Bauchspeichledrüse
Bauchspeicheldrüsenerkrankungen Verständlich
Erklärt
Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) liegt retroperitoneal (hinter dem mit Fell ausgekleideten Bauchraum) vor der
Wirbelsäule und befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Magen und Darm. Das ca. 80 g schwere Organ wird dabei in
Kopf (Caput), Körper (Corpus) und Schwanz (Cauda) unterteilt.
Unter physiologischen Bedingungen produziert die Drüse Hormone für die Verdauung, die direkt ins Blut abgegeben
werden (= endokrine Funktion). Die hier gebildeten Enzyme (exokrine Funktion) werden (z.T. als inaktive Vorstufe)
nach Abgabe umgewandelt oder dienen direkt ihrer eigentlichen Bestimmung, z.B. eiweißspaltende Enzyme (Trypsin,
Chymotrypsin), Stärke-spaltende Enzyme (Amylase), Fett-spaltende Enzyme (Lipase) und Nukleinsäure-(NS)-spaltende
Enzyme (Ribonuklease).
Während der exokrine Bereich des Pankreas relativ groß entwickelt ist, ist der endokrine (hormonproduzierende)
sehr klein. Mit einem Anteil von ca. 80 Prozent wird hier das wichtige Hormon Insulin gebildet (in der Cauda,
Inselzellen), weitere Hormone dienen u.a. der Bauchspeicheldrüse selbst oder regulieren die Hormonausschüttung.
Bedingt durch seine vielfältigen endokrinen und exokrinen Funktionen, die v.a. der Verdauung sowie der
Aufrechterhaltung des Glucose-Haushaltes im Organismus (über Insulin) dienen, weist das Pankreas eine erhöhte
Entzündungs- und Erkrankungsrate auf, während Infektionen eher selten sind. Besonders Diabetes mellitus
(Zuckerkrankheit) als häufigste hormonelle Störung und die akute Entzündung (Pankreatitis) zählen zu den meist
diagnostizierten Unstimmigkeiten, wobei die Inzidenz der akuten Pankreatitis bei ca. 40 pro 100.000 pro Jahr liegt.
Auch genetisch bedingte Funktionsstörungen (z.B. cystische Fibrose = Mukoviszidose) lassen sich in diesem
Zusammenhang nennen. Die eher seltenen Infektionen zeigen sich meist im Rahmen einer Schädigung durch Noxen, z.B.
durch Alkoholabusus (Alkoholmissbrauch), ebenso selten (aber extrem bösartig)sind Karzinome
Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
Die Klinik der Bauchspeicheldrüsenerkrankungen weist eine Vielzahl an Symptomen auf, die nicht immer eindeutig
zugeordnet werden können.
Die akute Pankreatitis
(Bauchspeicheldrüsenentzündung) ist
gekennzeichnet durch meist dumpfe, schlecht zu lokalisierende, lang anhaltende Schmerzen im Bauchbereich, die in
den Rücken ausstrahlen. Betroffene klagen u.a. über Übelkeit und Erbrechen, eine eingeschränkte Darmtätigkeit
mit gleichzeitigem Meteorismus (Ansammlung von Gasen im Bauchraum), einen eingeschränkten Urinablass, eine
hochelastische Bauchdeckenspannung, Fieberschübe, Ikterus (Gelbfärbung) der Haut, Leistungsabfall,
Kreislaufinstabilität bis hin zum Schock. Differentialdiagnostisch müssen besonders Erkrankungen der Galle
(Cholezystitis), der Leber (Hepatitis), des Magens (Reizmagen, Ulkus), des Darms (Reizdarm, Mesenterialinfarkt)
aber auch Vergiftungen (z.B. Blei), Verletzungen der Wirbelsäule und Erkrankungen der Nieren ausgeschlossen
werden.
Hauptsymptome des Diabetes mellitus
(Zuckerkrankheit) sind vor allem das andauernd starke
Durstgefühl (auch nach der Aufnahme eines Getränks) in Verbindung mit häufigem Wasserlassen sowie der körperliche
Leistungsabfall (Müdigkeit, Abgeschlagenheit). Hinzu kommen Juckreiz (Pruritus), Infektanfälligkeit und
Heißhunger.
Ohne Therapie drohen v.a. Sehstörungen mit Schädigung des Sehnervens, Ablagerungen in Gefäßen (Plaques),
Gefäßverschlüsse, Durchblutungsstörungen und Parästhesien. Bedingt durch eine schlechte Mikrozirkulation heilen
einmal entstandene Wunden schlecht ab, es drohen Nekrosen mit Zelluntergang sowie der Gefahr eines Verlustes der
betroffenen Region (z.B. eines Zehs). Der gesamte Organismus wird in Mitleidenschaft gezogen, ein andauernd
erhöhter oder gesenkter Blutzuckerspiegel kann zum Coma diabeticum führen, einer lebensbedrohlichen Situation.
Mit einem Anteil von ca. 3 Prozent aller bösartigen Tumoren zeigt sich das Pankreaskarzinom,
meist lokalisiert im Kopfbereich der Drüse. Bedingt durch die Symptomarmut wird dieser Tumor meist erst spät
diagnostiziert und weist daher eine schlechte Überlebensrate auf (5-Jahres-Rate < 2 Prozent). Wie bei der
Pankreatitis kommt es zu einem Oberbauchschmerz, der in den Rücken ziehen kann. Zusätzlich zeigen sich Völlegefühl,
Verdauungsstörungen und Gewichtsverlust. Im Verlauf bilden sich Ikterus und Aszites (Flüssigkeitsansammlung in der
freien Bauchhöhle) aus, die Gallenblase ist tastbar vergrößert (Courvoisier-Zeichen), der Zuckerhaushalt weist
Symptome eines Diabetes auf, der ausgeschiedene Stuhl ist stark fetthaltig (Steatorrhoe).
Das Insulinom ist der häufigste endokrine Pankreastumor, der meist gutartig und meist isoliert
vorliegt. Durch Produktion von Insulin (sowie weiteren Hormonen) wird die normale Insulinproduktion des Pankreas
gehemmt, es kommt zu hypoglykämischen Symptomen (Unterzuckerung), v.a. nach körperlicher Betätigung sowie direkt
nach dem Aufstehen. Die Betroffenen klagen über ständigen Heißhunger bei gleichzeitiger Gewichtsabnahme. Zusätzlich
kommt es zu Beeinträchtigungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Psyche und des Bewusstseins (Verwirrtheit,
epileptische Anfälle, Koma).
Die Mukoviszidose entsteht durch den Defekt eines Ionenkanals,
der sich in den wichtigsten Drüsen des Organismus (auch im Pankreas) befindet. Es bildet sich ein zäher,
eingedickter Schleim, der die Atmung stark behindert. Zusätzlich ist der gebildete Schweiß stark chloridhaltig. In
der Bauchspeicheldrüse wirkt der Schleim zellzerstörend, es drohen der Organuntergang sowie weiterführende
Erkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus.
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