Harnröhrenentzündung (Urethritis):
Ursachen, Verlauf, Diagnose Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Entzündung der Harnröhre (Urethritis) zählt zu den unteren Harnwegsinfekten, zeigt sich vornehmlich bei Männern und führt zu schmerzhaften Beschwerden, vor allem beim Wasserlassen.

Die Harnröhre (Urethra) verläuft von der Harnblase zum Körperausgang, ist mit Schleimhaut ausgekleidet und dient dem Urin als Ausscheidungsweg. Beim Mann ist die Harnröhre ca. 20 cm lang, sie endet an der Eichel des Penis. Die weibliche Harnröhre ist nur ca. vier Zentimeter lang, ihr Ende liegt zwischen Scheidenvorhof und Vagina. Durch die wesentlich kürzere Strecke kommt es eher selten bei der Frau zu einer ausgeprägten Urethritis, hier zeigt sich die Infektion eher durch ein unangenehmes Gefühl bei der Urinausscheidung.

Verschiedene Arten einer Harnröhrenentzündung

Die Urethritis wird unterteilt in spezifisch und unspezifisch. Die spezifische Form entwickelt sich aus einer Gonokokkeninfektion (sexuell übertragbares Bakterium) und tritt im Rahmen der Geschlechtskrankheit Gonorrhoe (Tripper) auf. Die Gonokokken-Urethritis zählt zu den häufigsten sexuell übertragenen Erkrankungen. Unspezifische Entzündungen entstehen durch verschiedene Bakterien, Pilze oder als Folge von allergischen Reaktionen und mechanischen Reizungen. Auch hier zeigt sich die Möglichkeit der sexuellen Übertragbarkeit, Ausnahmen bilden nur die allergisch oder mechanisch vermittelte Urethritis.

In Deutschland erkranken jährlich zehn- bis zwanzigtausend Menschen an einer durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae verursachten Urethritis. Die Inkubationszeit liegt zwischen zwei und drei Tagen nach sexuellem Kontakt und führt in den meisten Fällen zu einem typischen Symptomkomplex.

Symptome

Die Inkubationszeit von akuten, nichtgonorrhoischen Urethritiden (GNU) liegt zwischen zwei und fünf Tagen nach Übertragung bzw. Reizung. Dabei zeigt sich die Entzündung hauptsächlich im vorderen Drittel der Harnröhre.

Während es bei der Frau in den meisten Fällen kaum zu Symptomen kommt, verursacht die Urethritis beim Mann starke Beschwerden. Der Meatus urethrae externus (schlitzförmige Öffnung an der Eichelspitze) ist stark gerötet und geschwollen, die Miktion (Wasser lassen) ist erschwert und zum Teil sehr schmerzhaft (Dysurie). Während der Ausscheidung kann es zu einem Brennen, Stechen, Jucken oder Klopfen im Harnröhrenbereich kommen. Auch eine fraktionierte Entleerung ist möglich. Zusätzlich tritt ein gelbgrüner, unter Umständen eitriger Fluor aus der Harnröhre aus.

Diagnose

Die Anamnese und Inspektion führen meist schon zu einer Vermutung. Weitere Aufschlüsse bringt ein Abstrich des Urethralfluors, hier lässt sich der Erreger durch Anzüchtung auf einem Nährboden und Auswertung unter dem Mikroskop differenzieren.

Schulmedizinische Therapie

Die anschließende schulmedizinische Therapie richtet sich nach dem Erreger. Infektionen mit Bakterien lassen sich mit einem Antibiotikum behandeln. Bei Pilzinfektionen wählt man ein Antimykotikum. Sexuelle Kontakte sollten für den Zeitraum der Ausheilung vermieden werden (hohes Übertragungsrisiko). Bleibt die Entzündung symptomlos, kann die Ausheilung auch ohne zusätzliche Maßnahmen erfolgen. In den meisten Fällen heilt die Entzündung vollständig aus.

Zu Komplikationen kommt es, wenn die Entzündung sich ausweitet. Beim Mann sind z.B. bei einer Infektion mit Chlamydien die Prostata und die Nebenhoden betroffen. Neben der Infektion (Prostatitis, Epididymitis) kommt es zu hohen Fieberschüben mit Schüttelfrost sowie schmerzhaften Schwellungen in den betroffenen Regionen.

Auch bei der Frau kann es zu Problemen kommen. Hier sind vor allem die Eileiter und Eierstöcke in Gefahr. Eine Entzündung in diesem Bereich führt, neben allgemeinen Symptomen wie Abgeschlagenheit und Fieber, zu Schmerzen im Unterleib, verklebten Eierstöcken und hieraus resultierenden Komplikationen bei Schwangerschaften.

Im Bauchraum können sich zudem Abszesse ausbilden, die weitere Organe in Mitleidenschaft ziehen.

Die Urethritis zeigt sich, neben den bereits erwähnten Infektionsmöglichkeiten, auch im Rahmen von okulomukokutanen Syndromen (z.B. Behcet-Krankheit, Reiter-Syndrom). Hier liegen Autoimmunerkrankungen vor, die über eine Bindehautentzündung zu weiteren Entzündungen im gesamten Organismus führen.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert