Hämatologie: Bluterkrankungen
Blutkrankheiten - Verständlich Erklärt
Der ausgewachsene menschliche Körper weist ca. 5 bis 6 Liter Blut auf, wobei Männer ungefähr einen Liter mehr
besitzen.
Das Blut dient dem Transport von lebensnotwendigen Substanzen (z.B. Sauerstoff), der Abwehr, der
Signalübertragung (z.B. durch Hormone), der Wärmeregulation, der Atmung, als Puffer (pH-Wert) und zur
Blutstillung.
Gebildet im Knochenmark, setzt sich Blut aus verschiedenen zellulären Bestandteilen zusammen:
- dem Hämatokrit (ca. 45 %),
- dem Plasma (ca. 55 %) und
- in Wasser gelösten Anteilen (z.B. Proteine).
Blut enthält zur Aufrechterhaltung aller Körperfunktionen Erythrozyten (rote Blutkörperchen, speziell:
Hämoglobin) für den Transport von Sauerstoff und Kohlendioxid, Leukozyten (weiße Blutkörperchen) für die
spezifische und unspezifische Immunabwehr und Thrombozyten (Blutplättchen) zur Blutstillung. Im
Abschnitt Blutwerte finden Sie mehr zu den einzelnen Laborwerten
und deren Bedeutung.
Die häufigsten Blutkrankheiten
Bei der Anämie (Blutarmut) liegt eine verminderte Sauerstoff-Transportkapazität des Blutes (Aufgabe
des Hämoglobins) vor. Der Körper leidet durch die Hämoglobinarmut an einer Sauerstoff-Unterversorgung (Hypoxie).
Die häufigste Form (ca. 80 %) ist die Eisenmangelanämie (sideropenische Anämie), bei der der Hämoglobinmangel z.B.
durch ein Magengeschwür verursacht werden kann. Die Krankheit kann angeboren, erworben oder durch andere
Erkrankungen versursacht sein. Auch starke Blutungen, z.B. aus dem Darm, sowie eine unzureichende Zufuhr von Eisen
können eine Anämie fördern.
Anämien zeigen sich bei den Betroffenen durch Leistungsabfall, Müdigkeit, Atemnot, Herzrasen und einen blassen
Hautton. Bei der Eisenmangelanämie kommen noch brüchige Haare und Nägel sowie trockene, rissige Haut,
Kopfschmerzen, Durchfälle oder Verstopfungen und Blähungen hinzu. Die Anämie zeigt sich in unterschiedlichen
Formen, wie z.B. Vitamin-B12-Mangelanämie, Vitamin-B6-Mangelanämie, Sichelzellanämie oder Thalassämie. Wenn die
Primärerkrankung therapiert ist, kann die Anämie milde verlaufen. Ansonsten können sich Anämien chronisch und
lebensbedrohlich entwickeln.
Erythropenie bedeutet einen Mangel an roten Blutkörperchen im Blut, Leukopenie
bezeichnet den Mangel an weißen Blutkörperchen.
An einer Leukämie (Blutkrebs) erkranken nur wenige Menschen, sie zählt aber zu den bekanntesten
Bluterkrankungen. Dabei ist die Leukozytenbildung im Knochenmark und den lymphatischen Organen vermehrt, es kommt
zu einem unkontrollierten Ausschwemmen der malignen (bösartigen) weißen Blutkörperchen in unterschiedliche Organe,
wobei die für die Blutbildung benötigten Zellen verdrängt werden. Die Ursachen für eine Entartung sind noch nicht
geklärt, radioaktive Strahlen, Zytostatika, Rauchen und Immundefekte können sich aber positiv auf eine Entstehung
auswirken. Der Verlauf wird in akut und chronisch unterteilt. Dabei zeigen sich Müdigkeit, Leistungsabfall, Fieber,
Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Infektanfälligkeit, Ausbildung einer Anämie mit deren typischen
Symptomen, vergrößerte Lymphknoten, vergrößerter Milz oder Leber, erhöhte Blutungsneigung und neurologische
Ausfälle. Durch die hohe Infektanfälligkeit kann es schnell zu lebensbedrohlichen Situationen kommen.
Die Hämophilie (Bluterkrankheit) gilt als eine der häufigsten Erbkrankheiten. Die
Blutgerinnung ist gestört und führt so zu unstillbaren Blutungen. Ca. 80 Prozent der Erkrankten leiden an der
A-Form, bei der der Gerinnungsfaktor VIII in zu geringen Mengen vorhanden ist. Bei der Hämophilie B besteht ein
Faktor-IX-Mangel. Die Erkrankung wird X-chromosomal vererbt, wobei jedes X-Chromosom zur Krankheitsentstehung
betroffen sein muss. Gerinnungsfaktoren sind lebensnotwendig, ein Mangel führt zu Blutungen, die nicht gerinnen
(sich nicht verschließen). Schon im Kindesalter zeigt sich die Krankheit durch Hämatome (Blutergüsse), die selbst
bei kleinsten Stößen entstehen können. Durch bestimmte Einblutungen, z.B. im Kopfbereich, kann es zu
lebensbedrohlichen Situationen kommen.
Das Von-Willebrand-Syndrom ist eine autosomal-vererbte (nicht auf einem Geschlechtschromosom
liegende) Form der Hämophilie. Der Von-Willebrand-Faktor ist ein
großes Eiweißmolekül, welches bei Blutungen die Thrombozyten miteinander verbindet und so zu einer Gerinnung führt.
Bei der Erkrankung fehlt der Faktor, es zeigen sich die gleichen Symptome wie bei der Hämophilie Typ A und B. Durch
eine zelluläre Blutungsneigung kommt es vermehrt zu Schleimhautblutungen (Nasenbluten) oder unstillbaren Blutungen
bei Schnittverletzungen. Menschen mit Hämophilie oder dem Von-Willebrand-Syndrom müssen, bedingt durch die
Unheilbarkeit, ihr Leben lang gut aufpassen. So kann ein Besuch beim Zahnarzt oder auch ein notwendiger operativer
Eingriff zu großen Problemen (Blutungen) führen.
Das Plasmazytom (Multiples Myelom) beschreibt einen bösartigen Tumor, der im Knochenmark
durch Entartung eines Lymphozyten entsteht.
Morbus Hodgkin (Lymphdrüsenkrebs) ist ein bösartiger Tumor des Lymphsystems (von den
Lymphozyten ausgehend), der sich durch eine schmerzlose Schwellung von Lymphknoten in Zusammenhang mit
Nachtschweiß, Fieber, Bauch- und Kopfschmerzen, vergrößerter Leber oder Milz und Gewichtsverlust zeigt. Zur
gesicherten Diagnose werden die Reed-Sternberg-Zellen differenziert.
Das Non-Hodgkin-Lymphom zeigt die gleichen Symptome, es fehlen aber die Reed-Sternberg-Zellen.
Bei frühzeitiger Diagnose sind beide Lymphom-Arten mittels Schulmedizin gut therapierbar.
Daneben zeigen sich viele weitere, meist aber eher seltene Erkrankungen oder Störungen des Blutes. So
beschreiben Zytosen eine Erhöhung der Zellzahl im Blut, z. B. die Leukozytose (als
Reaktion auf bestimmte Krankheiten wie Herzinfarkt oder Tumore).
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