Infrarotsauna gegen Körpergifte?

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Infrarotkabinen sind seit einigen Jahren eine Alternative zu den konventionellen Saunen. Der Unterschied zwischen den beiden Varianten ist, dass eine konventionelle Sauna die Luft erhitzt, die dann die Wärme an den Körper weitergibt. Infrarotkabinen nehmen dagegen eine „Abkürzung“: die Infrarotstrahlung erzeugt die Wärme direkt im Körper. Aber ist das wirklich effektiver? Und kann man damit besser entgiften?

Betrachten wir zunächst ein paar Fakten: Infrarotstrahlung ist keine technische Erfindung, sondern ein Bestandteil der natürlichen Sonnenstrahlung, der vom Organismus als Wärme empfunden wird. Zudem ist die Infrarotstrahlung praktisch unschädlich, es sei, man übertreibt es und endet dann mit Verbrennungen der Haut.

Aus „technischer“ Sicht gesehen gilt die Infrarotsauna als die ökonomischere, da es hier keine Aufwärmzeiten gibt. Eine traditionelle Sauna muss erst zwischen 30 und 60 Minuten aufgeheizt werden, während eine Infrarotsauna schon nach 15 Minuten betriebsbereit ist.
Schwitzen gilt ja als ein Motor der Entgiftung bzw. der Ausscheidung von Giftstoffen durch die Haut.

Wenn dem so ist, dann sollten eigentlich diese Giftstoffe auch im ausgetretenen Schweiß nachweisbar sein. Leider gibt es zu diesem Thema praktisch keine konkreten Untersuchungen mit exakten Nachweisen von Giftstoffen im Schweiß. Man geht aber davon aus, dass beim Schwitzen in einer normalen Sauna ungefähr 3 Prozent des abgesonderten Schweiß aus Xenobiotika bestehen (das ist der Fachausdruck für Fremdstoffe, die möglicherweise schädigendes Potential für den Organismus haben).

Eine Infrarotsauna dagegen produziert Schweiß, in dem 20 Prozent  Xenobiotika zu finden sind.

Eine Analyse dieses „Infrarot-Schweiß“ ergibt:

  • Bis zu 85 Prozent Wasser
  • Fette
  • Cholesterin
  • Säuren
  • Natrium
  • Ammoniak
  • Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Nickel, Kupfer etc.

(http://www.infrared-sauna-reference.com/body-detoxification.html)

Wie bei einer konventionellen Sauna ist es dringend notwendig vor dem Gebrauch einer Infrarotsauna mehr als ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um eine Dehydrierung zu vermeiden. Zudem treibt eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr auch das Schwitzen an, so dass der Ausschwemmeffekt über das Schwitzen bessere Resultate in Sachen Entgiften mit sich bringt.

Wie entgiftet die Sauna?

Der Entgiftungsprozess ist, grob umrissen, eine Abfolge von Zwischenschritten. Xenobiotika oder Giftstoffe sind bevorzugt im Fettgewebe deponiert. Bevor diese abtransportiert werden können, müssen sie mobilisiert werden. Danach erfolgt der eigentliche Transport und dann die Ausscheidung. Unsere Sauna, und da speziell die Infrarotsauna, scheint in der Lage zu sein, über die Wärmeeinwirkung die Fettzellen zu aktivieren, da Fette bei einer Temperatur von 43 Grad Celsius flüssig werden. Dieser Wert ist allerdings mit Vorbehalt zu genießen, da die Struktur und Länge der Fettsäureketten unterschiedlich sind und damit auch der Schmelzpunkt variiert.

Als Daumenregel kann man sagen, dass kurzkettige Fettsäuren einen deutlich geringeren Schmelzpunkt haben, weshalb sie oft in flüssiger Form vorliegen (siehe pflanzliche Öle).

Die Wärmeeinwirkung durch die Infrarotstrahlung „verflüssigt“ die Fette im Fettgewebe, was man als einen Mobilisationsschritt interpretieren kann. Mit dem Einsatz des Schwitzens wird dann das Fett über den Schweiß ausgeschwemmt und transportiert gleichzeitig die in ihm abgelagerten Giftstoffe mit hinaus. Durch die erhöhte Blutzirkulation wird der Transporteffekt dazu verstärkt. Soweit die Theorie. Ob diese Theorie sich in der Praxis bewähren kann, müsste sich jetzt an Arbeiten ablesen lassen, die aus der Ecke der Naturwissenschaften kommen.

(Die Schulmedizin hat an solchen Ergebungen kein Interesse, da es für sie keine Xenobiotika gibt, sondern nur akute Vergiftungsfälle).

Wissenschaftliche Arbeiten zur Therapie mit der Sauna
Leider gibt es noch nicht sehr viele Arbeiten bezüglich der Effizienz einer Saunatherapie und deren Fähigkeit der Entgiftung. Die wenigen, die es gibt, sind dafür umso eindeutiger in ihren Aussagen.

Einer der neueren Arbeiten wurde erst September 2011 veröffentlicht und trug den Titel: „Sauna as a valuable clinical tool for cardiovascular, autoimmune, toxicant- induced and other chronic health problems“ (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21951023).

Die Autoren betonen hier, dass die Saunaanwendungen positive Effekte bei einer Reihe von Erkrankungen haben, wie Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, obstruktive Atemwegserkrankungen, chronisches Fatigue-Syndrom, chronische Schmerzen etc. Bemerkenswert ist der Zusatz, dass es mehr und mehr Hinweise gibt, dass die Sauna auch in der Lage ist, umweltbedingte Erkrankungen durch ihren Entgiftungscharakter positiv zu beeinflussen. Dabei haben sich die konventionellen und Infrarotsaunen als sicher und gut verträglich erwiesen.

Ein mögliches Problem der Saunen ist die Anwendung während der Frühphase einer Schwangerschaft, da hier die Wärmeentwicklung keimschädigende Wirkung auf das sich entwickelnde Leben zu haben scheint. Von daher ist der Gebrauch der Sauna bei Schwangerschaft nicht zu empfehlen.

2007 wurde eine interessante Arbeit veröffentlicht: „Components of practical clinical detox programs--sauna as a therapeutic tool“ (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17405694).

Der Autor vermerkte hier, dass das Saunen eine Reihe von kardiovaskulären Problemen angehen kann. Außerdem ist es in der Lage, die Mobilisierung von fettlöslichen Xenobiotika zu bewerkstelligen. Der Gebrauch einer Sauna bewirkt eine Senkung des Blutdrucks und eine Verbesserung der Durchblutung und Herzfunktion. Um diese Effekte zu erzielen sind in der Regel nur kurze Anwendungszeiten (15 Minuten) notwendig. Eine Verbesserung der Mobilisation von Schwermetallen und chemischen Xenobiotika dagegen benötigt eine längere Verweildauer in der Sauna. Dies sollte dann auch unter medizinischer Beobachtung vollzogen werden. Unter dem Strich jedoch empfiehlt der Autor eine häufige Anwendung der Sauna für eine verbesserte Gesundheitspflege, da er die Sauna zudem als sicher und gut verträglich einstuft.

Gelenkschmerzen, die z.B. durch eine Arthritis verursacht werden, werden oft als Folge einer chronischen Vergiftung begriffen, bei der es zum Ausfällen oder Auskristallisieren der Xenobiotika in den Gelenken kommt. Es handelt sich hier um einen fortgeschrittenen Prozess, da die Beteiligung der Gelenke die Vermutung nahe legt, dass die sonst üblichen Fettgewebe als Deponien für diese Xenobiotika schon überlastet sind und der Organismus nur noch auf die Gelenke zurückgreifen kann. Andernfalls müsste er vitale Organe mit den Giften belasten, was schlussendlich eine lebensbedrohliche Angelegenheit werden würde. Wenn also eine Saunaanwendung diesen Entgiftungsprozess leisten kann, dann müssten Krankheitsbilder, wie das der rheumatischen Arthritis und ihre damit verbundenen Schmerzen gelindert werden.

2009 wurde genau diese Fragestellung in einer Arbeit mit dem Titel: „Infrared sauna in patients with rheumatoid arthritis and ankylosing spondylitis. A pilot study showing good tolerance, short-term improvement of pain and stiffness, and a trend towards long-term beneficial effects“ veröffentlicht (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18685882).

In dieser Studie wurden 17 Patienten über den Zeitraum von 4 Wochen mit einer Infrarotsauna behandelt. Das Ergebnis zeigte, dass eine Reihe von Parametern sich verbesserten. Es zeigte sich eine statistisch signifikante Verbesserung der Schmerzen, die Müdigkeit verringerte sich bei den Patienten und die Steifheit der Gelenke ließ deutlich nach. Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass eine Therapie mit einer Infrarotsauna einen statistisch signifikanten Kurzzeiteffekt bei der Therapie hat. Ein Langzeiteffekt stellt sich möglicherweise bei einer öfteren Wiederholung der Saunatherapien ein. Auch hier konnten die Autoren die Sicherheit und gute Verträglichkeit dieser Therapieform bestätigen.

Eine ähnliche Arbeit kommt aus Japan aus dem Jahr 2005: „The effects of repeated thermal therapy for patients with chronic pain“ (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16088266).

In dieser Arbeit ging es den Forschern darum, die Effekte einer systemischen Wärmetherapie bei Patienten mit chronischen Schmerzen zu beurteilen. Hierzu wurden 24 Patienten (Gruppe A) mit chronischen Schmerzen via multidisziplinärer Behandlung behandelt, die eine kognitive Verhaltenstherapie einschloss, dazu eine Rehabilitation und Bewegungsübungen. Gruppe B mit 22 Patienten erhielt ebenso eine multidisziplinäre Behandlung und eine wiederholte Wärmetherapie mittels einer Infrarotsauna. Die Therapiedauer lag bei 4 Wochen.

Die Schmerz-, Depressions- und Unzufriedenheitsskala verbesserte sich bei beiden Gruppen deutlich nach Ende der Studienzeit. Dabei zeigte sich eine etwas deutlichere Verbesserung in der Gruppe B. 2 Jahre nach der Behandlung konnten 17 Patienten der Gruppe B (77 Prozent) wieder ihre Arbeit aufnehmen, gegenüber 12 Patienten der Gruppe A (50 Prozent).

Von daher schlossen die Autoren, dass eine Kombination von  multidisziplinärer Behandlung und Wärmetherapie eine optimale Kombination bei der Behandlung von chronischen Schmerzzuständen ist.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 24.07.2012 aktualisiert