Haarausfall - Symptome, Ursachen und Behandlung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Der Mensch verliert täglich zwischen 80 und 100 Haare, ein Prozess, der als normal bezeichnet werden kann. Mit zunehmendem Alter entsteht ein Ungleichgewicht zwischen dem Ausfall und der Erneuerung, der sich vor allem bei Männern durch lichteres Haar und kahle Stellen sichtbar äußert. Liegt der tägliche Haarverlust, unabhängig vom Alter, über dem physiologischen Wert, spricht man von Haarausfall (Alopecia). Dieser kann unterschiedliche Ursachen haben, die nicht unbedingt auf eine Krankheit zurückzuführen sind.

Ursachen

Hauptsächlich Männer leiden unter Haarausfall. Vor den Wechseljahren kommt es bei etwa zehn Prozent aller Frauen ebenfalls zu einer Alopezie, nach den Wechseljahren verdoppelt bzw. verdreifacht sich dieser Wert. Schuld sind unter anderem die veränderten Hormonwerte zur Menopause hin. Daneben ist ein kurzfristiger, sich eigenständig gebender Haarausfall nach einer Schwangerschaft möglich, der mit dem abfallenden Östrogenspiegel zusammenhängt.

Haarausfall ist in der Regel nicht schmerzhaft, begleitend kommt es unter Umständen zu Juckreiz oder einer veränderten Kopfhautstruktur.

Die am häufigsten in Erscheinung tretende Form von Haarausfall (über 95 Prozent) ist die Alopecia androgenetica (hormonell-erblich bedingt), die sich vor allem bei Männern zeigt (Frauen weisen diese Form vermehrt nach den Wechseljahren auf). Bereits ab dem 20. Lebensjahr kommt es hierbei zu kahlen Stellen auf der Kopfhaut. Bedingt durch den genetischen Defekt reagieren die Haarwurzeln empfindlich auf Testosteron und sterben irreparabel ab. Die ersten ausgedünnten Stellen zeigen sich beim Mann vornehmlich an den Schläfen und oberhalb davon (Geheimratsecken), bei Frauen beginnt der Haarausfall im Bereich des Scheitels, zeigt sich dabei aber nur sehr selten so ausgeprägt wie bei Männern.

Die zweithäufigste Form ist die Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall), deren Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind. Man vermutet einen Autoimmunprozess, der zu den kahlen, runden Stellen an der Kopfhaut führt. In sehr seltenen Fällen kommt es zu einem völligen Verlust des Haupthaares. Auch eine abnehmende Behaarung im Bereich der Augenbrauen, Wimpern, Achseln und der Intimzone wird beobachtet.

Neben diesen beiden Formen des Haarausfalls zeigen sich noch weitere, in der Regel sehr seltene Varianten. Der diffuse Haarausfall (Alopecia diffusa) wird durch Störungen im Hormonhaushalt verursacht. Diese können medikamentös bedingt sein, durch eine Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) oder z.B. auch durch Stress, Fehlernährung oder Umweltgifte entstehen. Das Überangebot an Hormonen (bzw. der aus dem Gleichgewicht geratene Hormonhaushalt) führt zu einem auf die gesamte Kopfhaut bezogenen Ausfall, das Haar wird ausgedünnt (ist lichter).

Die Traktionsalopezie entsteht durch einen andauernden Zug am Haar, z.B. durch das Flechten von Zöpfen oder das Binden zu einem Pferdeschwanz mit eng anliegender Spange. Hierdurch lösen sich die Haare vermehrt aus ihrer Verankerung und fallen aus. Ein ähnliches Bild präsentiert sich bei der traumatischen Alopezie, die durch Manipulation von außen gefördert wird. Manipulationen wie Kratzen, Reißen, stetiger Druck oder Reibungen (z.B. durch das Tragen eines Hutes oder einer Mütze) dünnen das Haar im Verlauf immer weiter aus.

Haarausfall kann durch Mangelernährung (oder Diäten) entstehen. Hierdurch wird das Haar nicht mehr ausreichend mit lebensnotwendigen Substanzen versorgt, zum Teil kommt es auch zu einem Untergang der Haarwurzel. Besonders ein Eisenmangel (auch bei einer Eisenmangel Anämie zu beobachten) oder eine zu geringe Aufnahme von Zink und Kupfer wirken hier begünstigend auf die Entstehung. Genetische Fehlbildungen (z.B. Atresie der Wurzel = Verschluss) können dazu führen, dass bereits in der Kindheit nur wenige Haare wachsen und rasch wieder ausfallen, Stellen kahl bleiben oder gar kein Wachstum zu beobachten ist (bei völligem Fehlen der Haarwurzeln).

Ein Befall der Kopfhaut mit Parasiten (Viren, Bakterien, Pilze) führt ebenfalls zum übermäßigen Verlust von Haaren. Besonders bei Kleinkindern entwickelt sich der Kopfpilz (Tinea capitis), der zu brüchigem Haar führt (es bleiben Stoppeln zurück), die Kopfhaut reizt und schuppig macht. Haarausfall ist ein Begleitsymptom der Schuppenflechte (Psoriasis) und führt über ein reduziertes Haarwachstum und abnehmende Stabilität der Verankerung zum Verlust. Ähnlich verhält es sich bei Läsionen der Kopfhaut (Schrammen, Wunden), die die Haarwurzeln schwächen oder zerstören können.

Daneben ist ein gesteigerter Haarverlust durch Bestrahlung, Chemotherapie, verschiedene Medikamente (z.B. Antidepressiva, Beta-Blocker), andauernde Röntgenbestrahlung, übermäßige Sonneneinstrahlung Vergiftungen oder Infekte möglich.

Diagnose

Zur Abklärung der Ursache nutzt der Arzt zunächst die ausführliche Anamnese, bei der auch die genaue Erscheinungsform sowie bestehende Grunderkrankungen hinterfragt werden. Bei der Inspektion der Kopfhaut werden Haarproben entnommen, die auf Festigkeit, Qualität, Aufbau und Zusammensetzung hin untersucht werden. Ebenso sind Biopsien der Kopfhaut möglich. Das Labor dient dem Nachweis von Unregelmäßigkeiten (z.B. fehlenden Spurenelementen, Nährstoffen, Hormonveränderungen).

In vielen Fällen ist der Haarverlust unwiederbringlich oder kann der Verlauf nicht gestoppt werden. Die frei verkäuflichen Mittel zur Verbesserung der Haarstruktur oder des Haarwachstums bzw. zur Anregung der Kopfhaut, neue Haare zu bilden, sind meist wirkungslos oder bringen nicht den gewünschten Erfolg. Dies zeigt sich vor allem bei den zwei Hauptformen für Haarausfall, der Alopecia androgenetica (durch Senkung des Testosteronspiegels kann der Haarverlust zum Teil verlangsamt werden) und der Alopecia areata. Bei der Alopecia diffusa kann unter Umständen eine Wiederherstellung des Hormongleichgewichts (z.B. medikamentös) oder der Ausgleich fehlender Substanzen den Verlauf aufhalten.

Therapie

Dem Haarausfall entgegen wirken eine ausgewogene Ernährung sowie der Ersatz fehlender Nährstoffe oder Spurenelemente. Ein Befall mit Pilzen wird antimykotisch behandelt, die Therapie der Schuppenflechte ist abhängig von der Ausprägung. Daneben sollten alle äußeren Einflüsse gemieden werden, die die Kopfhaut oder das Haar schädigen (z.B. Manipulation, Färben, Dauerwelle, starke Sonneneinstrahlung).

Ein irreparabler Haarverlust ist - als letzte Konsequenz (und wenn möglich) - nur über die Implantation von Haaren aus einer anderen Kopfhautregion zu beseitigen, oder aber durch das Tragen einer Perücke (Toupet) zu kaschieren.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert