Harnröhrenentzündung (Urethritis): Ursachen, Verlauf,
Diagnose Therapie
Die Entzündung der Harnröhre (Urethritis) zählt zu den unteren Harnwegsinfekten, zeigt sich vornehmlich bei
Männern und führt zu schmerzhaften Beschwerden, vor allem beim Wasserlassen.
Die Harnröhre (Urethra) verläuft von der Harnblase zum Körperausgang, ist mit Schleimhaut ausgekleidet und dient
dem Urin als Ausscheidungsweg. Beim Mann ist die Harnröhre ca. 20 cm lang, sie endet an der Eichel des Penis. Die
weibliche Harnröhre ist nur ca. vier Zentimeter lang, ihr Ende liegt zwischen Scheidenvorhof und Vagina. Durch die
wesentlich kürzere Strecke kommt es eher selten bei der Frau zu einer ausgeprägten Urethritis, hier zeigt sich die
Infektion eher durch ein unangenehmes Gefühl bei der Urinausscheidung.
Verschiedene Arten einer Harnröhrenentzündung
Die Urethritis wird unterteilt in spezifisch und unspezifisch. Die spezifische Form entwickelt sich aus einer
Gonokokkeninfektion (sexuell übertragbares Bakterium) und tritt im Rahmen der Geschlechtskrankheit Gonorrhoe
(Tripper) auf. Die Gonokokken-Urethritis zählt zu den häufigsten sexuell übertragenen Erkrankungen. Unspezifische
Entzündungen entstehen durch verschiedene Bakterien, Pilze oder als Folge von allergischen Reaktionen und
mechanischen Reizungen. Auch hier zeigt sich die Möglichkeit der sexuellen Übertragbarkeit, Ausnahmen bilden nur
die allergisch oder mechanisch vermittelte Urethritis.
In Deutschland erkranken jährlich zehn- bis zwanzigtausend Menschen an einer durch das Bakterium Neisseria
gonorrhoeae verursachten Urethritis. Die Inkubationszeit liegt zwischen zwei und drei Tagen nach sexuellem Kontakt
und führt in den meisten Fällen zu einem typischen Symptomkomplex.
Symptome
Die Inkubationszeit von akuten, nichtgonorrhoischen Urethritiden (GNU) liegt zwischen zwei und fünf Tagen nach
Übertragung bzw. Reizung. Dabei zeigt sich die Entzündung hauptsächlich im vorderen Drittel der Harnröhre.
Während es bei der Frau in den meisten Fällen kaum zu Symptomen kommt, verursacht die Urethritis beim Mann starke
Beschwerden. Der Meatus urethrae externus (schlitzförmige Öffnung an der Eichelspitze) ist stark gerötet und
geschwollen, die Miktion (Wasser lassen) ist erschwert und zum Teil sehr schmerzhaft (Dysurie). Während der
Ausscheidung kann es zu einem Brennen, Stechen, Jucken oder Klopfen im Harnröhrenbereich kommen. Auch eine
fraktionierte Entleerung ist möglich. Zusätzlich tritt ein gelbgrüner, unter Umständen eitriger Fluor aus der
Harnröhre aus.
Diagnose
Die Anamnese und Inspektion führen meist schon zu einer Vermutung. Weitere Aufschlüsse bringt ein Abstrich des
Urethralfluors, hier lässt sich der Erreger durch Anzüchtung auf einem Nährboden und Auswertung unter dem Mikroskop
differenzieren.
Schulmedizinische Therapie
Die anschließende schulmedizinische Therapie richtet sich nach dem Erreger. Infektionen mit Bakterien lassen
sich mit einem Antibiotikum behandeln. Bei Pilzinfektionen wählt man ein Antimykotikum. Sexuelle Kontakte sollten
für den Zeitraum der Ausheilung vermieden werden (hohes Übertragungsrisiko). Bleibt die Entzündung symptomlos, kann
die Ausheilung auch ohne zusätzliche Maßnahmen erfolgen. In den meisten Fällen heilt die Entzündung vollständig
aus.
Zu Komplikationen kommt es, wenn die Entzündung sich ausweitet. Beim Mann sind z.B. bei einer Infektion mit
Chlamydien die Prostata und die Nebenhoden betroffen. Neben der Infektion (Prostatitis, Epididymitis) kommt es zu
hohen Fieberschüben mit Schüttelfrost sowie schmerzhaften Schwellungen in den betroffenen Regionen.
Auch bei der Frau kann es zu Problemen kommen. Hier sind vor allem die Eileiter und Eierstöcke in Gefahr. Eine
Entzündung in diesem Bereich führt, neben allgemeinen Symptomen wie Abgeschlagenheit und Fieber, zu Schmerzen im
Unterleib, verklebten Eierstöcken und hieraus resultierenden Komplikationen bei Schwangerschaften.
Im Bauchraum können sich zudem Abszesse ausbilden, die weitere Organe in
Mitleidenschaft ziehen.
Die Urethritis zeigt sich, neben den bereits erwähnten Infektionsmöglichkeiten, auch im Rahmen von
okulomukokutanen Syndromen (z.B. Behcet-Krankheit, Reiter-Syndrom). Hier liegen Autoimmunerkrankungen vor, die über
eine Bindehautentzündung zu weiteren
Entzündungen im gesamten Organismus führen.
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