Depressionen: Ursachen, Entstehung und
Therapie
Die Depression ist eine psychische Erkrankung, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Warum mehr und mehr
Menschen an dieser Störung der Stimmungslage leiden, ist bisher noch nicht abschließend geklärt.
von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Die Depression ist eine affektive Störung (Störung der Gemütsverfassung, von affektus, lat.:
Gemütsverfassung).
Affektive Störungen können sich in zwei entgegen gesetzte Richtungen entwickeln, entweder zur Manie (manie, gr.:
Wahnsinn, Sucht) oder zur Depression (deprimere, lat.: niederdrücken, herabziehen).
Es gibt monopolare und bipolare Störungen. Bei den monopolaren Störungen schlägt die Stimmung nur in eine der
beiden oben genannten Richtungen aus, wohingegen es bei der bipolaren Störung es zu einem Wechsel zwischen
depressiven und manischen Phasen kommt.
Die Wahrscheinlichkeit, dass man in seinem Leben an einer affektiven Störung erkrankt, beträgt 20% - 25%. Die
Störung beginnt in der Regel zwischen dem 30. und dem 45. Lebensjahr. Dabei sind Frauen etwa doppelt so häufig
betroffen, wobei berücksichtigt werden muss, dass es bei Männern eine höhere Dunkelziffer gibt.
Ursachen der Depression
Einer Depression ist in den meisten Fällen ein mulitfaktorielles Geschehen. Folgende Faktoren werden in der
Medizin als "Ursache" diskutiert:
- Störung der Neurotransmission
Die meisten Patienten mit einer Depression weisen einen
Mangel an den Hormonen Serotonin und Noradrenalin auf. Diese Hormone sind maßgeblich für unser Glücksgefühl und
unser Wohlbefinden.
- Genetische Faktoren
Durch Forschungen an Zwillingspaaren wurde ein eindeutiger
Zusammenhang zwischen der Entstehung von Depressionen und einer genetischen Veranlagung ermittelt. Die
Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken, ist erhöht, wenn in der Familienanamnese depressive
Erkrankungen vorkommen.
- Kritische Lebensereignisse
Oft werden Depressionen durch belastende Lebensereignisse
(Verlust einer wichtigen Bezgsperson o.ä.) ausgelöst.
- Chronobiologische Faktoren
Die bekannteste Form eines chronobiologischen Faktors ist
die so genannte "Herbstdepression". Bei einem geringen Teil der Erkrankten entsteht die Depression durch eine
Störung der biologischen Rhythmen und lässt sich mit einer Lichttherapie gut behandeln. Auch die Störung der
Wach-Schlaf-Rhythmen kann hier die Erkrankung auslösen.
- Körperliche Erkrankung oder Einnahme von Medikamenten
Es gibt Erkrankungen, die eine
Depression auslösen können. Hierzu zählen unter anderen die M. Parkinson Erkrankung, Schilddrüsenerkrankungen
oder hirnorganische Erkrankungen. Auch können bestimmte Medikamente (beispielsweise Kortison, Beta-Blocker,
L-Dopa oder die Antibabypille) die Entwicklung einer Depression begünstigen. Hier spricht man dann von einer
organisch bedingten affektiven Störung.

Symptome
Die Symptome einer Depression sind vor allem negative Gemütsstimmungen (Antriebslosigkeit, Bewegungsarmut,
emotionale Unbeteiligung, Sinn- und Hoffnungslosigkeit) und Schlafstörungen.
Patienten beschreiben sich selbst häufig als "ausgebrannt" oder "innerlich wie versteinert", können nicht ein- oder
durchschlafen oder wachen morgens sehr früh auf. Schlaf wird als nicht mehr erholsam empfunden.
Auch eine ängstliche Grundstimmung, die oft durch existentielle Angst ausgelöst wird, kann ein Symptom einer
Depression sein.
Bei einem an Depressionen erkrankten Patienten finden sich häufig Störungen der Vitalfunktionen wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Libidoverlust und Atemschwierigkeiten und sie neigen zu formalen Denkstörungen.
Das jedoch schwerwiegenste Symptom einer Depression ist die Neigung zu Suizidgedanken. Bis zu 15% der Erkrankten
sterben an Suizid.
Nicht zu verwechseln ist eine Depression mit dem Fatigue Syndrom oder dem Burn-Out.
Das Fatigue-Syndrom beschreibt einen körperlichen und psychischen Erschöpfungszustand, der
sich meist als Folge einer schwerwiegenden Erkrankung (Krebsleiden, MS (Multiple Sklerose), AIDS, schweren
chronischen Herzerkrankungen oder Lungenerkrankungen oder ähnlichen)
entwickelt.
Der Burn-Out ist auch ein akuter Erschöpfungszustand, ein Gefühl des "Ausgebranntseins". Der wesentliche Unterschied zwischen
einem Patienten mit einer Depression und einem Patienten mit einem Burn-Out oder Fatigue Syndrom ist, dass es
bei letztgenannten fast nie zu der typisch depressiven Denkverzerrungen, den Selbstmordgedanken und
Appetitminderungen kommt. Patienten mit einem Erschöpfungssyndrom befinden sich in einem dauernden
Frustrationszustand und geben meist einer äußeren Ursache die Schuld an Ihrer Lage.
Diagnoseverfahren
Um die Depression von anderen psychischen Erkrankungen oder Erschöpfungszuständen
abzugrenzen, muss ein intensives Gespräch mit den Patienten erfolgen. Zwar ergibt sich die Diagnostik aus der
Symptomatik, aber es müssen somatische (körperliche, organische) Ursachen für die Symptome ausgeschlossen
werden.
Um den Schweregrad der depressiven Erkrankung zu ermitteln, werden der BDI (Becks Depression Inventory) oder der
HAMD (Hamilton-Depression-Scale) genutzt.
Der BDI nutzt die Selbsteinschätzung des Patienten, um durch einen Multiple-Choice Test den
Schweregrad der Depression zu ermitteln.
Beim HAMD hingegen werden dem Patienten durch den Therapeuten Fragen gestellt
(Fremdbeurteilungsskala). Beide Verfahren weisen bei der Feststellung der Schweregrade der Erkrankung seit einigen
Jahren gute Ergebnisse auf, mit denen die weitere Behandlung geplant und durchgeführt werden kann.
Therapie
Bei einem hohen Schweregrad einer depressiven Erkrankung ist wegen der Suizidgefahr oft eine stationäre, bei
sehr schweren Fällen sogar eine geschlossene Unterbringung in einer Therapieeinrichtung nötig.
Medikamentös werden Depressionen seitens der Schulmedizin sehr häufig mit Antidepressiva behandelt. Diese Medikamente führen zu einer Normalisierung des
Neurotransmitterspiegels im synaptischen Spalt. Gefahr bei der Gabe von Antidepressiva kann eine Steigerung der
Suizidgefahr in den ersten Tagen der Einnahme sein.
Eine weitere Medikationsmöglichkeit bieten Lithium und Antiepileptika. So soll das Auftreten weiterer
Krankheitsschübe unterbunden werden.
Diese Phasenprophylaktika müssen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Bei einem besonders schweren
Krankheitsverlauf, der mit starken Wahnsymptomen einhergeht, werden unter ärztlicher Aufsicht auch Neroleptika
eingesetzt.
Da die medikamentöse Behandlung zwar die Symptome der Depression, nicht aber deren Ursache heilen kann, reicht sie nicht aus,
die Krankheit zu besiegen.
Erkrankte sollten sich auch psychotherapeutische Hilfe suchen. Hier haben sich die Verhaltenstherapie, die
kognitive Therapie und die Psychoanalyse bewährt. Grundsätzlich muss bei jeder dieser Therapieformen primär die
Suizidalität bearbeitet werden. Denn nur so kann abgeschätzt werden, in welchem Ausmaß eine Gefährdung des
Patienten besteht und welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen.
Neben den genannten, meist auf Gesprächen basierenden Therapieformen, haben sich auch die folgenden Maßnahmen als
erfolgversprechend gezeigt:
- Die Schlafentzugstherapie: Bis zu 60% der Patienten geht es nach einer
Schlafentzugstherapie stimmungsmäßig besser. Leider sind die Effekte nur von kurzer Dauer. Als effektiver hat
sich der partielle Schlafentzug in den Morgenstunden erwiesen. Auch eine Schlafvorverlagerung hat sich in
klinischen Versuchen bewährt. Der Schlafbeginn wird hierbei zunächst in die frühen Abendstunden vorverlegt und
wird im Therapieverlauf immer weiter nach hinten verschoben, bis wieder normale Zeiten erreicht sind.
- Elektrokonvulsionstherapie: Hier wird durch eine Elektrostimulation ein künstlicher
Krampfanfall ausgelöst. In Deutschland wird diese Therapieform jedoch nur sehr selten eingesetzt.
- Tagesstrukturierung: Depressive Patienten sollten einen durchstrukturierten
Tagesablauf haben. Dadurch kommen ihnen die Tage nicht zu lang vor und aktivierende, nicht überfordernde
Aufgaben können sich positiv auf die Stimmung auswirken.
Eine Depression hat, bei frühzeitigen Erkennen und Therapiebeginn eine sehr gute Chance, vollständig behandelt
zu werden. Wichtig ist, dass der Patient sich seine Erkrankung eingesteht und aktiv an deren Bearbeitung
mitwirkt.

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