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Wikipedia – Propaganda und „Zensur“ der Alternativen Medizin?

Heilverfahren

FrĂŒher habe ich das Online-Lexikon Wikipedia geschĂ€tzt. Viele Menschen machen sich die Arbeit, um dessen Artikel zu verbessern und zu erweitern. Dabei sind alle Autoren zu GrundsĂ€tzen verpflichtet, um die QualitĂ€ts-Standards und damit die GlaubwĂŒrdigkeit des Portals zu wahren.

Seit seiner GrĂŒndung im Jahr 2001 – die englische Version ging am 15. Januar online, die deutsche folgte zwei Monate spĂ€ter – hat sich Wikipedia rasant zur meistgenutzten Online-EnzyklopĂ€die der Welt entwickelt. Inzwischen umfasst sie ĂŒber sieben Millionen englischsprachige und ĂŒber drei Millionen deutschsprachige Artikel, mit bis zu 4,6 Milliarden Besuchern pro Monat. Dieser Erfolg macht deutlich, warum Manipulationen an den Inhalten so gravierende Folgen haben.

Deshalb war Wikipedia fĂŒr mich lange eine veritable und zitierfĂ€hige Quelle. Doch irgendwann musste ich feststellen, dass bei Wikipedia mit zweierlei Maß gemessen wird. Offensichtlich werden manche BeitrĂ€ge zensorisch manipuliert, um den Eindruck zu erwecken, als wenn Autoren nicht korrekt arbeiteten. UnerwĂŒnschte Meinungen und sogar Fakten zu einigen Themen werden rigide unterdrĂŒckt.

Die weltanschaulich und politisch gefĂ€rbten Darstellungen gipfeln teilweise sogar in handfesten Verunglimpfungen und Falschbehauptungen ĂŒber Personen des öffentlichen Raumes. So stellte ein Autor mehrfach Politiker der Linken als Antisemiten dar. In einem dieser FĂ€lle wurde dieser Wiki-Texter mit dem Nick „Feliks“ vom Landgericht Koblenz zu 8.000 Euro Schadensersatz verurteilt.

Der Klarname des Autors und seine Machenschaften kamen durch die Arbeit des Recherche-Teams „wikihausen.de“ ans Tageslicht. Seitdem werden die Haupt-Akteure des Portals anonym bedroht.

Wikipedia-GrĂŒnder Larry Sanger erhebt ebenfalls den Vorwurf politisch gefĂ€rbter Meinungen. Verbunden sei das mit einer bewussten Streichung von Passagen, die den Administratoren nicht ins Weltbild passen. Als Beispiel nennt Sanger den Beitrag ĂŒber Joe Biden, aus dem die Fakten zu den GeschĂ€ftsbeziehungen dessen Sohnes Hunter zum ukrainischen Unternehmen Burisma herausgenommen wurden.

Die Angelegenheit hatte im Zuge der Ukraine-AffĂ€re Bedeutung erlangt und sollte aus Wikipedia verschwinden, um Joe Bidens Chancen bei der PrĂ€sidentschaftswahl zu erhöhen. Die einseitige UnterstĂŒtzung des Demokraten sollte Donald Trump schaden, wodurch der NeutralitĂ€ts-Anspruch der Plattform verletzt worden sei.

Solche Manipulation passen zum Ergebnis wissenschaftlicher Analysen: Der Forscher David Rozado vom Manhattan Institute zeigte 2024 mit KI-Methoden, dass Wikipedia systematisch negative Bewertungen fĂŒr konservative Politiker enthĂ€lt. Eine Studie der Harvard Business School fand insgesamt eine leichte Linkslastigkeit, die je nach Themenfeld aber auch in deutliche Rechtstendenzen kippen konnte. FĂŒr Deutschland dokumentieren Markus Fiedler und Dirk Pohlmann seit Jahren, wie eine kleine, intransparente Gruppe von Wikipedia-Aktiven mit quasi mafiösen Methoden Einfluss nimmt.

Hinter der Propaganda steckt ein ganzes System

Wikipedia ist zu diesem Zweck mit mehreren Organisationen insgeheim verknĂŒpft. Die Mittel der Agitation sind dabei weniger die sachliche Auseinandersetzung, sondern ein Weltanschauungsstreit mit teils grotesken, teils die Gegner diffamierenden ZĂŒgen. Motto der atheistisch geprĂ€gten VerbĂ€nde und der Humanistischen Partei ist dabei: Wer Gott oder sonstigem Aberglauben anhĂ€ngt, der glaubt auch an die Wirksamkeit der Homöopathie.

Die naturheilkundliche Methode wird so eingespannt in eine existenzphilosophische Kampagne. ZunĂ€chst werden nicht-atheistische Weltanschauungen als „irrational“ deklariert, um Andersdenkende sozusagen als unzurechnungsfĂ€hig abzustempeln.

Menschen, die die Homöopathie unterstĂŒtzen oder praktizieren, gehören nach der Darstellung der Agitatoren auch in diese Kategorie und werden letztlich in die Ecke geistiger Verwirrung gestellt. Auf subtile Art und Weise folgt auch Wikipedia dieser Argumentations-Kette. Zugute kommt dem Online-Portal dabei sein seriöser Ruf.

Alternativen zu Wikipedia und die Kontrolle von Außen

Nicht ohne Grund gibt es einige Initiativen, die Wikipedia den Nimbus des glaubwĂŒrdigen Universallexikons nehmen wollen. AufklĂ€rung und Kontrolle leistet hier das Projekt wiki-watch. Leitender Mitarbeiter ist Johannes Weberling von der UniversitĂ€t Viadrina in Frankfurt an der Oder.

Das Projekt FreeWiki ist erklĂ€rtermaßen eine Alternative zu Wikipedia. Kritisch sehen die Initiatoren, dass Wikipedia mittlerweile „nahezu ein globales Informations- und Meinungsmonopol“ innehat.

ErgĂ€nzend muss man auf eine Entwicklung hinweisen, die bislang kaum thematisiert wird: Wikipedia ist nicht nur Schulstoff, sondern lĂ€ngst auch Futter fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenzen. Praktisch alle großen KI-Systeme – von ChatGPT bis Gemini – greifen auf Wikipedia als Trainingsquelle zurĂŒck. Damit vervielfachen sich die ideologischen Verzerrungen automatisch und prĂ€gen die Antworten, die Millionen Menschen weltweit lesen.

Auch das Bildungssystem hĂ€ngt am Tropf von Wikipedia. Laut einer Umfrage nutzen 68 Prozent der LehrkrĂ€fte in Deutschland die Plattform regelmĂ€ĂŸig im Unterricht, bei SchĂŒlern liegt sie auf Platz zwei der meistgenutzten Recherchetools. WĂ€hrend Lehrer das direkte Zitieren verbieten, prĂ€gen die Artikel dennoch das Denken einer ganzen Generation.

Dabei gĂ€be es Alternativen. Der traditionsreiche Brockhaus bietet Schulen und UniversitĂ€ten Bildungslizenzen zu ĂŒberraschend geringen Kosten an – Nordrhein-Westfalen zahlte 2021 beispielsweise nur 166 Euro pro Schule und Jahr. Im Gegensatz zu Wikipedia arbeiten dort festangestellte Fachredakteure, die jeden Artikel mehrfach prĂŒfen. Doch weil Wikipedia kostenlos ist, bleibt die inhaltlich bessere Alternative fast ungenutzt.

Das sind die „Gameplayer“ im Spiel gegen die Alternativ-Medizin

Die Alternative Medizin wie auch die Homöopathie werden von einem Netzwerk bekÀmpft, dessen seltsamste Spinne die Internetplattform psiram.com ist. Seltsam deswegen, weil die Website zwar ein Impressum hat, in dem in Zuwiderhandlung gegen das Telemediengesetz kein einziger Verantwortlicher namentlich genannt wird.

Die absolute AnonymitĂ€t begrĂŒnden die Autoren mit einem Totschlag-Argument: Nötig sei das Versteckspiel deshalb, weil „die Autoren vor BelĂ€stigungen und Schlimmerem“ geschĂŒtzt werden mĂŒssten.

Denn man habe „bereits erleben mĂŒssen, dass Kritiker der Germanischen Neuen Medizin von jungen MĂ€nnern in schwarzen Stiefeln und mit Glatzen belĂ€stigt werden.“ ÜberprĂŒfbar sind die Behauptungen aufgrund der AnonymitĂ€t freilich nicht. Allerdings sind die Vermutungen, psiram-Administratoren wĂ€ren auch bei Wikipedia aktiv, auch nicht belegbar. Doch es gibt Anhaltspunkte dafĂŒr.

Wikipedia als Teil des „Systems“

DafĂŒr spricht unter anderem die Art der tendenziösen Darstellung der Homöopathie bei Wikipedia. AuffĂ€llig in dem Wikipedia-Beitrag ist die Anmerkung, dass die Lehre der Homöopathie zu den Pseudowissenschaften gezĂ€hlt wĂŒrde.

Die Autoren erwecken so den Eindruck, als könne eine höhere Instanz diese Klassifizierung allgemeingĂŒltig festlegen. Gleichzeitig erspart die Passivkonstruktion des Satzes den Autoren die Nennung von Personen, Quellen oder Organisationen, die fĂŒr die Vorgabe solcher Wertungen angeblich zustĂ€ndig sind.

Der Ursprung dieser Einordnung mit Absolutheitsanspruch ist eindeutig ideologischer Natur. Und hier schließt sich der Kreis zum Ansatz von psiram, dessen Selbstbezeichnung eine AbkĂŒrzung fĂŒr „Pseudowissenschaft, Irrationale Überzeugungssysteme, Alternative Medizin“ sein soll.

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Die Argumente wirken wie ein ideologischer Eintopf

In den psiram-BeitrĂ€gen wird alles Mögliche in eine Tonne gestampft und als Aberglaube deklariert: „Braune Esoterik, Anthroposophie“ (man beachte die perfide Reihenfolge), „Esoterik, Karma“, „Alternative Heilmethoden“ und anderes mehr. TatsĂ€chlich Scheinheiliges und Verwerfliches (Nazikram), Seriöses und AltehrwĂŒrdiges (Buddhismus) werden in einem Atemzug genannt und damit praktisch auf eine Stufe gestellt.

Hier wird nicht nur vom Hundertsten ins Tausendste argumentiert, sondern auch vereinfacht und verdreht.

Radikaler Atheismus, wie er bei psiram gepflegt wird, hat selbstverstĂ€ndlich seine Existenzberechtigung. Und in diesem „Schwarz-Weiß-Denken“ landet die natĂŒrlich auch die Homöopathie folglich auf dem Scheiterhaufen.

Und das hat dann auch mit begrĂŒndeter Kritik an bestimmten Verfahren der Naturheilkunde  oder der Alternativmedizin nichts mehr zu tun.

Das einflussreiche INH und deren VerbĂŒndete in der „GWUP“

Eine weitere Spinne im Netz der Homöopathie-Feinde ist das Informationsnetzwerk Homöopathie (INH). Der Organisation wird eine Verbindung zu psiram nachgesagt, was allerdings wegen des „verdunkelten Auftritts“ (ohne Impressum, also rechtswidrig betrieben) von psiram nicht eindeutig geklĂ€rt werden kann. Wahrscheinlich erscheinen Verbindungen aber deshalb, weil einzelne Artikel zur Homöopathie auf beiden Webseiten streckenweise ziemlich „wortgetreu“ sind.

GegrĂŒndet wurde die Organisation von der Medizinerin Natalie Grams (geboren 1978), die das INH auch leitet. Die Ärztin hatte selber Naturheilkunde inklusive Homöopathie praktiziert und machte dann eine 180°-Wende und fĂŒhrt seitdem unbeirrt einen Feldzug gegen die Methode Samuel Hahnemanns. DafĂŒr hat sich Grams im Netzwerk gegen die Homöopathie auch an anderen Stellen positioniert. Sie ist auch in weiteren Organisationen tĂ€tig, die aus einem atheistischen Weltbild heraus gegen die Homöopathie zu Felde ziehen.

So ist die Medizinerin als Kommunikationsmagerin in der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) tĂ€tig und hat auch einen Sitz im wissenschaftlichen Beirat des Verbandes. Das Gebaren der Organisation bezeichnet der Soziologe Dr. Edgar Wunder im Online-Portal „Swiss Propagande Resaerch“ als „Das Skeptiker Syndrom“. Unter anderem schreibt er:

,,Es gibt innerhalb der GWUP eine ganze Reihe von Mitgliedern, die ohne hinreichende fachliche Kenntnis der jeweiligen Materie eine Art Weltanschauungskampf gegen alles fĂŒhren wollen, was sie mit dem Begriff „paranormal“ assoziieren, die dabei auch (bewusst oder unbewusst) eine selektiv-einseitige Darstellung der Fakten und Argumente sowie zuweilen auch emotional-unsachliche rhetorische Taktiken in Kauf nehmen, wĂ€hrend sie an wissenschaftlichen Untersuchungen zu Parawissenschaften höchstens insofern interessiert sind, als deren Ergebnisse `Kanonenfutter` fĂŒr öffentliche Kampagnen liefern könnten.“

Dass es weniger um medizinische Sachverhalte geht, beschreibt Wunder wie folgt:

„Jene `Skeptiker` sehen das primĂ€re oder sogar einzige Ziel der Gruppe in Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, gewisse `paranormale` Vorstellungen in der Bevölkerung zurĂŒckzudrĂ€ngen oder den aktiven Vertretern solcher Überzeugungen `das Handwerk zu legen`. Es geht insofern um Mission und Advokatentum, bei dem die DurchfĂŒhrung von eigenen wissenschaftlichen Untersuchungen als relativ ĂŒberflĂŒssig erachtet wird, da ja eh klar sei, `daß alles Quatsch ist`.“

Weitere Mitstreiter wider die aberglÀubischen Alternativen

GWUP und INH sind nur zwei Ableger eines Stammes mit personellen Überlappungen. Doch auch im Wissenschaftsbeirat der Giordano-Bruno-Stiftung ist INH-Vorsitzende Grams aktiv. Die „evolutionĂ€ren Humanisten“ bezeichnen ihre Organisation selber mit einiger Überheblichkeit als „Denkfabrik fĂŒr Humanismus und AufklĂ€rung“.

Dazu gehört natĂŒrlich auch der Kampf gegen „Parawissenschaften vom Kreationismus bis hin zur Homöopathie“, so, als ob das eine mit dem anderen irgendetwas zu tun hĂ€tte. Ins gleiche Horn stĂ¶ĂŸt der Humanistische Pressedienst (hpd.de), als dessen VizeprĂ€sidentin Natalie Grams ebenfalls fungiert. Personell verknĂŒpft ist der INH auch mit dem Koordinierungsrat sĂ€kularer Organisationen (KORSO), in dem konfessionsfreie und atheistische Organisationen vertreten sind. PrĂ€sident des Dachverbandes ist Dr. Rainer Rosenzweig.

Der Wahrnehmungs-Psychologe ist daneben Mitglied im INH, hat einen Sitz im Wissenschaftsrat der GWUP, fungiert als Kurator der Giordano-Bruno-Stiftung und ist PrÀsident des Humanistischen Pressedienstes.

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Die Gegner der Alternativ-Medizin wollen in die Parlamente

Auf der politischen Schiene hat die Partei der Humanisten den Kampf gegen die Homöopathie aufgenommen. Die „rational-liberale Partei der Moderne“ setzt sich nicht nur fĂŒr Genmanipulation und Atomkraft ein, sondern will die ganze Alternativ-Medizin am liebsten aus der Welt schaffen. Die technokratische Splitterpartei hat die GWUP-Standpunkte zu Homöopathie ĂŒbernommen und unterstĂŒtzt eine Petition des INH an Jens Spahn. Darin wird eine Herausnahme der Homöopathie als Kassenleistung gefordert.

Die Hilfstruppen: MedWatch und Konsumentenbund

Das INH bezieht viele Informationen vermutlich aus dem Online-Portal MedWatch. Das  angebliche „Recherche-Magazin“ hat zum Ziel, „falsche Berichterstattung und irrefĂŒhrende Werbung ĂŒber gesundmachende Therapien und Produkte“ im Internet ausfindig zu machen. Das ist ja zunĂ€chst eine gute Sache.

Zu den bedenklichen „Wundermitteln“ zĂ€hlen bei Medwatsch, Ă€h…. Verzeihung: Medwatch auch die angeblichen „Agitatoren der Alternativmedizin“ und natĂŒrlich die Homöopathie. Übrigens: MedWatch wird von der Verbraucherorganisation „Deutscher Konsumentenbund“ finanziell gefördert.

Der Verband will sich einsetzen fĂŒr „marktwirtschaftliche Problemlösungen, mit Ausnahme der Versorgung mit ‚Arzneimitteln, Medizinprodukten und Gesundheitsleistungen`“. Zu den Ausnahmen gehören homöopathische PrĂ€parate hier allerdings nicht, denn die „Homöopathie ist auch das ‚Zugpferd‘ fĂŒr ein Abgleiten in andere Pseudomedizin“. Die Homöopathie gilt den Machern also quasi als Einstiegsdroge fĂŒr den Aberglauben an Wunderheiler. Der Deutsche Konsumentenbund hat den Ritterschlag zur qualifizierten Einrichtung im Sinne des Unterlassungsklagegesetzes erhalten. Mit 77 anderen VerbĂ€nden gehören die selbsternannten VerbraucherschĂŒtzer damit zur profitablen Abmahnungs-Industrie.

Der mĂ€chtigste Faktor der Front gegen die Homöopathie ist allerdings das INH. FĂŒr viele Medien ist der Verband eine Hauptquelle fĂŒr Informationen rund um Hahnemanns Lehren. Leiterin Natalie Grams darf auch schon mal im TV auftreten wie im Herbst 2018. Im SWR reichte ein Redakteur kritische Zuschauerfragen an die INH-Agitatorin weiter. Allein der Inhalt der Fragen gingen den Vorgesetzten des Ressortchefs zu weit und er musste sich entschuldigen.

In der Mediathek wurde der Beitrag sofort gelöscht. So weit also reicht der Arm des INH, sogar bis hinein in die Zensurabteilung der öffentlich-rechtlichen Medien.
Hier zeigt sich, wozu die Gruppierungen der Homöopathie-Gegner imstande sind. Kein Wunder also, dass auch Wikipedia-Autoren vor den „AufklĂ€rern“ kuschen mĂŒssen.
Kritik an Wikipedia ist durch eine Petition möglich

Diese sehr bedenklichen Trends beobachte ich seit einigen Jahren im Bereich der Alternativmedizin. Und vor einigen Jahren entdeckte ich auch eine Petition, die genau diese „bedenkliche Entwicklung“ aufgriff: https://www.change.org/petitions/jimmy-wales-founder-of-wikipedia-create-and-enforce-new-policies-that-allow-for-true-scientific-discourse-about-holistic-approaches-to-healing).

Worum geht es?

In der Petition wird bemĂ€ngelt, dass ein Großteil der Informationen ĂŒber holistische (alternative) Medizin auf Vorurteilen beruht oder aber missverstĂ€ndlich dargestellt werden, nicht auf einem aktuellen Stand sind, beziehungsweise komplett (wissentlich) falsch wiedergegeben werden.

Inzwischen sind neun Jahre vergangen, in denen die BemĂŒhungen, all diese MissstĂ€nde abzustellen, ergebnislos geblieben sind. Entweder wurden die entsprechenden Eingaben zur Korrektur (von zum Beispiel falschen Informationen), komplett blockiert oder von Wikipedia ignoriert. Das Resultat hiervon ist, dass Menschen, die an alternativen Verfahren in Physiologie und Psychologie interessiert sind, durch die Informationen in Wikipedia verunsichert oder fehlgeleitet werden. Denn sie vertrauen erst einmal dem, was in diesem Online-Lexikon geschrieben steht. Die Art und Weise, wie Wikipedia die alternative Medizin darstellt, hat eine Reihe von Konsequenzen.

Menschen, die an körperlichen und psychischen Problemen leiden, orientieren sich deshalb vor allem an schulmedizinischen Heilmethoden und schließen Alternativen aus, obwohl es einige Studien gibt, die fĂŒr ihre Leiden eine positive Bilanz bei den alternativmedizinischen Methoden haben zeigen können.

Wir erfahren aus dem Text zu dieser Petition, dass der MitbegrĂŒnder von Wikipedia, Larry Sanger, frĂŒhzeitig das „Handtuch geworfen“ und die Organisation verlassen hatte. Den Grund dafĂŒr beschrieb er angeblich so: „Bei einer Reihe von Themen gab es gewisse Gruppen, die sich wie angenagelt auf ihre Artikel hockten und darauf bestanden, dass diese BeitrĂ€ge ihre eigenen Ansichten und Vorurteile widerspiegeln mĂŒssen. Zudem gibt es keine glaubwĂŒrdigen Mechanismen, mit denen die Versionen der Artikel zur Veröffentlichung zugelassen werden“.

Laut Petition ist dies genau der Fall bei Wikipedia, wenn es um „Energy Psychology“, Energiemedizin, Akupunktur und andere Formen von komplementĂ€rer beziehungsweise alternativer Medizin geht. Ein besonders drastisches Beispiel wĂ€re hier die Homöopathie, die in den englischen und deutschen Seiten von Wikipedia regelmĂ€ĂŸig „ihr Fett abbekommt“. Oder mit anderen Worten: Die Homöopathie-Seiten in Wikipedia (egal ob englisch oder deutsch), sind ein Musterexemplar und Sammelbecken fĂŒr Vorurteile gegen eine alternative Heilmethode.

In der englischen Version wird niemand geringeres als Prof. Edzard Ernst 21 mal zitiert – von 251 Quellen. Das sind fast 10 Prozent aller Zitate, die von ein und derselben Person kommen. Aber vielleicht reflektiert dies auch nur die Möglichkeit, dass es im Wesentlichen Ernst ist, der so vehement und nachhaltig gegen die Homöopathie wettert. Oder seine vorurteilsbeladenen BeitrĂ€ge sind so eingĂ€ngig und plausibel, dass sie besonders „wertvoll“ sind fĂŒr das breite Publikum, das von diesen Dingen nicht so viel versteht.

Jedenfalls ist es bei Wikipedia auffallend, dass Herr Ernst bei der Homöopathie so signifikant hĂ€ufig zitiert wird, als wenn es darum ging, mit diesem Artikel den Unfug der Homöopathie mit seiner Hilfe nachhaltig zu beweisen. Ansonsten entsteht beim Lesen der Eindruck, dass (wie gehabt) alle Wirkung nur Placebo sein kann, da ja kein „Wirkstoff“ vorhanden sei. Aber auf der anderen Seite gibt es etliche Nebenwirkungen und angebliche TodesfĂ€lle durch die Homöopathie. Und mit von der Partei als „Zeuge“ ist Herr Prof. Ernst – wer auch sonst?

Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:

Vor allem wenn Sie fĂŒr den Erhalt der Homöopathie sind, sollten Sie sich unbedingt dazu eintragen, denn die „Politik“ und etablierte Medizinerschaft ist bestrebt die Homöopathie zu verbieten und / oder abzuschaffen!

Der deutsche Beitrag weicht ab

Auf der deutschen Seite wird Herr Ernst „nur“ viermal zitiert (von 256 Artikeln). Hier besteht die Kritik an der Homöopathie im Wesentlichen in der Gefahr, dass man sie falsch einsetzen kann. Zum Beispiel in einer Notsituation wĂŒrde anstatt einer schulmedizinischen Maßnahme eine homöopathische eingesetzt. Es ist klar, dass diese Kritik keine ist, denn die Homöopathie hat nie von sich behauptet, fĂŒr jedes Leiden inklusive abstehender Ohren eine Heilung zu finden. Solche AnsprĂŒche muss man erst einmal unterstellen, um dann daraus den berĂŒhmten Strick zu drehen. Eine besondere Spitze ist die EinschĂ€tzung von Lobbyarbeit und Prof. Ernst:

„Die Homöopathie wird unterstĂŒtzt durch eine massive Lobbyarbeit nach dem Vorbild der Pharmaindustrie. Kritiker der Homöopathie werden dabei zum Teil namentlich an den Netz-Pranger gestellt, und entsprechende Publikationen finanziell gefördert. Der britische Wissenschaftler Edzard Ernst wurde 2005 stark angegriffen, nachdem er öffentlich einen Bericht ĂŒber Homöopathie als ‚skandalös und voller Fehler‘ bezeichnete, nach einer 13-monatigen Untersuchung konnte ihm aber kein Fehlverhalten nachgewiesen werden. Infolgedessen dĂŒrfen homöopathische Mittel seit 2010 in Großbritannien nicht mehr als wirksam beworben werden, und werden nicht mehr vom NHS gefördert.“

In welchem Zusammenhang der Herr Ernst und dessen „Fehlverhalten“ stehen, habe ich bereits in einigen BeitrĂ€gen diskutiert:

  • Der Chefkritiker vom Dienst: Warum man Ernst nicht ernst nehmen kann
  • Wenn der “unzarte” Edzard den SchĂŒĂŸler versalzt

Warum die Homöopathie vielleicht doch nicht so schlecht ist wie sie bei Wikipedia ausschaut, habe ich versucht in mehreren BeitrÀgen zu beschreiben:

  • Das Online Lexikon der Homöopathie
  • Homöopathie – Mehr als hilfreich
  • Kritik an der Homöopathie
  • Ist Homöopathie giftig?
  • NobelpreistrĂ€ger gibt der Homöopathie Aufschwung
  • Homöopathie – Kann man auch gegen Homöopathie sein?
  • Wirkung der Homöopathie

ZurĂŒck zur Petition

WĂ€hrend die vorliegende Petition sich mehr um alternativmedizinische Maßnahmen in der Psychologie und dessen Umfeld sorgt, kann ich nur feststellen, dass diese Sorge auch fĂŒr die physiologische Seite der alternativen Medizin berechtigt ist.

Mein Beispiel mit der Homöopathie ist kein „Ausrutscher“. Heilpflanzen und Heilpilze kommen in der Wikipedia-Bewertung ebenfalls fast immer schlecht weg. Hierbei beziehen die Autoren sich gerne auf die sogenannte „evidenzbasierte Medizin“, die keinen Nutzen und in der Regel nur Gefahren bei den alternativen Methoden gesehen haben will. Und das gilt sogar fĂŒr Vitamine, die keine alternative Erfindung sind, sondern natĂŒrlicher Bestandteil unserer ErnĂ€hrung.

Hier will man fĂŒr Vitamin A und E eine gesteigerte MortalitĂ€t beziehungsweise eine höhere Inzidenz von gewissen Krebserkrankungen gesehen haben. Daraus ein Verbot zu stricken dĂŒrfte schwer fallen. Denn wenn die Vitamine wirklich so endlos gefĂ€hrlich sind, warum ist die Menschheit nicht schon lĂ€ngst vom Erdball verschwunden? (Genauere Informationen zu diesem Thema u.a. in meinem Beitrag: NĂŒtzen Vitalstoffe wirklich?) Aber solche „Eskapaden“ seitens der evidenzbornierten Schulmedizin zeigen, wie ernst man deren Kritik an der alternativen Medizin zu nehmen hat.

Wie ein Alternativ-Mediziner angegangen wird

Kritik ist ja zunĂ€chst einmal in Ordnung, wenn sie gut begrĂŒndet ist. Doch ein Online-Portal wie Wikipedia, das einen „objektiven“ Anspruch erhebt, sollte dann auch alle Seiten einer Medaille darstellen oder darstellen lassen. Dass das bei Wikipedia nicht immer der Fall ist, musste und muss auch der Alternativ-Mediziner Dr. Matthias Rath erfahren.

Über Dr. Rath gibt es bei Wikipedia einen eigenen Eintrag mit Biographie und beruflichen AktivitĂ€ten. In den Jahren 2008 und 2009 entdeckten AnhĂ€nger des Arztes Passagen, die sie fĂŒr unzutreffend oder verzerrend hielten und deshalb korrigieren wollten. Dabei pflegten die Autoren Quellenangaben ein, die auf Veröffentlichungen Raths in der renommierten Online-Bibliothek PubMed (US National Library of Medicine) hinwiesen.

Dieses Vorgehen entspricht nicht nur wissenschaftlichem Arbeiten, sondern auch den offiziellen Standards bei Wikipedia. Was nun kam, war ein frustrierender Schock: In Windeseile wurden die Gegendarstellungen wieder gelöscht. Auch die Links zu PubMed strichen die selbsternannten Zensoren zusammen und ließen nur einen einzigen ĂŒbrig – Dr. Rath wird auf PubMed als Mitarbeiter bei ĂŒber 100 Studien zitiert. Die Korrekturen und ErgĂ€nzungen zum Wikipedia-Artikel „Dr. Rath“ wurden gleich mehrfach hintereinander eliminiert.

Nun fragt man sich, wie korrektes Zitieren möglich sein soll, wenn Zitate aus seriösen Quellen gelöscht werden. Gerade Wikipedia-GrĂŒnder Jimmy Wales hatte Autoren aus dem Bereich der ganzheitlichen und alternativen Medizin scheinheilig darauf hingewiesen, dass EintrĂ€ge ĂŒber Wissenschaftler nur dann veröffentlicht werden können, „sobald es ihnen gelingt, ihre Arbeit in einem anerkannten wissenschaftlichen Fachjournal zu veröffentlichen, d.h. wenn sie imstande sind, aufgrund nachvollziehbarer wissenschaftlicher Experimente Belege zu liefern, dann wird Wikipedia es entsprechend wiedergeben“ (Time Magazine 25.03. 2014). Nichts anderes hatten die UnterstĂŒtzer Dr. Raths getan!

Den „echten wissenschaftlichen Diskurs“ wie ihn Wales richtigerweise fordert, hatten seine privilegierten Autoren selbst verhindert. Diese bestellten Agitatoren waren wohl der Krebsarzt Dr. David H. Gorski (Nickname bei Wikipedia: MastCell) und der IT-Spezialist Prof. Alex Brown, der sich guter Beziehungen zur britischen Regierung erfreut.

Besonders zynisch ist die BegrĂŒndung Wales im Time Magazine, warum er die Alternativ-Medizin bei Wikipedia bekĂ€mpft. Die TĂ€tigkeit der alternativen Ärzte sei „die Arbeit von irrigen Scharlatanen“. Vielleicht fragt sich Jimmy Wales, was er selber tut und wie man das nennen könnte?

Fazit

Diese sehr bedenklichen Trends beobachte ich seit Jahren im Bereich der Alternativmedizin, aber sie betreffen lĂ€ngst auch Politik, Geschichte und Bildung. Wikipedia ist nicht nur zum Spielfeld ideologischer Netzwerke geworden – durch seine Reichweite, seine Bedeutung im Unterricht und als Basis fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz ist es heute auch ein globaler VerstĂ€rker dieser Weltbilder.

Wikipedia wĂ€re die UnterstĂŒtzung wert, wenn es da nicht diese Dinge gĂ€be. Solange aber systematische Manipulationen, ideologische Schlagseiten und eine intransparente Machtstruktur dominieren, bleibt das Lexikon ein Sammelbecken fĂŒr Vorurteile – und eine verpasste Chance auf wirklich freies Wissen.

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Der Beitrag wurde erstmalig im Februar 2014 erstellt und von mir letztmalig am 21.9.2025 ergÀnzt.

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René GrÀber

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