Magendivertikel - Vorkommen, Symptome,
Therapie
von: René Gräber - Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Der Begriff Divertikel beschreibt unnatürliche Ausstülpungen (ähnlich einem Prolaps) von
Organwänden. Der Hauptlokalisationsort befindet sich im Darm. Daneben kommen Divertikel im Ösophagus (Speiseröhre),
in der Blase und seltener auch im Magen vor.
Männer weisen wesentlich häufiger (ca. drei Mal so oft) Divertikel auf als Frauen, dabei lassen sich zusätzlich
ein Anstieg der Erkrankungsrate mit zunehmendem Alter sowie regionale Unterschiede feststellen.
Divertikel lassen sich in Pseudodivertikel und echte Divertikel unterscheiden.
Pseudodivertikel treten wesentlich häufiger in Erscheinung. Die Schleimhaut des Magens (Mucosa)
stülpt sich dabei durch die muskuläre Schicht nach außen. Dafür prädestinierte Stellen sind z.B. Bereiche mit
Gefäßen zur Blutversorgung des Magens.
Echte Divertikel sind selten und sind dadurch gekennzeichnet, dass neben der Mucosa auch die
Muskelschicht ausgestülpt ist.
Das Vorkommen mehrerer dieser Ausstülpungen wird als Divertikulose bezeichnet, die
Divertikulitis beschreibt eine sich in diesem Bereich zeigende Entzündung.
Magendivertikel besitzen ein sack- oder birnenförmiges Aussehen und liegen hauptsächlich im Bereich kurz hinter
dem Mageneingang (Kardia) an der kleinen Kurvatur (= Magenspitzendivertikel). Daneben bilden sich die Ausstülpungen
auch bevorzugt im unteren Bereich des Magens und an der Übergangsstelle zum Darm (Magenpförtner).
Die sich zeigende Wandschwäche ist entweder angeboren oder erworben. Unter bestimmten Umständen (z.B. durch
einen hohen Druck, der die Wand herauspresst = Pulsionsdivertikel, ähnlich dem Zenker-Divertikel) können diese
Ausstülpungen entstehen. Daneben führen angeborene Muskel- und Gewebeschwächen (wie sie sich unter anderem auch bei
Hernien zeigen) zu Divertikeln.
Divertikel verursachen eher selten Beschwerden und beeinflussen somit nicht das alltägliche Leben. Die Lage der
Ausstülpungen kann aber auch eine schmerzhafte Symptomatik (ca. ein bis zwei Prozent) mit zusätzlichen Risiken für
den Organismus hervorrufen.
Magenspitzendivertikel können zu Reizungen am unteren Ende der Speiseröhre führen. Hierdurch
entstehen unter anderem ein anhaltender Schluckauf oder
auch Sodbrennen. In seltenen Fällen drückt die Ausstülpung auf den Ösophagus und
verursacht Einengungen oder Verlegungen, die den physiologischen Weitertransport der aufgenommenen Nahrung
behindern und unter Umständen auch zu einem Reflux (die Nahrungsbestandteile werden zurück in den Mund gedrängt)
führen.
Der untere Bereich des Magens ist nahezu andauernd mit Speisebrei gefüllt. Dieser nutzt das zusätzliche
Platzangebot der Divertikel und persistiert dort. Ein Entleeren dieser Ausstülpungen findet nicht statt, wodurch
Entzündungen hervorgerufen werden, die auch die Magenwand angreifen können. Im oberen Magenbereich entzünden sich
Divertikel nur selten, dies zeigt sich eher bei einem permanent prall gefüllten Magen (= einem Überangebot an
Nahrung, z.B. bei der Esssucht).
Eine ausgelöste Divertikulitis führt zu Schmerzen,
die diffus in den Bauchraum ausstrahlen. Daneben kommt es zu Völlegefühl, Mundgeruch (faulig), Übelkeit, leicht erhöhter Körpertemperatur und häufigem Aufstoßen mit Erbrechen von Mageninhalt.
Die ausgelöste Symptomatik ist nicht lebensbedrohlich, schränkt den Erkrankten
aber in seinem Alltag erheblich ein. Das Risiko einer Divertikulitis liegt in auf- oder durchbrechen Ausstülpungen
(Perforation), wodurch es zu Blutungen kommen kann.
Blutende Magendivertikel zeigen sich meist durch Auflagen im Stuhl (Meläna, Teerstuhl) oder im
Erbrochenen (Hämatemesis, Kaffeesatzerbrechen). Eine Perforation der Magenwand führt zum Entleeren des
Mageninhaltes in den Bauchraum, wodurch sich eine lebensbedrohliche Peritonitis
(Bauchfellentzündung) entwickelt.
Die Diagnostik nutzt vor allem die Magenspiegelung (Gastroskopie).Das Blutbild gibt Aufschluss über eine bestehende Entzündung. Die
Kontrastmittel-Röntgenaufnahme stellt mögliche Brüche der Magenwand dar.
Symptomlose Divertikel bedürfen nach Ansicht der Schulmedizin keiner Therapie. Milde und gut
verdauliche Nahrung verhindert die Reizung. Psychischer und physischer Stress besitzen einen negativen Einfluss auf
die Physiologie des Magens, weshalb eine Vermeidung angestrebt werden sollte. Auf Alkohol (und auch Nikotin) sollte
ganz verzichtet werden, er fördert die Blutungsneigung.
Erst wenn sich Beschwerden zeigen, werden medizinische Maßnahmen unterstützend eingesetzt. Im Rahmen einer
Gastroskopie können Divertikel oder leichte Blutungen verödet werden, in seltenen Fällen exzidiert man das Gewebe
und übernäht den Bereich. Zu schweren operativen Eingriffen kommt es nur bei durch eine Perforation verursachter
Peritonitis.
Magendivertikel bilden sich nach Ansicht der Schulmedizin nicht zurück. Nach Einschätzung der Schulmedizin
können Betroffene bei unauffälligem Verlauf (ca.98 Prozent) aber ein normales Leben führen.

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