Stoffwechselerkrankungen - Verständlich Erklärt

Die Endokrinologie beschäftigt sich mit Erkrankungen von Hormondrüsen. Wenn etwas mit den Hormondrüsen nicht in Ordnung ist, kommt es in der Folge meist zu Störungen der Hormone, bzw. mit der Ausschüttung der Hormone.

von: René Gräber - Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge

Hormone sind biochemische Stoffe, die für den Organismus lebenswichtige Informationen zur Aufrechterhaltung des Stoffwechsels übermitteln. Dabei spielen besonders Bauchspeicheldrüse, Schild- und Nebenschilddrüse sowie Hypothalamus (Abschnitt im Zwischenhirn) und Hypophyse (Hirnanhangdrüse) zentrale Rollen, bei deren Störung sich eine Vielzahl an Erkrankungen ausbilden kann.

Einige häufigere Stoffwechselerkrankungen sind nachfolgend näher erläutert.

Eines der größten Stoffwechselorgane ist die Bauchspeicheldrüse. Hormone der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) dienen vor allem der Regulation des Blutzuckerspiegels (v.a. durch Insulin und Glucagon). Eine Störung verursacht meist Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Der Typ-I-Diabetes (juveniler Typ – ca. 5 % aller Erkrankungen) wird hauptsächlich in jungen Jahren, v.a. durch genetische Faktoren, ausgelöst. Der Typ-II zeigt sich vermehrt bei älteren Menschen. Die ursächliche Insulinresistenz kann angeboren oder erworben sein. Falsche Ernährung und Übergewicht begünstigen die Erkrankung, die mit langsamem und schleichendem Fortschreiten viele Spätfolgen bedingt (z.B. Herzinfarkt, Durchblutungsstörungen der Extremitäten oder Erblindung). Menschen mit Zuckerkrankheit zeigen typische Symptome wie starken Durst, Juckreiz, Heißhunger, häufiges Wasserlassen, Sehstörungen, Müdigkeit und „Kribbeln“ der Finger (Parästhesien).

Mehr Informationen finden Sie unter: Bauchspeicheldrüsenerkrankungen

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Hormone der Schilddrüse (Thyroidea) steuern viele lebensnotwendige Funktionen, u.a. die Schlagkraft des Herzens und die Körpertemperatur. Ebenso vielfältig sind die Erkrankungen:

Bei einer Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion ) werden mehr Hormone produziert, als benötigt werden. Der dadurch gesteigerte Stoffwechsel führt zu allgemeiner Unruhe, Nervosität, Herzrasen, vermehrtem Schwitzen, Muskelschwäche, Müdigkeit und Zyklusstörungen (herabgesetzte Empfängnisbereitschaft). Dazu kommen schmerzende und tränende Augen, Gewichtsabnahme trotz Appetit und häufig Bildung eines Kropfs. Ursachen können Morbus Basedow, funktionelle Autonomie der Schilddrüse, Überangebot an TSH (Schilddrüsen-stimulierendes Hormon), Neoplasien (Neubildungen von Gewebe) oder Zufuhr von Schilddrüsenhormonen von außen sein. Die Hyperthyreose betrifft meist Menschen ab dem 60. Lebensjahr, vermehrt Frauen.

Im Gegensatz dazu werden bei der Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion ) zu wenige Hormone gebildet, Ursachen können Hormon-hemmende Medikamente oder Fehlfunktionen durch Zellzerstörung sein. Ca. 1 Prozent der Bevölkerung leidet unter den typischen Symptomen wie Gewichtszunahme, leichte Ermüdbarkeit, Schwäche, Frieren, Konzentrationsstörungen, Durchblutungsstörungen, Kopfschmerzen oder rheumatischen Beschwerden. Unbehandelt kann es zu schweren geistigen Störungen kommen.

Als Gicht bezeichnet man eine Störung des Purinstoffwechsels mit wiederkehrenden Anfällen von akuter Arthritis, die chronisch oder deformierend werden kann. 

An Morbus Basedow erkranken jährlich ca. 500 von 100.000 Menschen, meist im Alter zwischen 20 und 40 und hauptsächlich Frauen. Typisch für das Krankheitsbild dieser Autoimmunerkrankung sind die stark hervortretenden Augen (Exophthalmus).

Eine Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis) kann u.a. durch Bakterien (akute Form) verursacht werden, die über Blut- und Lymphbahnen zum Organ gelangen und dort eine schmerzhafte Schwellung verursachen.

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um eine chronische Entzündung der Schilddrüse. Die Erkrankung führt im Verlauf zu einer allmählichen Verödung des Organs und kann unbehandelt lebensbedrohliche Folgen haben. Durch einen Autoimmunprozess kommt es zur Ausbildung von Autoantikörpern (T- Lymphozyten, Plasmazellen), die das Gewebe angreifen und über Jahre oder Jahrzehnte zu einer Funktionsbeeinträchtigung der Schilddrüse führen. Hieraus resultiert eine Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion).

Der Kropf (Struma) beschreibt ein Symptom, welches sich bei Über-, Unter- und Normalfunktion zeigen kann. Häufigste Ursache ist Jodmangel. Es kommt zu einer nach außen hin sichtbaren Vergrößerung des Organs, welche auf Luft- und Speiseröhre drückt und so Schluck- und Atembeschwerden verursacht.

Schilddrüsentumore sind selten und zeigen sich in Knotenform. Dabei unterscheidet man gutartige heiße Knoten = autonomes Adenom (speichert vermehrt radioaktive Substanzen und ist so im Szintigramm sichtbar) und kalte Knoten (speichern nur wenig, erscheinen hell, häufig bösartig).

Eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus) oder eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidismus) führt zu zuviel oder zuwenig gebildetem Parathormon. Ein Mangel verursacht einen niedrigen Kalziumspiegel und führt zu Krampfanfällen (Tetanie), daneben steigt der Phosphatspiegel im Blut. Auch Grauer Star (Katarakt) oder Verkalkung des Herzmuskels sind möglich. Eine Überfunktion kann z.B. durch ein Adenom (Zellwucherung der Drüsen) verursacht werden (= primärer Hyperparathyreoidismus) und zählt zu den drei häufigsten endokrinen Erkrankungen. Neben einem hohen Kalziumspiegel im Blut kann es zu Oberbauchschmerzen, Gewichtsabnahme, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Harnwegsinfekten sowie Nierensteinen und Kalkablagerungen kommen. Hypothalamus und Hypophyse arbeiten im Gehirn zusammen als Schaltzentrale. Wichtige Hormone für die Regulationsvorgänge (Wasser-, Temperatur- und Salzhaushalts, Blutdruck) sind z.B. ADH und Dopamin.

Der Diabetes insipidus (Wasserharnruhr) entsteht durch eine gestörte ADH-Produktion (Antidiuretisches Hormon) in der Hypophyse = zentrale Form. Bei einem Insipidus renalis kann das vorhandene ADH nicht von den Nieren verwertet werden. Auslöser können v.a. Tumoren der Hypophyse oder entzündliche Erkrankungen der Hirnhaut sein. Die Klinik zeigt sich durch häufige Ausscheidungen (bis zu 25 Liter) mit sehr verdünntem Urin. Daneben kommt es zu starkem Durstgefühl, Schlafstörungen, Gereiztheit und Krämpfen. Haut und Schleimhäute sind durch den verschobenen Elektrolythaushalt sehr trocken. Bei mildem Verlauf wird keine Therapie benötigt. Schwere Formen können zu Mangelerscheinungen führen und auch andere Organe schädigen.

Durch einen Überschuss an Wachstumshormonen (STH – Somatotropin) kann es zur seltenen Erkrankung Akromegalie kommen, die sich durch eine Veränderung der Akren (vom Rumpf abstehende Körperteile) zeigt. Es kommt u.a. zu fehlgeformten Gebissen, Vergrößerungen von Finger- und Zehenanteilen, stark ausgeprägter Nase, Kinn, Augenbraue und Jochbein, Kehlkopfvergrößerung und gröberen Gesichtszügen. Auslöser ist meist eine gutartige Geschwulst (Adenom). Bei kleinen Adenomen besteht eine hundertprozentige Heilungschance. Bei Kindern kann STH-Überschuss zu Gigantismus (Riesenwuchs) führen.

Das Cushing-Syndrom kann durch Tumoren der Nebennierenrinde, der Hirnanhangdrüse oder der Bronchien verursacht werden. Ein erhöhter Kortisolspiegel in Blut und Urin führt neben Gewichtszunahme zu einem markanten, runden Gesicht. Daneben zeigen sich Bluthochdruck, übermäßige Körperbehaarung, Osteoporose, Verlust der Libido und Potenzprobleme.

Das Karzinoid ist ein neuroendokriner Tumor mit geringer Malignität (Bösartigkeit) und kann an unterschiedlichen Organen differenziert werden, z.B. Appendixkarzinoid (häufig) oder Magenkarzinoid. Die Klinik weist hauptsächlich Durchfall (Diarrhoe) und blau-rote Verfärbung des Gesichts bis zum Oberkörper auf. Im Frühstadium ist das Karzinoid meist gut therapierbar.

Bei der Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) ist der Eisenanteil im Körper durch verschiedene Ursachen erhöht (bis zu 80 Gramm). Der Überschuss wird in den Organen und Strukturen abgelagert und führt zu verschiedenen, zum Teil schweren Erkrankungen.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert