Infektionen
Infektionen: Verständlich erklärt
von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Eine Infektion ("Ansteckung") ist definiert durch das Eindringen von Organismen (meist im Sinne von
Krankheitserregern, die einen Wirtskörper infizieren). Dies kann aktiv oder
passiv erfolgen.
In der Regel setzt sich der Erreger im Körper fest und vermehrt sich dann. Dieser Vorgang hat nicht zwingend
subjektiven Krankheitswert, erst wenn es zu Symptomen kommt, spricht
man von einer Infektionskrankheit. Viele Infektionen verlaufen inapparent, d.h. der Infizierte merkt nichts von
einer Besiedlung.
Oft bleibt dennoch eine lebenslange Immunität zurück. Ein zweites Mal kann diese Erkrankung dann nicht
auftreten, da das Immunsystem bereits auf den Erreger mit Antikörperbildung vorbereitet ist.
Der menschliche Körper, insbesondere Haut, Schleimhäute und Darm, sind Lebensraum für eine unübersehbare,
artenreiche Gruppe körpereigener Mikroorganismen, die zum Teil für die Körperfunktionen wichtige Aufgaben
übernehmen. Neben dieser auch „Residentflora“ genannten Kleinstlebewesenwelt sind aber auch ständig Bakterien,
Viren, Pilze, Würmer und andere Organismen im Körper vorhanden, die von außen eingedrungen sind und als so genannte
„pathogene Mikroorganismen“ in der Lage sind, Krankheiten hervorzurufen. Allerdings ist die Wirksamkeit dieser
Krankheitserreger verschieden stark ausgeprägt. In der Regel verhindert das menschliche Immunsystem den Ausbruch
einer Krankheit durch Neutralisierung der pathogenen Organismen. Nur ausnahmsweise kommt es zum Ausbruch der
Erkrankung.
Dabei verstreicht fast immer eine gewisse Zeit zwischen Infektion und Krankheitsausbruch. Diese
„Inkubationszeit“ genannte Zeitspanne kann bei einigen Krankheiten wenige Stunden, bei anderen Infekten
aber auch einige Wochen dauern.
Sonderformen der Infektion sind die Superinfektion, bei der eine bereits bestehende Infektion die Ursache für
die Ansteckung ist, und die Reinfektion (Wiederansteckung durch gleiche Erreger bei Schwächung des
Immunsystems).
Verschiedene Arten von Infektionen
Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, Infektionen einzuteilen. Nur wenige sind dabei für den medizinischen
Alltag wichtig.
Zunächst einmal kann eine Infektion eingeteilt werden auf unterschiedliche Arten bezüglich
des Eindringens von Mikroorganismen in den Körper, die sich dann im "Wirtskörper" (wir
Menschen) vermehren und als Krankheitserreger wirken.
Für eine schulmedizinische Behandlung ist es zum Beispiel für die Therapie entscheidend, zwischen einer
lokalen (also örtlich begrenzten) und einer generalisierten (auch: systemischen,
also im Körper ausgebreiteten) Infektion zu unterscheiden.
Im harmloseren ersten Fall reichen ggf. kühlende Maßnahmen aus, während bei einer schweren generalisierten
Infektion eine Therapie in der Regel unumgänglich ist - jedenfalls nach Meinung vieler Schulmediziner.
Genauso wichtig ist es zu wissen, ob die Infektion im ambulanten Bereich (alles außerhalb des Krankenhauses)
oder nosokomonial (also im Krankenhaus oder einer anderen medizinischen Einrichtung, z.B. während eines stationären
Aufenthaltes) erworben wurde. In beiden Bereichen ist das Erregerspektrum sehr unterschiedlich und auch Resistenzen
gegen Antibiotika sind in medizinischen Einrichtungen deutlich häufiger zu finden. Entsprechend muss die
antibiotische Therapie angepasst werden.
Auch werden endogene Infektionen (der eigentlich ungefährliche Erreger kann bei Immunschwäche
eine Erkrankung auslösen, typisches Beispiel ist eine Pilzinfektion mit Candida albicans) von den exogenen
Infektionen unterschieden. Eine Sonderform ist die polymer-assoziierte Infektion, welche
zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Polymer-assoziierte Infektion: Dabei handelt es sich um eine Keimbesiedlung von im Körper
liegenden Kunstoffen, z.B. von Kathetern oder Gelenksprothesen. Es sind dabei in der Regel normalerweise harmlose
Hautkeime anzutreffen, die einen Biofilm auf dem Fremdmaterial bilden, wo die körpereigene Abwehr nahezu
wirkungslos ist.
Um sich effektiv vor einer Infektion zu schützen, sollten die Übertragungswege bekannt sein. Der häufigste
Infektionsweg ist über den Speichel, dabei werden die Erreger beim Sprechen, Niesen oder ähnlichem übertragen
(Tröpfcheninfektion). Auch eine fäkal-orale Schmierinfektion ist nicht selten. Dabei gelangen
Keime aus dem Darm in den Mund, z.B. über kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser oder direkt bei mangelnder
Hygiene oder kleinen Kindern. Auch eine Übertragung auf dem Luftweg (aerogen) ist möglich.
Unter den parenteralen Infektionen (also unter Umgehung des Gastrointestinal-Trakts) werden
z.B. Genital-, Harnwegs- und Lungeninfektionen zusammengefasst.
Auch alle Entzündungen, wo die Erreger durch die Haut eingebracht werden (z.B. Stich-, Schnittverletzungen)
werden dazu gezählt.
Doch das wohl wichtigste Unterscheidungskriterium ist die Art des Erregers, welcher die Infektion
auslöst:
Die meisten Infekte werden durch Viren verursacht, das bekannteste Beispiel ist der "banale"
Schnupfen. Aber auch AIDS (ausgelöst durch das HI-Virus), Grippe (durch Influenza-Viren), Herpes (durch das Herpesvirus I und II, bzw.
das Varizella-Zoster-Virus) oder viele Durchfallerkrankungen (z.B. durch NORO-Viren, Norwalk- oder Rota-Viren) und Kinderkrankheiten (zum Beispiel Röteln, Windpocken) sind typische virale
Erkrankungen.
Auch Infekte durch Bakterien sind häufig und spielen vor allem im stationären Bereich auf Grund
vieler Resistenzen eine entscheidende Rolle. Die häufigste Erkrankung durch Bakterien ist die Harnwegsinfektion, meist durch
Escherichia coli. Danach folgen Wundinfektionen und Lungenentzündungen.
Auf dem Vormarsch sind die fremdkörper-assoziierten Infektionen, z.B. bei liegender Hüft- oder
Knieprothese und Kathetern. Einige Bakterien sind in der Lage, sehr überlebensfähige Sporen zu bilden. Diese
Tatsache stellt hohe Herausforderungen an die Hygiene - ambulant und in medizinischen Einrichtungen. Typisches
Beispiel sind die Clostridien, die massive Durchfälle im
Rahmen einer Antibiotikatherapie, Tetanus und Gasbrand auslösen können.
Im klinischen Alltag wird der Zuwachs von resistenten Bakterien mit Sorge beobachtet. Bekanntestes Beispiel ist
der MRSA (multi- bzw. methicillin-resistenter Staphylokokkus aureus), aber unlängst haben sich
noch einige andere Problemkeime in den Kliniken eingefunden, ESBL, VRE und Acinetobacter-Arten sind nur einige
Beispiele.
Infektionen mit Pilzen: spielen vor allem bei Menschen eine Rolle, deren Immunsystem geschwächt
ist. Am häufigsten findet sich Candida albicans, welcher oft zur normalen Hautflora gehört. Schafft das Immunsystem
nicht mehr, die Vermehrung in Grenzen zu halten oder ist die bakterielle Hautflora als schützender Platzhalter
durch eine langandauernde Antibiotikatherapie reduziert, kann sich aus der Besiedlung eine Infektion bilden. Die
Entzündung durch Candida nennt sich Soor und zeigt sich bevorzugt im Mund, Intimbereich und in feuchten
Hautfalten.
Auch Infektionen mit Hautpilzen (Dermatophyten) sind nicht selten. Diese zeigt sich meist als
schuppende Rötung, welche sich kreisförmig ausbreitet - Hauterkrankungen.
Nagelpilze werden ebenfalls durch Dermatophyten ausgelöst. Aber auch
Schimmelpilzbefall z.B. in der Lunge oder Leber und andere Infektionen durch Pilze sind bei einem
geschwächten Immunsystem möglich.
Erkrankungen durch Protozoen (tierische Einzeller) sind meist Andenken aus dem Tropen-Urlaub.
Malaria, welches sich durch teilweise regelmäßige Fieberschübe äußert, ist ein bekanntes Beispiel.
Aber auch die Amöbenruhr, die Leishmaniose und die vor allem für Schwangere
gefährliche Toxoplasmose werden durch Protozoen verursacht. Ebenso kann ein Befall mit Parasiten
zu einer Infektion führen. Bei diesen Krankheitserregern unterscheidet man endogene (also im Körper lebende Formen,
z.B. Würmer verschiedenster Art) und exogene (auf dem Körper lebende Formen, z.B. Läuse und Flöhe) Parasiten.
Infektionen durch Virusoide (diese benötigen ein Helfer-Virus, um die Erkrankung auszulösen, z.B. Hepatitis D, welches auf die Anwesenheit von Hepatitis B angewiesen ist), Prionen
(dies sind infektiöse Eiweißpartikel, welche z.B. BSE oder die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslösen) oder Algen (in
der Regeln nur bei ausgeprägtem Immundefizit auftretend) sind selten.
Das Erysipel
(Wundrose) ist eine meist durch Beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (spezielle
Bakterienform) verursachte Hautinfektion, die sich im Bereich des Lymphsystems manifestiert. Die Erkrankung zählt
zu den häufigeren Infektionskrankheiten der Haut.

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