Diamonoxidase - Verständlich Erklärt

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Bei der Diaminoxidase (DAO, in einigen Literaturquellen auch Diamonoxidase) handelt es sich um ein kupferhaltiges Enzym, welches biogene Amine (z.B. Histamin, Putreszin, Cadaverin, Dopamin, Serotonin, Noradrenalin) in der Nahrung abbauen kann. Amine sind organische Derivate des Ammoniaks. DAO gehört zu den Oxidasen. Das sind spezielle Enzyme, die bei dem Prozess der Verstoffwechselung von Substanzen freiwerdende Elektronen auf Sauerstoff übertragen.

DAO wird vor allem im Darm gebildet. Daneben lässt sich das Enzym aber auch in den Nieren, der Plazenta, der Leber und den weißen Blutkörperchen finden. Die höchste Aktivität besitzt DAO im Dünndarm (Mikrovilli der Enterozyten) sowie in der Plazenta. Für eine physiologische Funktion benötigt das Enzym bestimmte Kofaktoren. Hierzu zählen Vitamin B6, Vitamin C, Zink und Magnesium.

DAO ist vor allem bekannt für die Fähigkeit, Histamin in Imidazol-5-Essigsäure abzubauen. Unter normalen Voraussetzungen wird das Enzym kontinuierlich gebildet und bei Anwesenheit von Histamin im Dünndarm ausgeschüttet. Wie rasch dieser Prozess durchgeführt wird, ist dabei abhängig von der Menge an zur Verfügung stehender DAO. Das Enzym reagiert besonders empfindlich auf die Anwesenheit von den Aminen Putreszin und Cadaverin, weshalb es bei gleichzeitigem Vorkommen von Histamin zu einem verlangsamten Abbauprozess kommen kann.

Das Enzym DAO weist bei Erwachsenen höhere Werte auf als bei Kindern. Zusätzlich ist eine Geschlechtsspezifität feststellbar, Männer besitzen eine höhere Enzymaktivität als Frauen. In der Regel sprechen DAO-Werte unterhalb von 3 U/ml (Units pro Milliliter Blut) für eine sehr geringe Enzymaktivität. Von einer mittleren Enzymaktivität spricht man bei Werten zwischen 3 und 10 U/ml, ab Werten oberhalb von 10 U/ml gilt die Aktivität als physiologisch.

 Verschiedene Faktoren können die Aktivität von DAO beeinflussen. Hierzu zählen u.a. Alkohol sowie Bestandteile verschiedener Medikamente (zum Beispiel N-Acetylcystein, Isoniazid, Metamizol). Sie hemmen die Aktivität. Die Koexistenz anderer Amine spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle. Das Enzym kann auch genetische Varianten aufweisen, die sich negativ auf die Funktionalität auswirken. Weitere Ursachen für eine verminderte Stoffwechselaktivität sind hormonelle Störungen sowie Schädigungen der Darmschleimhaut (zum Beispiel bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Vergiftungen, Zöliakie, Magen-Darm-Infekten).

Die Diaminoxidase wird immer dann bestimmt, wenn der Verdacht einer Histaminintoleranz oder der Verdacht auf Enzymmangel (zum Beispiel bei entzündlichen Darmerkrankungen) besteht. Hierzu erfolgt die Auswertung des Blutbildes, bei Histaminintoleranz auch der Nachweis von Histamin im Urin.

Zu hohe Werte des Enzyms besitzen keine Relevanz für den menschlichen Organismus. Zu niedrige Werte können jedoch zu Funktionsbeeinträchtigungen und Störungen führen. Die Histaminintoleranz ist bei gut einem Prozent der Bevölkerung nachweisbar. Sie macht sich vor allem zunächst durch unspezifische Symptome wie Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Migräneanfällen, Schnupfen, Hautausschlägen oder auch einem niedrigen Blutdruck bemerkbar. Die Histaminintoleranz wird auch mit dem Begriff Pseudoallergie beschrieben. Zwar lassen sich keine allergenen Antikörper nachweisen, durch den hohen Histaminspiegel kann es jedoch zu allergieähnlichen Symptomen kommen. Als Ursache für die Intoleranz kommen die zuvor beschriebenen Faktoren in Frage. Sie alle führen dazu, dass die Enzymaktivität erniedrigt ist, wodurch es zu einer Anreicherung von Histamin im Organismus kommt. Liegen die ermittelten Blutwerte zwischen 3 und 10 U/ml Blut, so ist eine Histaminintoleranz sehr wahrscheinlich. Bei Werten unterhalb von 3 U/ml liegt diese Störung nahezu gesichert vor.

Während einer Schwangerschaft lässt sich das Phänomen eines über die Maßen erhöhten DAO-Spiegels feststellen. Dieser kann bis zu 500 Mal höher sein als regulär. Verantwortlich hierfür ist die Plazenta, die ab der zwölften Schwangerschaftswoche besonders empfindlich auf die Anwesenheit von Histamin reagiert. Ein zu hoher Histaminspiegel könnte zu einer vorzeitigen Kontraktion des Uterus und somit zu einem verfrühten Ausstoßen des noch nicht vollständig lebensfähigen Fötus führen. Um diesem Prozess entgegenwirken zu können, steigert der Uterus seine DAO-Produktion ins Extreme. Nach der Geburt reguliert sich der DAO-Spiegel wieder auf seinen ursprünglichen Wert zurück.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 24.11.2015 aktualisiert