Goethes Faust

  • Über die Pest und die Gifte die zur "Heilung" verabreicht wurden


    Nur wenig Schritte noch hinauf zu jenem Stein,

    Hier wollen wir von unsrer Wandrung rasten.

    Hier saß ich oft gedankenvoll allein

    Und quälte mich mit Beten und mit Fasten.

    An Hoffnung reich, im Glauben fest,

    Mit Thränen, Seufzen, Händeringen

    Dacht’ ich das Ende jener Pest

    Vom Herrn des Himmels zu erzwingen.


    Der Menge Beyfall tönt mir nun wie Hohn.

    O könntest du in meinem Innern lesen,

    Wie wenig Vater und Sohn

    Solch eines Ruhmes werth gewesen!

    Mein Vater war ein dunkler Ehrenmann,
    Der über die Natur und ihre heilgen Kreise,

    In Redlichkeit, jedoch auf seine Weise,

    Mit grillenhafter Mühe sann.


    Der, in Gesellschaft von Adepten,

    Sich in die schwarze Küche schloß,
    Und, nach unendlichen Recepten,

    Das Widrige zusammengoß.

    Da ward ein rother Leu, ein kühner Freyer,

    Im lauen Bad, der Lilie vermählt

    Und beyde dann, mit offnem Flammenfeuer,
    Aus einem Brautgemach ins andere gequält.

    Erschien darauf, mit bunten Farben,

    Die junge Königin im Glas,


    Hier war die Arzeney, die Patienten starben,

    Und niemand fragte: wer genas?

    So haben wir, mit höllischen Latwergen,

    In diesen Thälern, diesen Bergen,

    Weit schlimmer als die Pest getobt.

    Ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben,

    Sie welkten hin, ich muß erleben
    Daß man die frechen Mörder lobt.



    Ich finde es traurig, daß auch heute noch versucht wird mit zusammengebrauten Giften Menschen zu heilen, und die Natur zu bezwingen, wo heute auch eindeutg bekannt ist, daß große Künstler wie Mozart nicht an der Krankheit, sondern an der Behandlung mit Quecksilber und Arsen starb, faktisch ermordet wurde.

    "Früher war Alles besser!" Nein, aber Früher war vieles gut, und das wäre es noch heute, wenn man es so gelassen hätte."

  • Newsletter für Vitalstoffe von René Gräber

  • daß große Künstler wie Mozart nicht an der Krankheit, sondern an der Behandlung mit Quecksilber und Arsen starb, faktisch ermordet wurde.

    So erging es Hölderin übrigens auch, weil man ihm eine psychische Krankheit vorwarf und seine Gedichte anzweifelte:wacko:


    Nach glanzvollen Anfängen lebt ein deutscher Dichter 36 Jahre lang in einer Tübinger Turmstube. Lebensuntüchtig, unter Vormundschaft gestellt und menschenscheu wird er von einem Schreiner und seiner Familie umsorgt. War Friedrich Hölderlin (1770 bis 1843) in dieser Zeit „geistig umnachtet“, litt er womöglich an einer Schizophrenie? Diese Frage, die in den Augen mancher auch ein Urteil über den Wert seiner späten Gedichte beinhaltet, beschäftigt seit zwei Jahrhunderten Germanisten und Psychiater.


    „Hölderlin war nicht verrückt“, nennt nun der Pharmakologe Reinhard Horowski seine Streitschrift. Er meint, der Dichter sei von Ärzten – in bester therapeutischer Absicht – schleichend vergiftet worden. In einer Lebensphase, in der ihn der Tod seiner geliebten „Diotima“ Susette Gontard und die Enttäuschung seiner Hoffnung auf politische Veränderungen zutiefst niedergeschlagen und zeitweilig in eine Depression getrieben haben.


    Es begann mit dem Gefälligkeitsgutachten eines befreundeten Arztes, der Hölderlin einen Verwirrtheitszustand attestierte und so einen Prozess wegen Hochverrats und lebenslange Kerkerhaft im württembergischen Landeszuchthaus auf dem Hohenasperg ersparte. Die These, die Diagnose sei nur zu diesem Zweck gestellt worden, vertrat der französische Germanist und Hölderlin-Biograf Pierre Bertaux schon in den 1970er Jahren. Folgt man dem Pharmakologen Horowski, dann kam Hölderlin vom Regen des drohenden Prozesses in die Traufe einer nicht weniger folgenreichen Behandlung, die ihn erst wirklich krank machte.


    Quecksilberhaltiges Kalomel in hoher Dosierung


    In der Nervenklinik in Tübingen ist ihm neben dem Tollkirschen-Extrakt Belladonna und Opium, die beide „dämpfend“ wirken sollten, einem erhaltenen Rezeptbüchlein zufolge nämlich auch Kalomel in hoher Dosierung verabreicht worden. Die Quecksilberverbindung (Dimercuri-Dichlorid) wirkt als drastisches Abführmittel. Hölderlin bekam es möglicherweise auch gegen Verstopfung, die durch das Opium hervorgerufen wurde. Die giftige Substanz könnte ihm Körper und Seele nachhaltig ruiniert haben, meint Horowski.

    hier geht es weiter

    https://www.tagesspiegel.de/wi…uers-gemuet/19772646.html


    tolles Thema Nelli und Merci:)

    LG

    „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort.Dort treffen wir uns.“

    (Rumi)





  • Ja die Reihe der von Quacksalbern (das Wort ist übrigens in Bezug auf Quecksilber entstanden) vergifteten Größen ist lang.


    Mozart starb mit 35 Jahren an Syphilis, Franz Schubert mit 31 an Typhus, Novalis mit 27 an Tuberkolose, Schiller mit 45 an Tuberkolose. Also offiziell starben sie an den Krankheiten, nicht an der Behandlung.

    Und auch Hölderlin war ein Zeitgenosse der Frühromantik.

    "Früher war Alles besser!" Nein, aber Früher war vieles gut, und das wäre es noch heute, wenn man es so gelassen hätte."

  • Hier sind noch meine zwei Lieblingsstellen aus dem Faust:


    Das spricht wohl für sich selbst, wenn man bedenkt, wieviel heute schief läuft, weil viele nicht mehr ihrer Berufung nachgehen, sondern nur das große schnelle Geldmachen wollen.

    Faust

    Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen,
    Wenn es nicht aus der Seele dringt,

    Und mit urkräftigem Behagen

    Die Herzen aller Hörer zwingt.


    Sitzt ihr nur immer! leimt zusammen,

    Braut ein Ragout von andrer Schmaus,
    Und blas’t die kümmerlichen Flammen

    aus eurem Aschenhäufchen ’raus!


    Bewund’rung von Kindern und Affen,

    Wenn euch darnach der Gaumen steht;

    Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schaffen,
    Wenn es euch nicht von Herzen geht.


    Und hier über die Last der Wissenschaft die sein Vater ihm vererbte:


    Ihr Instrumente freylich, spottet mein,

    Mit Rad und Kämmen, Walz’ und Bügel.
    Ich stand am Thor, ihr solltet Schlüssel seyn;


    Zwar euer Bart ist kraus, doch hebt ihr nicht die Riegel.

    Geheimnißvoll am lichten Tag

    Läßt sich Natur des Schleyers nicht berauben,

    Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
    Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.

    "Früher war Alles besser!" Nein, aber Früher war vieles gut, und das wäre es noch heute, wenn man es so gelassen hätte."

  • Eugen Roth war auch Humoristisch und hat sich gerne über Krankheit und Quacksalber gerne lustig gemacht


    Neue Heilmethoden

    Berühmt zu werden, liegt an dem:

    Du musst begründen ein System!

    Such was Verrücktes und erkläre,

    Das alles Heil im Kuhmist wäre,

    Dem, auf die Wunde warm gestrichen,

    Noch jede Krankheit sei gewichen

    Und den, nachweislich, die Azteken

    Geführt in ihren Apotheken...

    Hält man dich auch für einen Narren,

    Du musst nur eisern drauf beharren,

    Dann fangen immer einige an,

    Zu glauben, es sei doch hier was dran,

    Und du gewinnst dir viele Jünger,

    Die deine Losung: Kraft durch Dünger!

    Streng wissenschaftlich unterbauen

    Und weiterkünden voll Vertrauen.


    Bäder

    Wenn sie als Kind zu heiß uns baden,

    So merkt man später wohl den Schaden.

    Doch kann man auch mit kalten Duschen

    Uns unsre Jugend arg verpfusche


    Äußerer Eindruck

    Willst du als Kranker Eindruck schinden,

    musst du dir schon den Kopf einbinden.

    Du kannst nur rechnen auf Erbarmen

    mit kompliziert gebrochenen Armen.

    Jedoch musst du bei Magenkrämpfen

    schon ziemlich zäh um Mitleid kämpfen,

    und gar bei Rheuma oder Gicht

    verabreicht man’s grundsätzlich nicht.

    Bei Seelenleiden, noch so groß,

    ist deine Mühe aussichtslos,

    es müsste denn grad Tobsucht sein:

    Die glaubt man dir – und sperrt dich ein!


    Altes Volks-mittel

    Wer Gelbsucht hat, der heilt sie bald:

    Er gehe in den nächsten Wald

    Und schau (und glaube fest daran!)

    Durchdringend einen Grünspecht an.

    Nur reden darf er keine Silben!

    Der Grünspecht wird sofort vergilben.

    Der Kranke aber, kerngesund,

    (Sofern er diesen Vogel fund,

    Der ihm gegangen auf den Leim)

    Geht mir nichts, dir nichts, wieder heim.


    Der rechte Arzt

    Fehlt dir‘s an Leber, Lunge, Magen,

    Musst du es Bekannten sagen,

    Damit sie, die dir Heilung gönnen,

    Dir ihren Arzt verraten können.

    Ist deine Krankheit eine schwierige,

    Kann keiner helfen als der ihrige.

    Sie möchten‘s schriftlich dir bescheinigen,

    Daß du verratzt bist mit dem deinigen.

    Herr Meier, der sich unterfing

    Und nicht zu ihrem Doktor ging –

    Es fehlte ihm wie dir das gleiche –

    War nach sechs Wochen eine Leiche.

    Herrn Schmidt, der auch es ausgeschlagen,

    Den hat man bald hinausgetragen,

    Den braven Mann, den unermüdlichen,

    Er liegt im Friedhof jetzt, im südlichen.


    Rekordsucht

    Der Patient es gerne sieht,

    Wenn für sein Geld auch was geschieht,

    Und dass, gar wenn‘s die Kasse zahlt,

    Man oft ihn badet und bestrahlt,

    Ihm Tränklein massenhaft verschreibt,

    Ihm Salben in den Rücken reibt.

    Ja, selbst wenn er vor Schmerzen winselt,

    Will er den Hals gern ausgepinselt.

    Er wird die Ärzte tüchtig preisen,

    Die ihn dem Facharzt überweisen.

    Sei es bewusst, sei‘s unbewusst -

    Das Wandern ist des Kranken Lust.

    Erschöpfen würde er die Kraft,

    Wenn‘s ging, der ganzen Wissenschaft,

    Nicht um gesund zu werden, nein –

    Nur, um der kränkste Mensch zu sein.


    LG

    „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort.Dort treffen wir uns.“

    (Rumi)





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