Epilepsie: Ursachen, Verlauf, Diagnose Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Epilepsie (Anfallsleiden) ist eine chronisch-neurologische Störung, die sich durch meist plötzlich eintretende epileptische Anfälle (Krampfanfälle) auszeichnet.

Die Fähigkeit zur Ausbildung von Anfällen scheint bei jedem Menschen von Geburt an im Gehirn ausgeprägt zu sein. Hierdurch wäre erklärbar, dass fast fünf Prozent aller Menschen irgendwann in ihrem Leben (ohne Nachweis einer zerebralen Störung) einen epileptischen Anfall erleben.

Die Epilepsie kennzeichnet sich durch rezidivierende epileptische Anfälle unterschiedlicher Stärke aus, deutet immer auf eine Störung im Gehirn hin und lässt sich bei bis zu einem Prozent der Weltbevölkerung manifestieren. In Deutschland leiden rund 400.000 Menschen an Epilepsie, die Inzidenz liegt bei ca. 50 von 100.000. Zum einen sind besonders häufig jugendliche Menschen betroffen, daneben lässt sich auch eine erhöhte Erkrankungsrate nach dem 60. Lebensjahr feststellen.

Bei der Epilepsie kommt es zu einer gestörten Erregungsbildung und Erregungsweiterleitung im Gehirn, die sich durch unterschiedlich stark ausgeprägte Anfälle darstellt. Dabei scheint das Zentrale Nervensystem unter einer Dauererregung zu stehen, die zu unkontrollierten Impulsen, sogenannten Entladungen im Gehirn (Depolarisationen) führt.

Die Erkrankung lässt sich in verschiedene Formen unterteilen und kann viele Ursachen haben. Bei der Idiopathischen Form sind diese noch nicht vollständig erforscht. Man geht von einer genetisch bedingten Veränderung der für die Reizweiterleitung benötigten Ionenkanäle (Natrium und Kalium) sowie deren Transmitterrezeptoren aus. Neben den Anfällen können bei dieser Form keine weiteren körperlichen Veränderungen oder Störungen nachgewiesen werden.

Bei der symptomatischen Epilepsie liegt eine Erkrankung des Zentralen Nervensystems vor. Hierzu zählen unter anderem Fehlbildungen des Gehirns, schwere Schädelverletzungen (z.B. Schädel-Hirn-Trauma), Meningitis (Hirnhautentzündung), Schlaganfall, Tumoren des Gehirns, Vergiftungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Der epileptische Anfall lässt sich nicht immer auf die idiopathische oder symptomatische Form zurückführen. Begünstigend auf die Entstehung (Trigger = Auslöser) wirken auch Schlafentzug, weißes Flackerlicht (z.B. Stroboskop in der Disco), rasante Computerspiele, eine übermäßig erhöhte Atmung (Hyperventilation, z.B. nach anstrengender Arbeit oder nach sportlichen Aktivitäten), Medikamenten- oder Alkoholentzug und auch eine Störung des Mineralienhaushalts des Körpers (z.B. durch starkes Schwitzen).

Die Anfälle können sich einmalig präsentieren (wobei der Mediziner hier nicht von Epilepsie spricht) oder aber wiederkehrend in Erscheinung treten. Dabei lassen sich fokale und generalisierte Anfälle unterscheiden, die jedoch beide fast immer ohne vorherige Warnsignale des Körpers eintreten.

Der fokale Anfall entsteht in einer bestimmten Region des Gehirns (Hirnrinde), wodurch auch nur die dazugehörigen (von den Nerven versorgte) Körperbereiche betroffen sind. Es kommt zu Geräuschwahrnehmungen, kribbelnden Körperpartien, Krämpfen, Missempfindungen, Taubheitsgefühlen, Muskelzuckungen und optischen (für Mitmenschen nicht wahrzunehmende) Eindrücken, wie z.B. Lichtblitzen. Bei einem Jackson-Anfall empfinden Erkrankte plötzlich eine starke Temperaturänderung an Beinen oder Armen.

Zusätzlich kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüchen, Blässe sowie zu unkontrolliertem Harn- oder Stuhlabgang. Nicht immer muss ein fokaler Anfall durch einen Sturz begleitet sein. Der leichte fokale Anfall kennzeichnet sich dadurch aus, dass der Betroffene bei klarem und wachem Verstand ist. Bei einem schweren fokalen Anfall ist das Bewusstsein getrübt, daneben lassen sich unwillkürliche Funktionen wie Schmatzen oder Kauen beobachten.

Der fokale Anfall kann sich zu einem generalisierten Anfall (Grand-Mal-Anfall) ausweiten. Hierbei sind beide Gehirnhälften in Mitleidenschaft gezogen, was zu einer Beeinträchtigungen des gesamten Organismus führt. Die konvulsive Epilepsie zeigt das Bild des Krampfleidens. Bei der nicht-konvulsiven Epilepsie treten diese nicht auf. Beide Formen weisen jedoch viele gemeinsame Symptome auf.

Die Anfälle sind in ihrer Erscheinung wesentlich stärker ausgeprägt als bei fokalen Ereignissen. Das Bewusstsein des Betroffenen ist getrübt, das Ereignis kann im Nachhinein nicht rekonstruiert werden (Gedächtnisverlust, Absence = Petit-Mal). Typisch für den Grand-Mal-Anfall ist der Initialschrei zu Beginn mit darauffolgendem Sturz zu Boden. Es folgen die tonische Phase mit Streckkrämpfen der Gliedmaßen sowie die klonische Phase mit unkontrollierten Zuckungen des gesamten Körpers (Myoklonien). Hierbei besteht die erhöhte Gefahr eines Zungenbisses, weshalb der Mundraum in dieser Phase freigehalten werden sollte. Auch kommt es zu unkontrolliertem Harn- oder Stuhlabgang. Für den Betroffenen besonders gefährlich sind Krampfanfälle, die länger als fünf Minuten andauern (= Status epilepticus). Hierbei kommt es zu Funktionsunterbrechungen lebensnotwendiger Funktionen im Körper. In sehr seltenen Fällen verbleibt der Körper in dieser andauernden Krampfphase, der Betroffene erlangt dabei nicht wieder das Bewusstsein und verstirbt meist.

Die Diagnostik stützt sich auf Erfahrungswerte des Betroffenen und nutzt auch Beschreibungen der Angehörigen (die z.B. einen Anfall beobachtet haben). Daneben werden eine MRT und eine CT durchgeführt. Das EEG stellt die unkontrollierten Entladungen im Gehirn dar. Bei Verdacht einer weiterführenden Erkrankung erfolgen zusätzlich Angiographie oder Liquordiagnostik.

Die Therapie zeigt Maßnahmen zur sofortigen Hilfe bei einsetzendem Anfall auf. Neben der Unterstützung (z.B. Betroffene während eines Krampfes nicht festhalten sondern leicht stützen) sollte die Umgebung frei von Gegenständen sein (Vermeidung von Verletzungen). Die Zunge sollte frei sein, der Mund durch einen geeigneten Gegenstand offen gehalten werden. Bei Verlust des Bewusstseins ist sofortige medizinische Hilfe notwendig.

Durch geeignete Medikamente (Antiepileptika) kann das Anfallsrisiko minimiert bzw. ausgeschaltet werden (bis zu 80 Prozent sind anfallsfrei). In einigen Fällen kann durch einen operativen Eingriff die auslösende Stelle im Gehirn ausgeschaltet werden (nur bei fokalen Erkrankungen). Daneben sollten vor allem die begünstigenden Faktoren gemieden werden.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert