Gallenblasenerkrankung
Gallenblasenerkrankungen - Verständlich
Erklärt
Die Gallenblase liegt unterhalb der Leber und dient als Reservoir für die Gallenflüssigkeit, welche in der Leber
gebildet wird.
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Die nun gesammelte und konzentrierte Galle wird bei einer fetthaltigen, süßen oder alkoholhaltigen
Nahrungszufuhr ausgeschüttet, in dem sich die Gallenblase durch Hormone getriggert zusammenzieht.
Die Gallenflüssigkeit unterstützt vor allem die Verdauung von Fetten. Sie gelangt durch einen kleinen Gallengang
in den Hauptgang, welcher in der Regel durch den Kopf der Bauchspeicheldrüse zieht. Dies erklärt, warum diese bei Gallenblasenkrankheiten nicht selten
mit betroffen ist.
Der Hauptgallengang und der Bauchspeicheldrüsengang münden schließlich häufig gemeinsam in den Zwölffingerdarm
und gelangen dort mit der Nahrung in Kontakt.
Erkrankungen der Gallenblase sind in unserer Überflussgesellschaft ein Volksleiden,
Neuerkrankungsraten von bis zu 25 Prozent werden beschrieben. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass
nicht jeder ruhende Stein einen Krankheitswert hat und einer Therapie zugeführt werden muss.
Die häufigste Form der Therapie besteht in der Entfernung der Gallenblase. Diese erfolgt heute meist mittels
Bauchspiegelung (endoskopisch, minimal-invasiv) und ist ein komplikationsarmer Routineeingriff.
Der Verlust der Gallenblase führt typischerweise zu keinerlei Funktionseinschränkung, da sie hauptsächlich nur
als Reservoir dient. Lediglich bei sehr fetten Speisen kann es zu Verdauungsschwierigkeiten kommen. Auch kann es
sein, dass die Gallenblase gar nicht die Ursache der Beschwerden war und entsprechend die Symptome fortbestehen.
Oder aber der Eingriff selber führt durch z.B. Narben zu Beschwerden. Dies wird als Postcholezystektomie-Syndrom
zusammengefasst.
Verschiedene Gallenblasenerkrankungen
Gallensteine (Cholezystolithiasis) sind die
häufigsten Verursacher für Beschwerden im Bereich der Gallenblase. Auch bilden sie in den meisten Fällen die
Grundlage für weitere Krankheiten in dieser Region. Betroffen sind vor allem Frauen. In der Klinik hat sich die
5xF-Regel etabliert: Frauen (female), übergewichtig (fat), um die 40 Jahre alt (forty), fruchtbar (fertile) und
blond bzw. helle Hautfarbe (fair). Eine familiäre Veranlagung ist vorhanden. Doch letztendlich kommt es zur
Steinbildung, wenn die Fette (vor allem Cholesterin) im ungünstigen Verhältnis zu den Gallensalzen stehen und diese
Salze dann als Kristalle ausfällen. Nur selten liegen schwarze Bilirubinsteine vor, welche die Folge eines
Blutzerfalls (Hämolyse) sind. Doch nur circa zehn bis zwanzig Prozent aller Steinträger werden überhaupt
symptomatisch. Dabei gilt: je kleiner die Steine sind, desto eher werden sie Beschwerden verursachen. Auch reicht
oft schon Gallengrieß ("Sludge") für ein Auslösen der Symptome aus. Typisch ist ein
Ziehen oder Druck im rechten Oberbauch, klassischerweise nach der Nahrungsaufnahme. Klemmt ein Stein im Gallengang
ein, kommt es zu einer Gallenkolik. Der starke, wellenförmige Schmerz kommt durch den Versuch der Muskulatur zustande, den Stein durch rhythmisches
Zusammenziehen vorwärts zu zwingen. Zusätzlich kann es bei einem Gallenstau zu entfärbtem oder lehmfarbenem
Stuhl und zu dunkelbraunem Urin kommen. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass färbende Abbauprodukte nicht
mehr über die Galle, sondern über den Urin ausgeschieden werden.
Die Diagnose wird in der Regel mittels Ultraschall und Labor (erhöhte Cholestaseparameter, welche einen
Gallenstau anzeigen) gestellt. Andere Verfahren dienen meist nur dem Ausschluss von Komplikationen. Eine nicht so
seltene und gefürchtete Komplikation ist die Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), welche durch die engen anatomischen Verbindungen zu erklären
ist. Klemmt ein Stein im gemeinsamen Ausführungsgang fest, kommt es zu einem Rückstau innerhalb der
Bauchspeicheldrüse. Diese Reizung und der mangelnde Abfluss der verdauenden Bauchspeicheldrüsen-Enzyme führen
dann zu einer Entzündung (siehe auch: Bauchspeicheldrüsenerkrankungen). Die aggressiven Enzyme führen schließlich zu einem
Selbstverdau des Organs. Wird diese Entzündung nicht frühzeitig erkannt, kann sie bis zum Tode führen. Reizen
Fremdkörper (in 95% der Fälle existiert eine Assoziation mit Gallensteinen) die
Gallenblasenwand, kann es zu einer abakteriellen Entzündung kommen. Aber auch eine Infektion durch Darmkeime ist
möglich. Diese steigen durch den Gallengang auf und vermehren sich in stehender Gallenflüssigkeit, z.B. wenn der
Gang durch einen Stein oder Tumor verlegt ist und die Flüssigkeit nicht mehr abfließen kann.
Diese staut sich in die Gallenblase zurück und weitet diese auf (Hydrops). Die fehlende Spülung und zusätzlich
der Dehnungsreiz unterhalten die Infektion. Beide Arten der Entzündung werden als Cholezystitis
zusammengefasst. Typisch sind stärkste Schmerzen im rechten Oberbauch, das so genannte
Murphy-Zeichen ist positiv (bei Abtastung wird schmerzbedingt die Atmung angehalten). Übelkeit, Erbrechen und hohes Fieber können hinzukommen.
Im Labor zeigt sich zusätzlich eine Entzündungskonstellation (hohe Leukozyten (Blutwerte), hohes CRP), sonst sind die Befunde ähnlich dem Gallensteinleiden, welches auch in der Regel ursächlich ist. Im akuten Stadium wird zuerst
eine konservative Therapie mit intravenösen Antibiotika und flankierenden Allgemeinmaßnahmen (wie z.B. Bettruhe und
Schmerzmedikation) angestrebt. Im entzündungsfreien Intervall sollte die Gallenblase entfernt werden, um die
Ursache zu beseitigen und ein Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern.
Bei schwersten Verläufen kann eine sofortige operative Versorgung notwendig sein. Bei einer chronischen
Entzündung kann es zu einer so genannten Porzellangallenblase kommen. Diese entsteht, wenn reaktiv in der
Blasenwand Narben entstehen und Kalk eingelagert wird. In mehr als 20 Prozent der Porzellangallenblasen entsteht
ein bösartiger Tumor. Daher wird diese als Krebsvorstufe (Präkanzerose) eingeordnet. Daraus ergibt sich die dringende
Indikation zu einer Entfernung der Gallenblase.
Gallenblasenpolypen sind gutartige Neubildungen, in
welche nicht selten Cholesterin eingelagert ist. Sonographisch sind sie schlecht von Gallensteinen zu
unterscheiden. Wichtiges Kriterium ist, dass Polypen bei Lagerungswechsel nicht der Schwerkraft nach "wandern".
Häufig sind sie auch kaum von der normalen Gallenblasenwand zu differenzieren und bleiben daher gänzlich unerkannt.
Polypen treten häufiger bei Männern auf und sind als eine der wenigen Erkrankungen unabhängig von einem Gallensteinleiden. Große Polypen sollten wegen der Gefahr einer Entartung operativ entfernt
werden.

Der Gallenblasenkrebs ist zum Glück sehr selten und in der
Regel Folge von einem Gallensteinleiden mit chronischem Entzündungsreiz. Ist es bereits zu einer
Porzellan-Gallenblase gekommen, steigt das Risiko deutlich an. Auch große Polypen erhöhen die
Krebswahrscheinlichkeit. Leider kommt es zu keinen oder nur unspezifischen Symptomen, z.B. Schwäche und Gewichtsverlust. Nicht selten hat der Tumor bei Diagnosestellung bereits gestreut, vor allem Metastasen in
der Leber sind typisch. Entsprechend ist die Prognose insgesamt sehr ungünstig. Sind trotz Beschwerden und nach
umfangreicher Diagnostik keine organischen Ursachen zu finden, sollte an eine Reizgallenblase (Gang-Dyskinesie oder
Cholezystopathie) gedacht werden. Diese funktionelle Störung ist nicht selten, ebenfalls sind Frauen häufiger
betroffen. Eine psychosomatische Ursache wird angenommen, allerdings kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass
die Beschwerden durch nicht sichtbare Gallensteine oder Gallengrieß ausgelöst werden.
Die Symptome sind ähnlich dem Gallensteinleiden, allerdings ohne organisches Korrelat. Die Therapie basiert auf
Entspannungs-techniken, Stressbewältigung und psychotherapeutischer Unter-stützung. Schonkost, Gewichtsreduktion
und entkrampfende Tees können ergänzend Linderung verschaffen.
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