt also, dass der Kurvenverlauf von 2020 die Covid-19-Fälle nicht beinhalten soll?

Rechtsanwalt Ralf Ludwig zitiert in einer Antwort die „Initiative für Qualitätsmedizin“, die in ihrer eigenen Veröffentlichung aussagt, dass die Zahlen für die Kurve von 2020 bereits Covid-19 bedingte SARI-Fälle mit eingeschlossen hatten:

Die SARI-Fallzahl 2019 war mit insgesamt 217.131 Fällen höher als 2020 mit 187.581 Fällen, worin auch die COVID-19 bedingten SARI-Fälle eingeschlossen waren.

Aber auch ohne die „Initiative für Qualitätsmedizin“, die sich ja vielleicht bei der Zuordnung geirrt hatte, gibt es ganz eindeutige Belege, dass Covid-19 als Teil von SARI betrachtet wird.

Ich hatte dazu in meinem Beitrag über die Zahlen vom RKI Folgendes festgestellt:

„Hierzu sei vermerkt, das SARS-CoV-2 Teil von ARE und/oder ILI ist und keine eigene Kategorie für sich in Anspruch nimmt. Oder mit anderen Worten: Wir haben eine Pandemie laut RKI, die sich dadurch auszeichnet, dass die Erkrankungsraten an Lungeninfektionen deutlich hinter den Zahlen des Vorjahres liegen.“

Hier habe ich auch die Definitionen für ARE und ILI gegeben.

Wenn man in Wikipedia nach „SARI“ sucht, wird man zu „ILI“ weitergeleitet, wo unter der Unterüberschrift „Other causes“ (andere Ursachen) unter anderem SARS und Covid-19 angeführt werden. Hier wird SARI als eine ILI definiert, falls für den Patient eine Krankenhausbehandlung erforderlich wird.

Das heißt also, wenn Julia Müller Wikipedia und/oder die „Initiative für Qualitätsmedizin“ recherchiert hätte, wäre dies sehr hilfreich gewesen.

Aber nicht nur das. Denn wie es aussieht, hat Lieschen Müller ebenfalls sich nicht der Mühe unterzogen, den ICD-Code zu recherchieren (was ebenfalls extrem hilfreich gewesen wäre).

ICD und Covid-19

Es scheint verschiedene Webseiten zu geben, unter denen man die ICD-Codes „knacken“ = einsehen kann. Hier zwei Beispiele:

Unter 2021 ICD-10-CM Codes J12*: Viral pneumonia, not elsewhere classified gibt es den Code „J12.81 – Pneumonia due to SARS-associated coronavirus“.

Eine andere Webseite zur Bestimmung der ICD-Codes zeigt unter exakt dem gleichen Code exakt die gleiche Beschreibung: J12.81 – Pneumonia due to SARS-associat… | NueMD.

Dies heißt nach meinem Verständnis, dass schwere Verläufe von Covid-19, die zu einer ILI (SARI) führen, sehr wohl in den Zahlen für SARI enthalten sind. Darüber hinaus gibt es milde Covid-19-Verläufe (die in der Überzahl sind), die selbstverständlich in dieser Kategorie nicht auftauchen, da sie halt keine schweren Verläufe darstellen.

Und SARI/ILI ist nicht mit Covid-19 identisch, sondern hat eine ganze Reihe von möglichen weiteren Ursachen, wenn man Wikipedia (siehe Link weiter oben) glauben darf.

Ich denke aber, dass bei einer verheerenden Pandemie auch deutlich vermehrt verheerende Krankheitsverläufe beobachtet werden müssten, was für das Jahr 2020 offensichtlich nicht der Fall zu sein scheint. Weder SARI alleine noch dramatische Covid-19-Verläufe haben dazu beitragen können, dass die SARI-Zahlen von 2019 erreicht oder gar übertroffen worden wären.

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Beitragsbild: 123rf.com – Katarzyna Bialasiewicz

Dieser Beitrag wurde am 18.1.2021 erstellt und am 16.2.2021 ergänzt.

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  1. Avatar
    Lieber Annoym

    26. Januar 2021 um 17:20

    Mein Verständnis bisher war bisher, das die U-ICD-Codes nur *zusätzliche* Codes sind, die jedoch nicht alleine verwendet werden können/sollen. Folgende Fälle sind denkbar:

    1.) SARI Code (J09-22) *ohne* Covid-Code (U07) = Symptomatische Erkrankung des Atmungssystems, aber kein Covid(-Verdacht)
    2.) SARI Code (J09-22) *mit* Covid-Code (U07) = Symptomatische Erkrankung des Atmungssystems, mit Covid(-Verdacht)
    3.) *kein* SARI Code *mit* Covid-Code (U07) = Andere (Primär)Erkrankung, also keine Erkrankung des Atmungssystems (z.B. aber Herzinfarkt, Autounfall, …), jedoch mit Covid(-Verdacht), also positiver PCR-Test ohne Symptome in den Atemwegen

    So dürfte auf der Intensivstation am Beatmungsgerät eigentlich niemand liegen, der einen Covid-Code, aber *keinen* SARI Code hat. Patienten mit SARI Code müsste daher eigentlich die Übermenge sein und die „echten“ Covid-Patienten mit den typischen Symptomen beinhalten (von Codierungsfehlern mal abgesehen).

    Aber, dies ist mein Verständnis eines Laien. Die IQM bzw. die Krankenhäuser sollten eigentlich wissen, wie es codiert sein müsste.

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