Rückenschmerzen sind eine der Hauptbeschwerden des menschlichen Körpers, bei Männern z.B. sind sie die häufigste Ursache für eine Arbeitsunfähigkeit. Auslösende Faktoren sind dabei nicht immer Erkrankungen (u.a. der Wirbelsäule), eine schlechte Körperhaltung, Bewegungsmangel, eine falsche Matratze oder das Heben und Tragen schwerer Gegenstände. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Rückenschmerzen vielfach einhergehen mit Depressionen. Beide Störungen des Organismus können sowohl Auslöser, als auch Folgeerscheinung sein.

Meist gelten Rückenschmerzen als nicht “spezifisch”. Das heißt: In gut 85 Prozent aller Fälle lässt sich keine organische Ursache (wie z.B. Unfall, Tumorerkrankung, Rheuma) ausmachen. Bei akut auftretenden Schmerzen neigt der Mensch zur „Selbsttherapie“, z.B. durch körperliche Schonung, Ruhe, Massagen oder gezielte Bewegungsübungen. Dauerhaft in Erscheinung tretende Rückenschmerzen (= chronische Schmerzen, länger als drei Monate andauernd) zeigen sich dagegen oftmals als sehr widerspenstig und lassen sich auch durch einfache „Hausmittelchen“ nicht behandeln und führen Betroffene meist zum Arzt. Und was dann alles angeboten wird, wäre ja auch schon wieder einen Beitrag wert…

Zurück zum Stress etc.: Durch unterschiedliche Studien konnte inzwischen gezeigt werden, dass zum Beispiel andauernder Stress, Überbelastung, Überforderung oder auch eine Depression auslösende Faktoren für Rückenschmerzen sein können. In gut 90 Prozent der Fälle chronischer Rückenschmerzen ist gleichzeitig eine Form von Depression nachweisbar. Das hatte ich in dieser Höhe nicht erwartet. Aber eins ist klar: Ein Mensch mit andauernden Schmerzen zieht sich häufig aus dem aktiven Leben zurück, er schont sich, bleibt in seinem gewohnten Umfeld. Hinzukommender Bewegungsmangel und einseitige Bewegungen (Sitzen!)kann die Schmerzsymptomatik weiter verstärken. Und wenn dann noch eine weitere Atrophie der Muskulatur (Abbau von Muskelgewebe) und weitere Veränderungen des Bewegungsapparates als Folge einer Schonhaltung eintreten, schreitet das Ganze weiter voran.

Menschen mit einer Depression neigen ebenfalls zur Vereinsamung (Rückzug aus dem Alltag) und sind häufig antriebslos. Folgen sind die identischen Probleme und Beschwerden, die sich auch bei chronischen Schmerzpatienten beobachten lassen.

Ohne ausreichende therapeutische Unterstützung droht ein Teufelskreis aus dem viele Patienten von alleine nicht mehr rausfinden. Der Schmerzpatient entwickelt im Verlauf depressive Beschwerden, die durch Schmerz verstärkt werden. Der Schmerz wiederum triggert (=bedingt) die Depression, die sich so weiter vertieft. Das umgekehrte Phänomen lässt sich bei Menschen mit Depressionen beobachten.

In einer erst kürzlich veröffentlichten Studie, durchgeführt mit spanischen Zwillingen, zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen den Symptomen für eine Depression, sowie anhaltenden Schmerzen im unteren Rückenbereich. Nicht vollständig klären ließ sich jedoch, inwieweit genetische Faktoren eine Rolle spielen bei der Ausprägung der physischen und psychischen Störungen.

Fazit

Die wissenschaftlich fundierten Ergebnisse dienen vor allem den verschiedenen Therapieansätzen. So zeigt sich z.B. durch gezielte psychoanalytische Behandlungsmethoden eine Symptomlinderung bei Menschen mit chronischen Rückenschmerzen. Unter einer Depression leidende Menschen können mithilfe physiotherapeutischer Methoden eine Verbesserung ihrer Schmerzsyndrome erzielen.

Hier ist die Studienlage auch relativ klar, wie ich z.B. schon in meinem Beitrag “30 Minuten Sport am Tag verhindern Depressionen im Alter” zeigte. Wenn allerdings bereits Schmerzen und Depressionen vorliegen, rate ich neben einer psychotherapeutischen Behandlung auch zu einer Behandlung der Schmerzen – am besten mit einer Art Myofaszialtherapie und Bewegung. Wer sich dafür interessiert sollte einmal hier weiterlesen.

Was für mich definitiv KEINE Lösung ist (schon gar keine dauerhafte), sind Schmerzmittel. Mehr dazu in den Beiträgen:

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Beitragsbild: 123rf.com – Sergey-Nivens