Windeldermatitis: Symptome und Verlauf

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Windeldermatitis ist eine der häufigsten Hauterkrankungen im Säuglingsalter, die bei nahezu zwei Dritteln aller Babys diagnostiziert wird und die sich in unterschiedlichen Ausprägungen darstellt.

Neben Säuglingen kann es auch bei Menschen zu einer Windeldermatitis kommen, die durch Inkontinenz auf das Tragen von Vorlagen oder Windeln angewiesen sind.

Es handelt sich dabei um eine im Windelbereich sichtbare Entzündung, die zu verschiedenen Beschwerden führt und die von den Betroffenen als sehr unangenehm empfunden wird.

Die Windeldermatitis wird vor allem durch gestaute Feuchtigkeit verursacht. Die eng anliegende Vorlage verhindert eine gute Belüftung der abgedeckten Hautareale. Zusätzlich fördert sie die Wärmeentwicklung. Durch unregelmäßiges Wechseln der Windeln und eine ungenügende Hautpflege werden Reizungen und Rötungen begünstigt.

Das betroffene Hautareal bleibt für einen längeren Zeitraum der Wärme und der Feuchtigkeit ausgesetzt. Durch den Harn und den Stuhl wird die Bildung von Keimen gefördert, die zusammen mit den aggressiven Bestandteilen der Ausscheidungsprodukte zu einer Dermatitis führen. Neben der unzureichenden Hygiene kommen weitere Faktoren in Frage.

Hierzu zählen das Alter (sehr jung oder alt), eine schlechte Immunabwehr, die Ernährung, eine bereits vorgeschädigte Haut, die Neigung zu Allergien, Unverträglichkeiten von Puder oder Creme, ein kachektischer Körperzustand (ausgemergelt, dürr), die Einnahme bestimmter Medikamente (Antibiotika, Cortison) sowie zu eng angelegte Windeln (können scheuern und so zu Mikroläsionen der Haut führen).

Die im Windel- oder Vorlagenbereich liegende Haut reagiert mit Rötungen und Reizungen. Es können sich flüssigkeitsgefüllte Bläschen (Pusteln) entwickeln, die ihren Inhalt spontan entleeren und zu einer weiteren Schädigung der Haut beitragen. Vor allem im Bereich der Leisten und des Afters zeigen sich gerötete, gereizte und geschwollene Stellen mit scharfer Begrenzung zum umliegenden Gewebe.

Die Haut wirkt prall und glänzend. Auch sind Hautläsionen in Form von winzigen Kratzern möglich, die zum Teil bluten und im Verlauf verkrusten und narbig ausheilen. Neben den feuchten Arealen zeigen sich auch sehr trockene Bereiche, die zu einer Schuppenbildung neigen. Bedingt durch die allgemeinen Entzündungszeichen entsteht vielfach ein unstillbarer Juckreiz, zum Teil auch verbunden mit Schmerzen.

Säuglinge reagieren mit einem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus, weinen viel und sind sehr unruhig. Ältere Menschen geben vielfach dem Juckreiz nach und fördern durch Kratzen den zusätzlichen Eintritt von Keimen (z.B. Staphylococcus aureus oder Candida albicans, verantwortlich für eine Superinfektion). In ausgeprägten Fällen greift die Windeldermatitis auch auf Hautareale außerhalb der Windel über und kann im schlimmsten Fall die gesamte Körperoberfläche befallen. Das sich bei der körperlichen Inspektion präsentierende Bild der Haut ist in den meisten Fällen eindeutig und weist bereits auf eine Windeldermatitis hin. Bei flüssigkeitsgefüllten Bläschen kann deren Inhalt der Identifizierung des Erregers dienen. Abstriche der Haut werden zum Nachweis oder Ausschluss anderer Erkrankungen (z.B. Ekzem, Allergie, Schuppenflechte) genommen.

Bei Verdacht einer Bakterieninfektion mit Staphylokokken oder einem Hefepilzbefall wird auch die Mundhöhle inspiziert (bei Befall zeigt sich hier ein weißlicher Belag). In den meisten Fällen lässt sich durch eine ordentliche Hygiene sowie das regelmäßige Wechseln der Windeln eine Windeldermatitis rasch lindern. Dabei sollte die Windel mindestens sechs Mal pro Tag erneuert werden. Zur Unterstützung kann die Haut auch mehrmals täglich über einen längeren Zeitraum ohne Vorlage bleiben, hierdurch werden Wärme, Einengung und Nässe vermieden, die Haut regeneriert sich besser. Auch ein Verzicht auf reizende Nahrungsbestandteile (wenig Zucker, bei älteren Menschen zusätzlich Verzicht auf Gewürze und Fette) reduziert die Hauterscheinungen.

Daneben können lindernde Badezusätze (z.B. Kamille), entzündungshemmende Salben sowie antimykotische (bei Pilzbefall) oder antibakterielle (bei Bakterienbefall) Präparate eingesetzt werden. Panthenolhaltige Cremes fördern den Regenerationsprozess der Haut, Tinkturen auf Hydrocortisonbasis (sehr niedrig dosiert) klären das Hautbild.

Das Trocknen der betroffenen Stellen nach einem Bad oder nach der Waschung sollte durch Tupfen erfolgen, Wischen reißt die neu gebildete Haut rasch wieder auf. Meist zeigt sich bereits nach wenigen Tagen ein Abklingen der Symptome, die Ausheilung erfolgt vielfach ohne bleibende Hautanzeichen.

In ausgeprägten, langwierigen Fällen (z.B. bei einer Superinfektion) kommt es zu Narbenbildungen und einem veränderten Hautbild (derber, fester, mit zum Teil dauerhaft geröteten Stellen).

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert