Aslan Therapie – Oder: Die Wunder der Aslan-Kur

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Aslan-Therapie: Ein wichtiger Bestandteil dieser Therapie ist das Procain. Procain ist eine synthetische Substanz, die 1904 von den deutschen Chemikern Alfred Einhorn und Emil Uhlfelder „erfunden“ wurde. Ein Jahr später kam die Substanz unter dem Namen „Novocain“ in den Handel. Einsatzschwerpunkt war die Lokalanästhesie. Heute spielt Procain als Lokalanästhetikum keine große Rolle mehr, da später synthetisierte Substanzen, wie Lidocain, aufgrund ihrer besseren lokalanästhetischen Wirksamkeit Procain abgelöst haben.

Etwa zeitgleich mit der Entdeckung von Lidocain ergab sich für das Procain eine weitere Anwendungsmöglichkeit. Ein Beitrag aus dem Jahr 2004 von der „Pharmazeutischen Zeitung“ berichtet, dass im Jahr 1940 ein Düsseldorfer Arzt namens Ferdinand Huneke Procain bei der Neuraltherapie einsetzte. Die Injektion von Procain (Novocain®) bei dieser Indikation wird heute noch durchgeführt. Anfang der 1950er Jahre begann die rumänische Ärztin Ana Aslan eine Therapie mit Procain zu entwickeln, die heute unter dem Namen Aslan Therapie oder Aslan Kur bekannt ist.

Grundlage der Aslan-Therapie

Grundlage dieser Therapie von Dr. Aslan war die Beobachtung, dass Procain bei der Behandlung von rheumatischen Beschwerden bei älteren Patienten mehr als nur die Gelenkschmerzen positiv beeinflusste. So linderte die Therapie eine Reihe von typischen Alters- und Verschleißerkrankungen. Die Patienten zeigten deutliche Anzeichen einer Regeneration. Sogar kognitive Funktionen schienen sich unter der Therapie zu verbessern.
Gleichzeitig kombinierte Dr. Aslan den Einsatz von Procain mit zusätzlichen Gaben von Mineralstoffen wie Zink und Selen und Vitamin A, Vitamin C und Vitamin E, die sie individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmt dosierte.

Spätestens hier gibt es Grund für den Verdacht, dass diese Therapieform wenig Anklang bei der etablierten Schulmedizin finden würde. Denn der Einsatz von Mineralstoffen und Vitaminen bei Erkrankungen ist bei der Schulmedizin bis heute noch weitestgehend obsolet. Und Procain eine andere Wirkung als die eines Anästhetikums zuzuschreiben, das entspricht ebenfalls nicht den Gepflogenheiten der Schulmedizin – übrigens bis heute nicht!
Typische Reaktion der klassischen Medizin 1956: Ablehnung und Kritik.

Die Veröffentlichung der Methode wurde im Jahr 1956 auf einem Karlsruher Therapiekongress (Titel: „Eine neue Methode zur Prophylaxe und Behandlung des Alterns mit Novocain (Procain)-Stoff H3 – eutropische und verjüngende Wirkung“) skeptisch bis ablehnend behandelt. Dr. Aslan selbst forschte unbeirrt weiter nach der Wirkung von Procain auf degenerative Erkrankungen. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1988 (im Alter von 91 Jahren) wurden rund 150.000 Patienten behandelt und dokumentiert.

Obwohl es eine beträchtliche Anzahl an wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Themenkomplex gibt, ist immer noch unbekannt, welche genauen Wirkmechanismen hinter den beobachteten Effekten stehen. Procain als Lokalanästhetikum und seine Wirkweise sind genau beschrieben. Die schmerzlindernde beziehungsweise schmerzblockierende Wirkung der Substanz beruht auf einer Membranstabilisierung der Nervenfasern, welches zu einer Unterbrechung der Reizleitung und damit zum anästhetischen Effekt führt.

Der alte Beitrag der „Pharmazeutischen Zeitung“ berichtet weiter von einem „Schutz der Zellen“. Er zitiert dazu Forschungsergebnisse des „Italian National Research Council“, denen zufolge „Procain wegen seiner zellschützenden Wirkung bei einer Krebstherapie mit Cisplatin adjuvant zum Schutz der gesunden Zellen eingesetzt werden kann, um die Dosis des Chemotherapeutikums um 200 bis 300 Prozent erhöhen zu können.“ Spanische Krebsforscher berichteten 2003, dass Procain bei isolierten Brustkrebszellen deren Wachstum hemmt. Als Ursache hierfür vermuteten die Forscher die Auslösung einer Apoptose.

Wissenschaft und Studien zur Aslan-Therapie

Es gibt eine Flut von wissenschaftlichen Beiträgen im Zusammenhang mit Procain. Das Gros dieser Veröffentlichungen bezieht sich naturgemäß auf anästhesierende Effekte der Substanz. Daneben gibt es eine kleine Anzahl an Arbeiten, die sich mit dem befassen, was Dr. Aslan vor mehr als 60 Jahren beschäftigt hatte. Diese Arbeiten sind neu und können von interessanten Ergebnissen berichten.

Dr. Aslan berichtete seinerzeit schon von einer Verbesserung von Gelenkschmerzen und regenerativen Effekten unter Procain. Diese Arbeit aus dem Jahr 2015 gibt eine mögliche Erklärung, wie es zu diesen Effekten kommen kann. Des Weiteren ist diese Arbeit für mich ein Beleg, dass die strikt ablehnende Haltung der Schulmedizin den Aussagen von Dr. Aslan gegenüber diesbezüglich substanzlos zu sein scheint:

Effect of lumbar (perirenal) procaine blockade on microcirculation and exchange proteoglycans with experimental gonarthrosis.

Die Arbeit wurde mit 30 Meerschweinchen durchgeführt, von denen 15 Tiere unter einer Kniearthrose litten. Die Tiere wurden mit einer Spinalanästhesie (Lumbalanästhesie von „lumbus“ = Lende) mit Procain behandelt. Man darf bei dieser Behandlung davon ausgehen, dass die Schmerzen im Knie aufgrund des Anästhesieeffekts nachlassen. Aber es zeigten sich weitergehende Effekte, die vollkommen überraschend sind, aber auf die Gabe von Procain zurückgeführt werden müssen. Denn im Laufe der Behandlung zeigte sich bei den Tieren eine Verdichtung der Strukturen im Gelenk und in den Außenbereichen des Gelenks. Dieser Effekt war zurückzuführen auf ein Wachstum der Mikrozirkulation in den betroffenen Bereichen. Die verbesserte Mikrozirkulation führte ebenfalls zu einer Akkumulation von Grundsubstanzen für den Aufbau von Knorpelgewebe im Bereich der Gelenkspalten.

Auch bei der Schmerztherapie scheint Procain mehr zu bewirken als die bislang bekannte lokalanästhetische Wirksamkeit:

Procaine Attenuates Pain Behaviors of Neuropathic Pain Model Rats Possibly via Inhibiting JAK2/STAT3.

Bei dieser Arbeit aus dem Jahr 2016 berichten die Autoren von „multiplen Wirkungen bei verschiedenen Erkrankungen“. Bei der Schmerztherapie jedoch scheint Procain über die schmerzblockierende Wirkung hinaus eine modellierende Wirkung zu besitzen, zu der es bislang kaum relevante Untersuchungen gibt.

Die Autoren sahen bei Ratten, die mit Procain per Spinalanästhesie behandelt worden waren, eine Veränderung/Dämpfung der Aktivitäten von bestimmten Genen (Janus kinase 2), die zu einer Verbesserung des Schmerzverhaltens der Tiere führte. Diese Verbesserung war am ausgeprägtesten am 15. Tag nach Behandlungsbeginn.

Damit scheint Procain und seine schmerzlindernde Wirkung nicht nur auf einem membranstabilisierenden Effekt von Reizleitungen zu basieren, sondern ebenfalls auf dem Herabregulieren von Aktivitäten von relevanten Genen.

Wie bereits oben diskutiert, gab es Anfang der 2000er Jahre die Vermutung, dass Procain auch Wirkungen auf Krebserkrankungen haben könnte. Diese Arbeit aus dem Jahr 2016 gibt dieser Vermutung neuen Auftrieb:

Procaine Induces Epigenetic Changes in HCT116 Colon Cancer Cells.

Diese Arbeit ist eine Laborarbeit, bei der Zellkulturen mit Darmkrebszellen verschiedenen Therapieansätzen unterworfen wurden. Die Zellen wurden mit Procain, Vorinostat (ein Zytostatikum, dass primär Apoptose bei Krebszellen auslösen soll), Natriumphenylbutyrat (zur Behandlung von Störungen des Harnstoffzyklus, sowie zur Hemmung des Wachstums von Tumoren), und den Zytostatika Erlotinib und Carboplatin behandelt.
Die Resultate zeigten, dass bei allen Substanzen der Funktionsumfang der Krebszellen signifikant abnahm.

Die Untersuchung auf DNA-Fragmentierung zeigte, dass alle untersuchten Substanzen zu einer ausgeprägten Fragmentierung führten. Dies ist ein Zeichen für eine einsetzende Apoptose.
Die Autoren schlossen daraus, dass der Einsatz aller Substanzen als Einzelsubstanz und in Kombination epigenetische Veränderungen in den Krebszellen verursacht, welche zum Untergang dieser Zelle führten, und sich von daher Procain als mögliche Therapiealternative anbietet.

Mein Fazit: Der Nachweis der Wirksamkeit der Zytostatika ist hier kein überraschendes Ergebnis. Vielmehr erscheint es überraschend, dass Procain, das definitiv nicht zu den Zytostatika zählt, ähnlich krebshemmende Wirkungen zu haben scheint wie die Vergleichssubstanzen.

The effect of low dosage of procaine on lung cancer cell proliferation.

Diese Arbeit aus dem Jahr 2016 aus China ist eine Laborarbeit mit Zellkulturen, diesmal mit Lungenkrebszellen. Auch hier zeigte Procain eine krebshemmende Wirksamkeit. Diese Wirksamkeit trat schon bei geringen Konzentrationen ein. Vergleichende Versuche in vivo konnten die zuvor erzielten in vitro Ergebnisse bestätigen.
Die Autoren schließen aus ihren Beobachtungen, dass eine Behandlung mit Procain zu einer Unterdrückung von Tumorwachstum und Zellproliferation führt.

Die Procain-Therapie

Das, was bis dato als Aslan-Therapie bekannt war, wird heute als Gero-H3-Therapie vermarktet. Es gibt hier eine Reihe von verschiedenen Präparaten auf dem Markt, die neben Procain noch weitere „Zutaten“ beinhalten, wie zum Beispiel Kalium- und Natriumverbindungen in Dosierungen von weit unter einem Gramm.

Der Indikationskatalog umfasst folgende Erkrankungen:

  • Arteriosklerose
  • Arthrose
  • Erschöpfungszustände
  • Migräne
  • Tinnitus
  • Schwindel
  • verringerte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
  • zur Prophylaxe gegen altersbedingte Erkrankungen

Die Therapie kann per Injektion, aber auch oral erfolgen. Für beide Darreichungsformen gelten die gleichen Dosierungsvorgaben, da die Inhaltsstoffe von Kapseln und Ampullen identisch sind.
Die orale Gabe zur Prävention sieht zwei Kapseln/Tabletten täglich nach dem Essen (morgens und mittags) für die Dauer von zwölf Tagen vor. Danach erfolgt eine Pause von einem Monat, nach der erneut für die Dauer von zwölf Tagen zwei Kapseln täglich eingenommen werden. Dieser Zyklus sollte sechsmal im Jahr wiederholt werden.

Die Behandlung von akuten Zuständen wird mit der gleichen Dosierung vorgenommen. Der Unterschied zur prophylaktischen Gabe besteht darin, dass die Pause nicht einen Monat, sondern nur 18 Tage beträgt.

Die parenterale Gabe (Injektion in den Muskel) sieht präventiv die Gabe von einer Ampulle dreimal pro Woche vor (zwölf Injektionen in vier Wochen). Die Pause bis zur nächsten Serie beträgt dann ein oder zwei Monate. Zur akuten Behandlung wird auch hier wieder wie bei der präventiven Gabe dosiert, wobei jedoch die Pause zwischen den einzelnen Serien auf zehn Tage (statt ein oder zwei Monate) verkürzt ist.

Fazit

Procain, eine synthetische Substanz aus „alten Zeiten“, scheint mehr zu sein als ein Lokalanästhetikum, dem von neueren Lokalanästhetika wie Lidocain inzwischen der Rang abgelaufen worden ist. Die Substanz scheint ein vielversprechendes Potenzial bei einer Reihe von Erkrankungen zu haben, die gerade bei älteren Menschen häufig anzutreffen sind.

Für die Schulmedizin hat Procain ausgedient, nicht nur als Lokalanästhetikum, sondern generell als „nützliche Substanz“, da über anästhesierende Effekte hinaus der Substanz keinerlei Wirksamkeit zugesprochen wird. Nicht nur die Forschungen von Dr. Aslan haben gezeigt, dass Procain mehr kann als die Schulmedizin erlaubt. Auch die wenigen neueren wissenschaftlichen Untersuchungen sind wenig geeignet, die Vorurteile der Schulmedizin dieser Substanz gegenüber zu bestätigen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 15.11.2017 aktualisiert