Karies: Ursachen, Symptome und Therapie
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Der Begriff Karies stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Fäulnis oder Morschheit. Er wird in
der Medizin benutzt, um einen typischen Zustand von Zähnen zu beschreiben, der durch Bakterien verursacht wird und
zu schmerzhaften Löchern und Veränderungen des Zahns führt.
Karies gilt weltweit als eine der häufigsten Infektionskrankheiten und zeigt sich in besonders hohem Maße in
Industrienationen. Hier lassen sich bei fast 95 Prozent der Bevölkerung durch Karies hervorgerufene Schäden an
Zähnen feststellen.
Der gesunde Zahn (Dens) besteht aus einer Krone, dem Zahnhals und der Zahnwurzel im Kiefer. Die Krone (Teil des
Zahns, der aus dem Zahnfleisch herausragt) ist von einer schützenden Schicht, dem Zahnschmelz, überzogen. Dieser
setzt sich zu nahezu 98 Prozent aus Mineralsalzen zusammen und benötigt für seine Härte und Stabilität vor allem
Fluor. Die unter der Schutzhülle liegende Schicht wird Zahnbein (Dentin) genannt. Hier finden sich die im Mark
liegenden versorgenden Strukturen (Nerven, Blut- und Lymphgefäße), die dafür sorgen, dass der Zahn erhalten bleibt.
Als Zahnhals wird der Übergang zwischen Schmelz und Wurzel bezeichnet.
Karies entwickelt sich durch verschiedene Ursachen. In erster Linie gilt das Bakterium Streptokokkus mutans als
Auslöser. Es gelangt über Nahrungsmittel, direkt über Mund-zu-Mund-Transport (z.B. Kuss) oder Nutzung des gleichen
Bestecks oder Glases in die Mundhöhle, wo es sich rasch vermehrt. Das Bakterium produziert an der Zahnoberfläche
einen klebrigen Film (Plaque). In Kombination mit für das Bakterium lebensnotwendigen Zuckermolekülen entsteht
durch Stoffwechselprozesse ein Überangebot an Säuren, welche den Zahnschmelz und das Zahnbein entmineralisieren,
den Zahn somit zerstören.
Begünstigend auf die Anlagerung von Plaques wirken sich ein unregelmäßiger Aufbau des Zahns, Rillen und
abgebrochene, raue Stellen aus, an denen sich das Bakterium besonders gut anhaften kann. Daneben können auch
Zahnfehlstellungen, Krankheiten (Störungen des Mineralienhaushalts, gestörte Speichelproduktion) sowie eine
kohlenhydratlastige Ernährung Karies fördern. Kommt eine mangelhafte Dentalhygiene hinzu, kann sich das Bakterium
ungehindert ausbreiten und den befallenen Zahn langsam auflösen.
Ein kariös veränderter Zahn wird meist erst bemerkt, wenn der Prozess der Zerstörung bereits fortgeschritten
ist. Der Zahnschmelz ist frei von versorgenden Strukturen. Ein hier gebildetes Loch verursacht somit keine
Schmerzen. In diesem frühen Stadium fallen Entmineralisierungsprozesse nur bei der regelmäßigen
Vorsorgeuntersuchung auf oder wenn sich beim Blick in den Spiegel weiße (= entmineralisiert) oder dunkel verfärbte
(= Bakterienablagerungen) Stellen am Zahn zeigen.
Auch lösen sich kleinere Bereiche des Zahns beim Putzen, Füllungen verlieren ihren Halt.
Sobald der Schmelz soweit abgebaut ist, dass das Dentin freiliegt, kann es zu starken Schmerzen kommen. Der Zahn
reagiert deutlich empfindlicher auf Temperaturschwankungen im Mund (z.B. bei Eis oder heißer Suppe), was sich zum
Teil durch ein schmerzhaftes Ziehen äußert. Je weiter die Zerstörung voranschreitet, desto heftiger werden die
Beschwerden. Der versorgende Nerv wird in Mitleidenschaft gezogen und reagiert mit einer starken Entzündung. Es
kommt zu quälenden, zum Teil andauernden Schmerzen, die von pochender, klopfender, ziehender oder stechender
Qualität sein können. Das umliegende Zahnfleisch kann ebenfalls gerötet oder geschwollen sein, dies zeigt sich vor
allem bei Befall des Zahnhalses.
siehe auch: Kiefergelenkschmerzen, Zungenschaber
Diagnose
In vielen Fällen lässt sich die Diagnose bereits durch einen Blick in den Mund stellen. Eine fortgeschrittene
Karies zeigt eine ausgeprägte Zerstörung der befallenen Region. Durch eine Röntgenaufnahme kann der Grad der
Zerstörung bestimmt werden, nachdem sich auch die anschließende Behandlung richtet.

Therapie
Eine nur den Schmelz betreffende Karies (Caries superficialis) kann durch hochdosiertes Fluorid zum Stillstand
gebracht werden und zur Regenerierung des Zahnschmelzes führen. Weiterreichende Schäden werden mittels Bohrer
entfernt. Ist der hierdurch entstandene Defekt größer und liegt das Dentin frei, kann der Bereich durch einen
geeigneten Ersatz (Keramik, Kunststoff, Gold, Amalgam) aufgefüllt werden. Welches Material am "besten" ist -
darüber gibt es natürlich viele Diskussionen.
Zeigen sich bereits Nervenschäden oder Wurzelläsionen muss auch hier meistens eingegriffen werden. Nach der
Entfernung des zerstörten Bereichs wird der Wurzelkanal meistens angebohrt, die Wurzel durch geeignete, zusätzlich
anästhetisch wirksame Injektionen behandelt. Der Prozess des Abschwellens und des Rückgangs der Entzündung kann
mehrere Wochen beanspruchen.
Hierbei sind mehrere Behandlungen notwendig, der eröffnete Zahn wird zwischenzeitlich durch ein Provisorium
geschützt und erhält seine endgültige Füllung erst nach überstandener Heilung.
In seltenen Fällen ist der Wurzelbereich derart zerstört, dass eine heilende Behandlung nicht mehr möglich ist.
Je nach Ausmaß wird der Nerv mittels Injektion dauerhaft gelähmt (bei noch intakter Blutversorgung) oder aber der
Zahn wird extrahiert (gezogen).
Gerade Wurzelbehandlungen sind auch unter "alternativ" arbeitenden Zahnärzten umstritten.
|