Medikamente-Nebenwirkungen – verstehen und verhindern

19. Juni 2013 | Von | Kategorie: Medikamente

Xanthopsia („Gelbsehen“), eine Störung, an der der Maler Vincent Van Gogh litt, Atemwegsverengungen, unwillkürliche Bewegungen, Atemlähmungen und so weiter – das sind nur einige wenige von über 1.600 dokumentierten Nebenwirkungen von Medikamenten.

Und genau diese „Nebenwirkungen“ sind übrigens der Hauptgrund für Krankenhausaufnahmen in unserer „westlichen“ Welt (siehe auch mein Beitrag: Medikamente – Nebenwirkung Tod). Und diese Art von Wirkungen sind nur schwer vorauszusehen… Zwar müssen bestimmte Tests durchgeführt werden, um die Sicherheit einer neuen Substanz in der vorklinischen Phase bestimmen zu können. In der Realität sieht es aber eher so aus, dass die meisten Nebenwirkungen erst dann entdeckt werden, wenn die Substanz schon zugelassen und in den allgemeinen Verkehr gekommen ist.

Und genau zu diesem Thema gibt es eine aktuelle Studie aus dem Forschungsinstitut für Biomedizin (IRB Barcelona) in Barcelona: die versucht nämlich dieses Informationsloch zu stopfen.  Ziel der Studie war, die molekularen Grundlagen für das Auftreten von Nebenwirkungen zu untersuchen. Dies würde Pharmakologen befähigen, bessere und sicherere Medikamente zu kreieren und deren Wirksamkeit vorauszusagen.

Die Studie sammelte und kategorisierte molekulare Hypothesen für insgesamt 1.162 Nebenwirkungen. Diese Information, die noch in der Praxis ausgetestet werden muss, steht jetzt schon der wissenschaftlichen Gemeinde zur Verfügung (siehe die letzte Ausgabe des Journals Chemistry and Biology, Teil der „Cell“ Gruppe). Die Autoren Miquel Duran und Patrick Aloy stellten alle die Medikamente zusammen, die bekannte Nebenwirkungen verursachen. Als nächstes studierten sie die Proteine, mit denen sie interagierten und deren chemische Struktur. „Für die meisten Nebenwirkungen haben wir eine biologische Hypothese. Und für viele dieser Fälle haben wir auch chemische Informationen über die Substanz, was nützlich ist, um die spezifischen Sekundäreffekte vorauszusagen“, erklärt Patrick Aloy. Von den 1.162 Nebenwirkungen, für die sie eine molekulare Charakterisierung gefunden hatten, konnten 446 Nebenwirkungen alleine auf biologischer Basis und 68 nur auf chemischer Basis erklärt werden. 648 Nebenwirkungen oder 56 Prozent hatten sowohl eine biologische als auch eine chemische Basis als Ursache. Ein paar Beispiele: Xanthopsia und das orobuccolinguale Syndrom

Eine der beschriebenen Nebenwirkungen ist das orobuccolinguale Syndrom oder Spätdyskinesie. Hier handelt es sich um eine Störung, bei der unkontrollierte Bewegungen von Gesicht, Körper und Gliedmaßen erfolgen. Diese Störung wird von sechs Medikamenten ausgelöst. Die Forscher gehen davon aus, dass Medikamente, deren Struktur einen Piperazinring (kommt in vielen Neuroleptika vor) enthält und zusätzlich mit bestimmten Rezeptoren (5-HT2A und/oder DRD2) interagiert, eine höhere Wahrscheinlichkeit besitzen, dieses Syndrom auszulösen als andere. „Dies ist ein Beispiel, wo die Ursache auf einer biologischen und chemischen Basis begründet ist“, sagt Miquel Duran.

Eine andere bezeichnende Nebenwirkung ist das „Gelbsehen“. Hier erscheint die Welt für den Betroffenen in vornehmlich gelben Farben. Die Forscher glauben in diesem Fall nicht, dass ein spezifisches Protein für den Effekt verantwortlich ist. Vielmehr beobachteten sie veränderte chemische Strukturen, die diese Störung verursachen. Es werden 12 Medikamente mit dieser Störung in Zusammenhang gebracht. Für die Wissenschaftler ist es eine Notwendigkeit, biologische und chemische Mechanismen miteinander zu kombinieren, um feststellen zu können, wo die Ursachen für die Entstehung von Nebenwirkungen liegen. „In der Praxis gibt es für jeden unerwünschten Effekt einen biologischen Part, der bekannt ist. Aber dieser Ausschnitt bietet keinen Einblick in das komplette Bild der verursachenden Mechanismen. Vielleicht werden wir in der Lage sein, diese Lücke zu füllen, indem wir die chemischen Strukturen näher unter die Lupe nehmen“, kommentiert Duran.

Quelle: Chemistry & Biology, 2013; 20: 594 / Understanding and Prevention of Side Effects Caused by Drugs

 

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René Gräber - Heilpraktiker & Sportpädagoge mit eigener Praxis. Sie finden mich unter anderem auch auf Google+, facebook, Xing oder Twitter. Ich schreibe und berichte regelmäßig zu den Themen Medizin, Fitness und Gesundheit. Wenn Sie dies interessiert, dürfen Sie gerne (siehe Box hier unten), meinen persönlichen Gesundheits-Newsletter anfordern. In den ersten 5 Teilen berichte ich über meine "5 Lieblings-Wundermittel".

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8 Kommentare
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  1. Das hier beschreibt die Nebenwirkung von Medikamenten, die man einnehmen muss aus diversen Gründen und auch auf die Gefahren hingewiesen wird – was das Ganze wohl auch nicht besser macht; aber wir bekommen Chemie in unserer „Nahrung“ denn beim Erwerb dieser reden wir nicht mehr von „Lebensmitteln“ sondern schon vom Erzeuger, sprich Landwirt durch die „Behandlung“ mit Pestiziden und wie die „Ziden“ so alle heißen, sowohl durch Ausbeutung der Böden wie auch der ebensolchen Tierhaltung – wie man weiß, bilden sich daraus z.B. Resistenzen auf Antibiotika mit verheerenden Folgen – und was steht am Anfang und am Ende GIER!!!!!!!!!!! der Pharmazie, der Bauern die ihre Gründe zwecks Bebauung und Versiegelung verhökern – das ist ein ziemlich scheußlicher Kreislauf

  2. Hallo Herr Gräber!
    Auf diese Art und Weise kann man die Menschen auch los werden!
    Regierung und Pharmaindustrie, sind gut zusammen verschweißt!
    Nur daß die Ärzte, besonders Diejnenigen die Naturheilkunde betrei-
    ben, auch noch solch giftiges Zeug verordnen, ist äußerst bedenklich!!
    Wem kann ich überhaupt noch vertrauen??
    LG ? Waltraud Erfurt

  3. Hierzu kann ich allen nur eine Buchempfehlung geben.

    Die Pharma Story(Hans Ruesch)
    Der große Schwindel

    Liebe Grüße, Andreas Wilhöft

  4. Hallo Herr Gräber,

    ich habe vor 4 Monaten einen Stend bekommen und muss jetzt für 1 Jahr Plawik nehmen,
    außerdem Ass 100, Brisopolol usw. Die Nebenwirkungen sind ganz schön heftig und besser gehts mir seit dem nicht. Mir wurde gesagt, wenn ich das Plawik nicht nehme, würde ich sterben. Ich habe vorher selzens mal eine Tablette eingenommen . Was kann ich nur tun!

    Herzliche Grüße und alles Gute
    Marlene Grollius

  5. Hallo Herr Gräber, auch dieser Artikel ist interessant und informativ. Danke. Für mich als Patient und medizinischer Laie entnehme ich daraus, dass man neu zugelassenen Medikamenten mit größter Vorsicht begegnen sollte. Mit Nebenwirkungen ist immer zu rechnen, zumal jeder Mensch anders auf Medikamente reagiert. Allerdings ist mir das Verhindern der Nebenwirkungen in dem Artikel nicht klar geworden. Liebe Grüße Ingeborg Knies

    Antwort René Gräber:

    Ich sehe das ganz ähnlich und würde alle Medikamente (Wirkstoffe) vermeiden, die weniger als fünf Jahre auf dem Markt sind; besser 10 Jahre. Aber auch das bietet keine Garantie. Neue Wirkstoffe würde ich nur nehmen, wenn meine Krankheit einen so hohen Leidensdruck beinhaltet, dass das Risiko das wert ist und (natürlich) „ernsthafte“ „alternative Wege“ nicht gebracht haben oder einfach nicht mehr gangbar sind.

  6. […] Medikamente-Nebenwirkungen – verstehen und verhindern […]

  7. Hallo, ich beobachte schon länger das Treiben der Pharma-Lobbyisten und Deren Handlanger
    ich bin 72 Jahre und schlucke noch Pillen, wegen meiner chronischen Leukämie, ich frage
    mich öfters, ob Fr.Dr. Johanna Budwig mit Ihrer Eiweiß, Leinöl-Diät nicht recht hatte, als Sie
    in Ihrem Buch schrieb, das Sie Sehr gute Heilerfolge bei Krebs und Leukämien hatte , ohne
    brutale Chemo-Therapien, aber noch habe ich Ängste diese Pillen ganz abzusetzen, die bei
    der Kasse mit 2000,-Monatlich zu Buche stehen, die Schulmedizin-Onkologen streiten z.b.
    einen Zusammenhang von Langanhaltendem Streß und dem ausbrechen einer Leukämie ab,
    was ich Denen aber nicht Glaube, ich kann mir auch als nicht Mediziner gut vorstellen, daß,
    das Streßhormon Cortisol den Körper auf Dauer schädigt, ein Dr.Hamer schreibt sogar, das
    nach einer Konflikt-Lösung, in diesem Fall ein grasser Selbstwert Einbruch, die Krankheit
    wieder verschwindet, auf Ihre Antwort bin ich gespannt.

  8. Sehr geehrter Herr Gräber,
    zu den gefährlichen Medikamenten möchte ich noch eine andere Variante hinzufügen:
    Antidepressiva und die anderen Pharmakas. Leider wird noch viel zu wenig über die furchtbaren Auswirkungen mit der Einnahme solcher Medikamente berichtet. Vor allem was dann passiert, wenn diese Medikamente wieder abgesetzt werden. Ich bin selber Betroffene und habe erst im Nachhinein erfahren müssen was allen Patienten angetan wird, um aus diesem Chaos und der „Hölle“ des Entzuges sich heraus zu retten. Keiner dieser verschreibenden Ärzte hilft einem dabei, wieder ein normales Leben führen zu können, ohne von extremen Unruhezuständen, Angstzuständen und Panikattaken. Das sind nur ganz wenige der Beschwerden, die nach dem Absetzen – manchmal erst nach Wochen auftreten.
    Keiner der Ärzte erklärt einem richtig, in welcher Form man dieses Teufelszeug absetzen kann, um es möglichst ohne diese Nebenwirkungen überhaupt zu schaffen. Nicht die immer noch bestehende Grunderkrankung wie etwa eine Depression löst die Beschwerden aus, sondern die extremen Absetzsymptome, je nach dem wie viele dieser Pillen und wie lange man sie schlucken durfte. Gott sei Dank gibt es ein paar wenige verantwortungsbewußte Ärzte, die inzwischen kapiert haben, was mit diesen Medikamenten angerichtet wird und dass die Pharmaindustrie auch dieses Zeug möglichst ein Leben lang an den Mann bringen wollen. Es gibt auch ein Forum, das Menschen auf dem bitteren Weg in ein normales Leben bei-stehen.
    Ich wünsche uns allen dass es bald viele Ärzte geben mag, die so ehrlich und verantwortungsbewußt mit den Patienten umgehen und die Pharmaindustrie endlich auf dieses „Unglück auf Rezept“ (u. a. auch ein Buchtitel) verstärkt einwirken.

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