Vaginitis - Die Scheidenentzündung: Ursachen, Symptome,
Diagnose Therapie
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Eine Entzündung der Scheide (lat.: Vaginitis, gr.: Kolpitis) ist die häufigste Erkrankung
weiblicher Geschlechtsorgane, die sich im Laufe eines Lebens bei nahezu jeder Frau mindestens einmal präsentiert
und die sexuell übertragen werden kann. Dabei lassen sich bei 50 Prozent der Frauen unterhalb des 25. Lebensjahres
Pilze als Erreger nachweisen.
Die Scheide ist unter physiologischen Bedingungen mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die, zusammen mit den für
das saure Milieu sorgenden Laktobakterien für die Abwehr von Erregern verantwortlich ist. Zusätzlich schützen die
Schamlippen und die Schambehaarung. Durch verschiedene Umstände und Erkrankungen kann dieser Abwehrmechanismus
gestört sein und Entzündungen hervorrufen.
Bei Kindern ist der physiologische Schutzmechanismus noch nicht vollständig ausgebildet, hier findet sich ein
eher alkalisches Vaginalmilieu, welches das Eindringen von Erregern begünstigt. Dies begünstigt eine Vulvovaginitis
(Entzündung äußerer und innerer Geschlechtsteile), die kindliche Form der Vaginitis.
Ab der Pubertät lassen sich mehrere Ursachen für eine Vaginitis aufzeigen:
Hierzu zählen Unverträglichkeitsreaktionen bei der Verwendung von Tampons oder einem Scheidendiaphragma,
Verletzungen während des Geschlechtsverkehrs (auch bei ungewöhnlichen Praktiken), eine Störung des pH-Wertes im
Scheidenbereich (z.B. durch Ausfluss des Schleims aus dem Muttermund, durch eine Antibiotikatherapie), ein
gestörtes Kreislaufverhältnis mit mangelhafter Durchblutung (Unterversorgung mit Sauerstoff und lebensnotwendigen
Stoffen = Durchblutungsstörungen),
Diabetes
mellitus sowie ein abfallender Östrogenspiegel nach der Menopause
(wodurch die Regenerationsfähigkeit der Schleimhaut sinkt und sie dünner wird). Eine Entzündung begünstigend wirken
vor allem eine geschwächte Immunabwehr (z.B. bei AIDS) sowie Therapien mit Immunsuppressiva.
Zu den verursachenden Erregern zählen vor allem Pilze (hauptsächlich Candida albicans, Hefepilz). Diese liegen
regulär in geringem Maße auf der Hautoberfläche und verursachen dort keinen Schaden. Eine angegriffene Immunabwehr
führt rasch zu einer Vermehrung über das tolerierbare Maß hinaus. Bakterien sind seltener als Auslöser zu
beobachten. Hierzu zählen Staphylokokken, Streptokokken,
Kolibakterien, Gonokokken, Chlamydien, Mykoplasmen und Gardnerella vaginalis (unbewegliches Bakterium, welches in
geringer Keimzahl physiologisch in der Vaginalschleimhaut vorkommt). Sie alle werden in den meisten Fällen durch
Sexualkontakt übertragen oder vermehrt.
Neben Pilzen und Bakterien gelten auch Trichomonaden (Geißeltierchen) oder das Herpesvirus als Verursacher von Entzündungen.
Begünstigend auf das Wachstum und die Ausbreitung wirkt sich dabei besonders eine mangelhafte Intimhygiene aus
(unter anderem das Tragen des gleichen Slips über mehrere Tage, seltenes Waschen im Intimbereich, unregelmäßiges
Wechseln von Tampons).
Die Klinik der Vaginitis weist vor allem einen vermehrten Ausfluss (Fluor vaginalis) auf. Dieser kann von zäher,
fester, krümeliger oder wässriger Konsistenz sein, farbliche Veränderungen aufweisen (gelblich bei Eiter, rötlich
bei Blutbeimengungen) und übel riechen (verursacht durch eine Vermehrung von Gardnerella vaginalis). Zusätzlich
entstehen ein unangenehmer Juckreiz oder ein Brennen im
Scheidenbereich. Je nach Ausbreitung erweitert sich die Symptomatik. Bei Übergriff auf die äußeren
Geschlechtsmerkmale präsentiert sich der Schambereich zum Teil stark gerötet und geschwollen oder reagiert
ebenfalls mit einem zunehmenden Juckreiz. Bei Ausbreitung
zur Gebärmutter hin kann es zu einer Zervizitis
(Entzündung des Gebärmutterhalses), Endometritis (Entzündung der
Gebärmutterschleimhaut) oder Myometritis (Entzündung der Muskelschicht der
Gebärmutter) kommen.
Durch Inspektion der Scheide lässt sich meist rasch eine Diagnose stellen. Die Schleimhaut präsentiert sich
gerötet, geschwollen, zum Teil mit Auflagen oder Eiterbläschen. Der untersuchende Arzt entnimmt Abstriche und unter
Umständen auch eine Gewebeprobe zur Differenzierung des Erregers.
Je nach vorliegender Ursache werden Antimykotika (Medikamente gegen Pilzbefall) oder Antibiotika (Medikamente
gegen Bakterien) verordnet. Diese können in Form von Vaginalzäpfchen, Cremes, Sprays oder auch als Tabletten
eingenommen werden. Daneben helfen Vaginalspülungen mit desinfizierenden Lösungen sowie Sitzbäder mit
abschwellenden und juckreizlindernden Substanzen. Ein Mangel an Östrogenen kann durch eine Hormontherapie
substituiert werden, ebenso lässt sich durch Gaben von Laktobakterien (über Zäpfchen) das saure Milieu in der
Scheide wieder herstellen.
siehe auch: Laktobazillen (Milchsäurebakterien)
Die Prognose bei ausreichender Behandlung ist gut. Nur in wenigen Fällen greift die Entzündung auf
Nachbarstrukturen über und führt hier zu weiteren Beschwerden. Ohne geeignete Therapie drohen jedoch Entzündungen,
die sich ins kleine Becken ausdehnen können. Hier sind besonders die Eierstöcke und Eileiter betroffen (Adnexitis= Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung), die im schlechtesten Fall zu einer
Unfruchtbarkeit (durch Verkleben, Gewebeverlust) führen können. Eine erhöhte Aufmerksamkeit ist auch bei einer
vorliegenden Schwangerschaft geboten. Hier kann es durch Einwanderung der Erreger zu Schäden beim Föten kommen,
Frühgeburten oder ein Abort drohen.

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