Was versteht man unter einer Urtinktur?
Um den Begriff der Urtinktur zu definieren ist es am besten wenn man weiß, wie so eine Urtinktur hergestellt
wird.
Zur Herstellung der Urtinktur wird eine Pflanze bzw. das mineralische oder tierische
Ausgangsprodukt zerkleinert und "mazeriert" - also mit Flüssigkeit übergossen.
Als Flüssigkeit dient in der Regel Wasser oder Alkohol - genauer gesagt Äthanol.
Was die Menge angeht, so ist das vorgeschriebene Mischverhältnis einzuhalten.
Manchmal werden auch Pflanzenöle zur Mazeration verwendet. Dabei erhält man einen sogenannten kalten Auszug.
Erfolgt die Prozedur unter Zufuhr von Wärme spricht man von Digerieren.
Sind die Ausgangssubstanzen schlecht löslich, erlaubt das Homöopathische Arzneibuch (HAB) auch Verfahren wie
Abkochen oder Fermentieren.
Bei der Fermentation erfolgt die Vergärung der Pflanzenteile normalerweise unter Luftabschluss. Meist werden
Pflanzen direkt nach der Ernte weiterverarbeitet. Es gibt jedoch auch Zubereitungen aus getrockneten Substanzen
oder mit abgepresstem Pflanzensaft.
Der Ansatz bleibt gemäß der jeweiligen Monographie des HAB über die vorgeschriebene Zeit stehen. An der Sonne
oder im Dunkeln, je nachdem ob er dem Licht ausgesetzt werden soll und darf.
Dabei gehen Wirkstoffe, Aroma und Farbe der Ausgangssubstanz in die Lösung über. Nicht von ungefähr ist der
Begriff Urtinktur vom lateinischen Wort „tinctura“ für Färbung abgeleitet.
Das homöopathische Wirkungsprinzip geht davon aus, dass bei dieser Prozedur auch die
kompletten energetischen Informationen aus der Pflanze, dem Mineral etc. übertragen werden.
Die unlöslichen Bestandteile werden abfiltriert. Die so gewonnene konzentrierte Flüssigkeit (die Urtinktur
eben), dient als Grundlage für die weitere homöopathische Aufbereitung. Durch Mischen, Verdünnen und Verschütteln
gewinnt man die entsprechenden Potenzen. Doch auch die Urtinktur selbst kann
direkt als homöopathische Arznei verwendet werden.
Ein spezielles Verfahren dient der Gewinnung von Nosoden aus körpereigenen Sekreten
wie Blut oder Urin. Auch Exkremente, Eiter, Krankheitskeime wie zum Beispiel Tuberkulosebakterien oder gar
pathologisches Material wie Krebszellen kommen als Ausgangsstoffe in Frage.
Nosoden werden in der Homotoxikologie und der Homöopathie natürlich nie als Urtinktur verordnet. Sie werden in
hohen homöopathischen Potenzen (auch Hochpotenzen) eingesetzt, bei denen der Ausgangsstoff keinerlei pathogene
(krankmachende) Wirkung mehr hat.
|