FSME (Frühsommer-Hirnhautentzündung): Ursachen, Verlauf, Diagnose Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine viral verursachte entzündliche Erkrankung des Gehirns, die zu schweren neurologischen Symptomen führen kann.

Die Übertragung des Virus erfolgt durch einen Zeckenbiss. Neben FSME können Zecken auch Bakterien übertragen, durch die Borreliose (führt zu Hautveränderungen, Gelenkentzündungen und Beeinträchtigungen des Nervensystems) entsteht.

Die meisten Zeckenbisse verlaufen jedoch harmlos und führen neben einem anschwellenden, entzündeten Hautareal mit Sitz der festgebissenen Zecke zu keinen weiteren Symptomen.

Eine Übertragung des Virus findet nur bei ungefähr jedem 25. Biss statt, wobei es auch hier nur in wenigen Fällen zu einem ausgeprägten Krankheitsbild kommt (ca. fünf Prozent aller Zecken sind Virusträger). In Deutschland erkranken jährlich ungefähr 1000 Menschen an FSME, die Zahl ist anwachsend. Seit 2001 gilt die Erkrankung als meldepflichtig. In Österreich, wo die Erkrankungsrate jahrelang zunehmend war, wird inzwischen erfolgreich die FSME-Impfung als Vorsorgemaßnahme durchgeführt. In allen anderen Ländern wird nur auf Wunsch des Einzelnen die verordnungspflichtige Substanz geimpft (z.B. als Reiseschutzimpfung).

FSME weist regionale und saisonale Unterschiede auf. Die meisten Erkrankungsfälle lassen sich in den Monaten zwischen Mai und August diagnostizieren. Regionen mit vermehrt wildwachsender Vegetation bei gleichzeitig mild-gemäßigtem Klima gelten als Risikogebiete. Hierzu zählen unter anderem Länder in Zentral-, Nord- und Osteuropa (vor allem Süddeutschland, Österreich, Ungarn, Polen, Tschechien, Lettland, Schweden, Finnland). Das Virus findet sich auch in anderen, weiter gelegenen Ländern und Kontinenten, hier wird die Erkrankung nach der jeweiligen Region benannt (z.B. Taiga-Enzephalitis, St. Louis-Enzephalitis, japanische Enzephalitis).

Die meisten FSME-Infektionen (fast 90 Prozent) entstehen bei Freizeitaktivitäten (Wandern, Laufen, sportlicher Betätigung) mit wenig Bekleidung (keine Schuhe, kurze Hose). Hauptübertragungsweg ist der Biss einer Zecke, die sich im Unterholz und an höheren Gräsern aufhält. In sehr seltenen Fällen kann das Virus auch durch verunreinigte Rohmilchprodukte übertragen werden. Da Zecken erst bei wärmeren Temperaturen (ab ca. zehn Grad) aktiv werden, kommt es meist nur in den Frühsommer- und Sommermonaten zu einer Infektion.

Das Virus zählt zu der Familie der RNA-Viren. Kurz nach Biss der Zecke (der schmerzlos ist) wird es mit dem Speichel übertragen und führt nach einer Inkubationszeit von ca. zehn Tagen zu verschiedenen Erkrankungsformen. Bei über 70 Prozent der Übertragungen zeigen sich im Anschluss kaum oder gar keine Symptome. Hier lässt sich der Erreger nur im Blut nachweisen.
Bei den übrigen 30 Prozent kommt es zu einem, zum Teil in zwei Phasen ablaufenden, Symptomkomplex. In der ersten Phase zeigen sich ausschließlich grippeähnliche Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen, Schnupfen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall. Nach ca. einer Woche klingen diese Anzeichen ab und führen bei 90 Prozent der Betroffenen zu einer Ausheilung. Bei den übrigen zehn Prozent kommt es nach einer kurzen Zeit der vollständigen Beschwerdefreiheit zu einem erneuten Auftreten der Grippesymptome, hierbei ist die Intensität jedoch verstärkt. Die Betroffenen fühlen sich sehr krank und leiden unter stärksten Kopfschmerzen und Gliederschmerzen. Zusätzlich zeigen sich neurologische Einschränkungen. Bei nahezu der Hälfte aller Erkrankten entwickelt sich eine Meningoenzephalitis, bei der es zu Lähmungen, Sprachstörungen, Konzentrationsstörungen, Bewusstseinsstörungen und Wesensveränderungen kommt. Ein Viertel der Betroffenen entwickelt die leichtere Form, eine Meningitis, bei der sich Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Lichtempfindlichkeit und Nackensteifigkeit zeigen. Eine Entzündung von Hirnhaut, Gehirn und Rückenmark (Meningoenzephalomyelitis) zeigt sich nur bei zehn Prozent. Neben schwerwiegenden Lähmungserscheinungen, Krampfleiden sowie den zuvor beschriebenen Anzeichen in verstärkter Form kann auch die Atmung beeinträchtigt sein (Atemnot), wodurch ein letaler Ausgang droht.

Je nach vorliegendem Verlauf dauert das Erkrankungsintervall zwischen drei Wochen (bei Meningitis) und ca. zwei Monaten (bei Meningoenzephalomyelitis). Bleibende Schäden sind durch die Störungen im Gehirn und Rückenmark nicht ausgeschlossen (unter anderem eingeschränkte Intelligenz, psychische Störungen, neurologische Ausfälle, epileptische Anfälle).

Die Erkrankung lässt sich häufig schon anhand der Anamnese diagnostizieren. Daneben können virusspezifische Antikörper (IgM, IgG) im Blutbild und Liquor nachgewiesen werden. In schweren Fällen weist die Kernspintomographie im Gehirn befallene Regionen nach.

Bei Ausbruch von FSME kann nur symptomatisch therapiert werden, eine medikamentöse Behandlung zur Abheilung ist nicht möglich. Neben Bettruhe und allgemeinen Maßnahmen zur Linderung einer Grippe können krampflösende, schmerzlindernde und beruhigende Medikamente verordnet werden. Dabei sollte der Betroffene zu jeder Zeit unter ärztlicher Beobachtung stehen. Bei neurologischen Beeinträchtigungen können rehabilitative und physiotherapeutische Maßnahmen unterstützend eingesetzt werden.

Nach Übertragung des Virus stehen keine geeigneten Maßnahmen zur Heilung zur Verfügung. Daher ist eine Vorsorgeimpfung ratsam, bei der intramuskulär eine dreigeteilte Impfung über einen Zeitraum von ca. einem Jahr mit abgetöteten Viren (= aktive Immunisierung) erfolgt. Diese muss alle drei Jahre aufgefrischt werden und bietet bereits einige Wochen nach der ersten Impfung ausreichenden Schutz.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert