Herzkrankheiten - Verständlich Erklärt

Das ca. 300 g schwere Herz (Cor) liegt im Mediastinum (in der Brusthöhle liegender Raum) links unter dem Brustbein und wird vom Perikard (Herzbeutel) umhüllt. Es unterteilt sich in rechte und linke Seite und dabei jeweils in Vorhof (Atrium) und Kammer (Ventrikel).

Als muskuläres Hohlorgan dient es durch rhythmische Schläge dem gesamten Organismus zur Blut- und Sauerstoffversorgung über großen und kleinen Kreislauf. Die Regulierung der Strömung erfolgt durch Schließen und Öffnen der vier dem Herzen zugehörigen Klappen (Trikuspidal-, Pulmonal-, Mitral-, Aortenklappe).

von: René Gräber - Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge

Diagnose von Herzkrankheiten

Neben Inspektion, Palpation (Abtasten) und Auskultation (Abhören) dienen Blutdruckkontrolle, EKG, Ultraschall (Sonographie, Herz-Doppler), Herzkatheteruntersuchung, Angiographie, Röntgen, CT, MRT und PET (Positronen-Emissions-Tomographie) zur genauen Untersuchung.

Die Kardiologie beschäftigt sich mit der Diagnostik und konservativen Therapie von Herzerkrankungen, die Kardiochirurgie wählt den operativen Ansatz.

Ein als physiologisch (normal) geltender Blutdruck liegt bei ca. 120 / 60 mmHg. Dabei beschreibt der erste Wert den Pumpvorgang vom Herzen zu den Schlagadern, der zweite Wert die Blutfüllung des Herzens in der Erschlaffungsphase. Ab Werten um 140 / 90 mmHg spricht man von Bluthochdruck, der sich bei 25 – 30 Prozent der Bevölkerung manifestiert.

Ursachen für die Entstehung können verschiedene Risikofaktoren sein wie z.B. Rauchen, Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Fettstoffwechselstörungen, Alkoholismus, Stress und familiäre Disposition.

Auch Erkrankungen der Nieren oder der Schilddrüse können zu einem Bluthochdruck führen. (siehe auch: Nierenkrankheiten oder Schilddrüsenwerte)

Viele Menschen leben mit den erhöhten Blutdruckwerten, ohne dies zu bemerken. Als Symptome zeigen sich zum Beispiel Kopfschmerzen, Schwindel, Schweißausbrüche, Ohrensausen, Herzrasen oder auch Nasenbluten.

Unbehandelt kann ein zu hoher Blutdruck eine Vielzahl an Folgeschäden aufweisen, wie z.B. KHK (Koronare Herzkrankheit), Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschäden (Nierenkrankheiten) oder Claudicatio intermittens (Schaufensterkrankheit).

Beim Europäischen Kardiologen-Kongress 2012 stellte der Argentinier Rafael Diaz eine internationale Studie vor, an der 150 000 Personen aus insgesamt 17 Ländern teilnahmen.

Das alarmierende Ergebnis: Auch in Entwicklungs- und Schwellenländern nehmen Herzkreislauferkrankungen zu.

Risikofaktoren, etwa Bluthochdruck, werden dort aber oft nicht behandelt. Immerhin 28 bis 35 Prozent der Einwohner ärmerer Länder weisen, laut der Studie, deutlich zu hohe Blutdruckwerte auf (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21872920).

Und auch in den Industrienationen wird mit Bluthochdruck oft zu lasch umgegangen. Denn obwohl die Folgen hierzulande hinlänglich bekannt seien, werde die Störung nur bei 20 Prozent der Betroffenen konsequent angegangen, weiß Georg Ertl, Kardiologe an der Universität Würzburg.

Häufige Herzkrankheiten 

Bei der KHK (Koronare Herzkrankheit), kommt es zu einer Verengung der Herzkranzgefäße durch Ablagerungen von Blutfetten und weißen Blutkörperchen (Atheriosklerose). Diese verursachen langsam eine Verstopfung der Gefäßinnenwand, durch Unterversorgung mit Blut entsteht ein Infarkt. Risikofaktoren sind: Übergewicht, mangelnde Bewegung, Rauchen, Diabetes mellitus, erhöhter Cholesterinspiegel, männliches Geschlecht und ein höheres Lebensalter. Wichtigstes Symptom ist das unter dem Begriff Angina pectoris bekannte Engegefühl im Brustkorbbereich mit bis in den linken Arm ausstrahlendem Schmerz, der bei Ruhe sofort nachlässt. Später zeigen sich Symptome bereits auch in Ruhephasen.

Der Herzinfarkt gilt leider als häufigste Todesursache. Durch den plötzlichen Verschluss der Herzkranzgefäße wird das in der Region liegende Herzmuskelgewebe nicht mehr durchblutet und stirbt ab. Als Hauptauslöser für einen Infarkt gilt die koronare Herzkrankheit mit ihren Risikofaktoren. Der Herzinfarkt tritt meist bei körperlicher Ruhe in der Nacht oder den frühen Morgenstunden auf. Klassische Symptome sind Angina pectoris-Zeichen, Atemnot, Schweißausbrüche, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen (Herzrythmusstörungen) und Todesangst. Bei ca. einem Viertel der Betroffenen liegt ein symptomloser (stiller) Infarkt vor, der sich u.a. erst bei erneutem Auftreten bemerkbar macht. Ein wiederkehrender Herzinfarkt (Reinfarkt) erhöht leider die Wahrscheinlichkeit eines letalen (tödlichen) Ausgangs.

Es scheint so zu sein, dass Herzinfarkte auch immer mehr jüngere Menschen betreffen, vor allem beim weiblichen Geschlecht sei dies deutlich. Denn immerhin rund elf Prozent der betroffenen Frauen sind jünger als 50 Jahre.

Vor 15 Jahren lag der Anteil der Unter-50-jährigen Herzinfarkt-Patientinnen hingegen bei lediglich vier Prozent. Als Gründe werden vor allem ein erhöhter Tabakkonsum, aber teilweise auch die zunehmende Fettleibigkeit angenommen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22927559).

Dennoch gibt es auch Positives zu berichten: Immerhin sind seit Einführung des Rauchverbots in Restaurants die Herzinfarkte deutlich zurückgegangen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22350716).

Vor allem Nichtraucher, deren Herzkreislaufsysteme durchs Passivrauchen geschädigt werden, profitieren demnach von dem Gesetz.

Ist die rhythmische Abfolge des Herzschlagens gestört spricht man von Herzrhythmusstörungen. Dabei kann der Ursprung im Vorhof (Vorhofflimmern) (supraventrikulär), in der Kammer (ventrikulär) oder im Erregungs- und Leitungssystem (z.B. AV-Block) liegen. Je nach Ausbreitungsort kommt es zu verschiedenen Symptomen, daneben zeigen sich fühlbare Herzstolper, Extraschläge (Extrasystolen), Aussetzer, Herzrasen und Klopfgefühle bis zum Hals, Blutdruckabfall mit Schwindel, Sehstörungen und Schwächegefühl sowie Kurzatmigkeit, Schweißausbruch, Beklemmungsgefühl und evtl. kurze Ohnmacht (Synkope). Ursachen können KHK, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzmuskelentzündung und auch Klappenfehler sein. Die Herzrhythmusstörung ist daneben auch Symptom von Schilddrüsenerkrankungen und zeigt sich bei der Einnahme bestimmter Medikamente und Drogen. In seltenen Fällen können die Störungen letal sein (z.B. bei plötzlicher, vollständiger Asystolie).

Ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung leidet an Herzinsuffizienz (Herzschwäche), zunehmend mit ansteigendem Alter. Hauptursachen können Bluthochdruck und Durchblutungsstörungen des Herzens mit Herzinfarkt sein. Daneben schwächen auch Herzrhythmusstörungen, Klappenfehler, Entzündungen, Lungenkrankheiten und Schilddrüsenüberfunktion die Muskulatur. Mit zunehmender Ausprägung schränkt eine Herzmuskelschwäche die körperliche Leistung des Betroffenen ein. Es kommt zu Atemnot mit Angina pectoris, Hustenanfällen und blau verfärbten Händen und Füßen (Mangelversorgung mit Sauerstoff). Ist die rechte Herzhälfte (Rechtsherzinsuffizienz) betroffen, zeigen sich zudem Ödeme (Wasseransammlungen im Gewebe), Aszites (Wasseransammlung im Bauchraum), Übelkeit und Verdauungsprobleme (u.u. Durchfall oder Verstopfungen). Bei der chronischen Form liegt eine Entwicklung über Jahre vor, bei der es durch Kompensation über einen langen Zeitraum zu keiner körperlichen Symptomatik kommt. Erst bei Eintritt in das dekompensierte Stadium zeigen sich auch unter Ruhebedingungen Ödeme und Luftnot (Dyspnoe).

Bei einer Aortenklappeninsuffizienz kann es in schweren Fällen nötig sein, eine künstliche Herzklappe einzufügen. Dies kann mittels Operationen oder Katheter erfolgen. Da die sehr junge kathetergestützten Implantationstechnik noch einige Risiken birgt, sollte sie nur bei Personen genutzt werden, die für einen operativen Eingriff zu alt und zu schwach sind.

Daneben spielt das Herz auch eine wesentliche Rolle bei allen Herzerkrankungen und Kreislauferkrankungen (z.B. Thrombose oder Schlaganfall).

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 03.01.2013 aktualisiert

René Gräber