Akupunktur ist mehr als reines Placebo

Viel wird diskutiert, oft nur spekuliert, ob medizinische Verfahren, die nicht in der Schulmedizin angesiedelt sind, überhaupt wirksam sind. So ist in jüngster Zeit besonders die Homöopathie ins Fadenkreuz dieser Diskussion gelangt. Aber auch die Akupunktur wird von der Schulmedizin nicht unbedingt mit offenen Armen akzeptiert. Auch hier wird viel zu häufig die Wirksamkeit in Frage gestellt.

Ähnlich wie bei der Homöopathie bringt die Studienlandschaft für die Akupunktur widersprüchliche Ergebnisse bezüglich der Wirksamkeit und Effektivität. Dabei waren die Studien nicht immer von gleich guter Qualität. Unter dem Strich aber lässt sich sagen, dass die Mehrheit der Studien zu dem Schluss kam, dass Wirkungen nachzuweisen waren, „egal wo genadelt wird“. Die Frage ist aber, ob diese Wirkungen therapeutisch ausreichend sind, um Schmerzen z.B. zu lindern und damit nebenwirkungsträchtige Schmerzmedikamente zu ersetzen.

Die GerAc Studie (German Acupuncture Trials) ging dieser Fragestellung 2007 nach. Sie versuchte zu ermitteln, ob Akupunktur bei Kreuzschmerz eine schmerzlindernde Wirkung hat. Gleichzeitig wurde die Akupunktur verglichen mit der Sham Akupunktur (oberflächliches Nadeln an Nicht-Akupunktur-Stellen) und einer konventionellen Behandlung. Die konventionelle Behandlung bestand aus einer Kombination aus Medikamenten, Physiotherapie und Übungen.

Die Studie wurde in 340 niedergelassenen Praxen durchgeführt und beinhaltete 1162 Patienten zwischen 18 und 86 Jahren. Alle Patienten hatten eine Vorgeschichte mit chronischen Kreuzschmerzen von mindestens acht Jahren. Nach sechs Monaten wurden die Resultate verglichen. Es zeigte sich, dass fast 48 Prozent in der Akupunktur-Gruppe eine deutliche Verbesserung der Schmerzen zeigte, über 44 Prozent in der Sham-Gruppe, aber nur knapp 28 Prozent in der Schulmedizin-Gruppe.

Die Autoren schließen daraus, dass für diese Form der Rückenschmerzen die Akupunktur bislang die beste Form der Behandlung darstellt.

Inzwischen scheint man aber auch den Grund für diese beeindruckende Wirksamkeit entdeckt zu haben: Wissenschaftler von der Universität Rochester in New York konnten zeigen, dass an den genadelten Stellen ATP (Adenosintriphosphat, zuständig für Erregungszustände von Zellen = Energielieferant) vermehrt ausgeschüttet wird, was schnell zu Adenosin abgebaut wird.

Adenosin hat potente analgetische (schmerzstillende) Wirksamkeit, indem es an spezifische Rezeptoren anbindet, die an der Schmerzempfindung beteiligt sind. Wichtige Voraussetzung für diesen Effekt ist das Drehen der Nadeln nach dem Einstich. Die Wirkdauer liegt bei 90 Minuten, kann aber auf das doppelte verlängert werden, wenn der enzymatische Abbau von Adenosin gedrosselt wird.

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René Gräber

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