Avandia – ein evidenzbasiertes Desaster

20. April 2011 | Von | Kategorie: Medikamente

Diabetes ist eine Erkrankung, bei der Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgrund der oft entgleisten Stoffwechsellage vorprogrammiert sind. Daher muss es das Bestreben einer Behandlung sein, diesen Stoffwechsel stabilisieren, um genau diese “unschönen” Konsequenzen zu unterbinden. Avandia hat sich nun als ein evidenzbasiert zugelassenes Medikament entpuppt, was vordergründig den Blutzuckerwert senkt.

Dafür lässt es offensichtlich die Konsequenzen unberührt.

Nicht nur das.

Es scheint diese noch zu verstärken.

So sind die Raten für Infarkte und das auftreten plötzlicher Herztode unter der Medikation deutlich gestiegen, ein Phänomen, was man ja durch die Behandlung eigentlich verhindern wollte. Man munkelt von ca. 80.000 Avandia-Toten in den letzten 10 Jahren weltweit.

Nachdem die Arzneimittelbehörden in Europa dies eingesehen haben, konnten sie sich endlich dazu durchringen, das Medikament zu verbieten. In den USA, die sonst eher Vorreiter für eine progressive Medizin sind, hat die FDA kein Verkaufsverbot für das Medikament durchgesetzt, sondern es bei verschärften Auflagen belassen.

Es bleibt zu fragen, ob die Nebenwirkungen und fatalen Wirkungen von Avandia sich auch an die verschärften Auflagen halten. Von daher ist dieser Schritt der FDA kaum zu verstehen. Aber auch in den Staaten gibt es die Pharmalobby. Und die von Glaxo ist bekannt für ihre Effizienz.

Kurz zur Erinnerung: Die Schweinegrippe-Pandemie 2009 war für den Impfstoffanbieter Glaxo ein mollig warmer Geldregen. Die WHO rief die höchste Alarmstufe aus, obwohl unter der Schweinegrippe deutlich weniger Menschen starben als unter einer “normalen” Grippe. Nutznießer: Alle Impfstoffanbieter, die vertragliche Vereinbarungen mit (der WHO? und) den Regierungen der meisten Länder hatten, im Falle der höchsten Alarmstufe sofort mit der Impfstofflieferung zu beginnen. Selbstredend kann hier nicht davon ausgegangen werden, dass diese Lieferungen kostenlos und damit zum Wohle und Errettung der Menschheit vorgenommen wurden.

Avandia ist seit 2000 für ganz Europa zugelassen. Es ist eines der meist verkauften Medikamente schlechthin, sozusagen ein “Gassenhauer”. Diabetes Patienten nehmen die Substanz (der generische Name ist „Rosiglitazon“), um die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin zu erhöhen. Dadurch soll es zur Senkung der Insulinresistenz kommen, die für fast jeden Typ-2 Diabetiker gegeben ist. Soweit die Idee bzw. die Theorie.

Die Praxis zeigte aber dann, dass man bei Glaxo die evidenzbasierten Belege für das Auftauchen der Herzprobleme lieber ignorierte. Das Skandalöse an dieser Ignoranz ist, dass die Firma über dieses Risiko schon von Anbeginn der Zulassung wusste. Reaktion der Firma auf Kritiker, die sich dieses Problems annahmen: Man brachte sie zum Schweigen.

Ein internes Gutachten von Februar 2010 innerhalb der FDA tauchte dann bei der “New York Times” auf. Dieses spricht von 500 Herzinfarkten und 300 Herzinsuffizienzen monatlich, bedingt durch die Einnahme von Avandia. Das Gutachten kommt auch zu dem Schluss, dass ein Alternativmedikament diese Nebenwirkung nicht mit sich bringt.

Und dabei sind die “normalen” Nebenwirkungen der Substanz auch nicht zu verachten: Gewichtszunahme (von Leuten, die meist schon übergewichtig sind und dies der Grund für ihre Erkrankung darstellt), Ödeme und vermehrtes Auftreten von Osteoporose. 2007 gab es schon eine Metaanalyse zur Substanz, die damals schon ein 43 Prozent erhöhtes Infarktrisiko belegte.

Genau diese Metaanalyse war dann auch der Anlass für das FDA Gutachten. Selbiges nimmt auch Stellung dazu, wie Glaxo mit dem Sachverhalt umgegangen ist: Negative Studien und Avandia-Kritiker wurden diskreditiert, eigene nicht so positive Ergebnisse verschwanden im Reißwolf, und Patienten wurden mitnichten über ihren „Tanz auf dem Vulkan“ informiert.

Was also tun, wenn man als Diabetiker auf Avandia eingestellt worden ist? Einfach die Substanz absetzen? Sicherlich ist dies nicht der Weisheit letzter Schluss. Ein rascher Besuch beim Hausarzt ist angezeigt, mit dem dann die Alternativen besprochen werden müssen. Vielleicht ist dieses Desaster ein Anstoß, sich einmal Gedanken um weniger evidenzbasiertes Geschwafel zu machen, dafür aber um alternative Strategien.

Diese würden Gewichtsreduktion, körperliche Bewegung, Stressabbau, Kalorienrestriktion, bessere Ernährung etc. beinhalten. Sicher ist, dass durch diese Maßnahmen die Infarktraten nicht in die Höhe getrieben werden.

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René Gräber - Heilpraktiker & Sportpädagoge mit eigener Praxis. Sie finden mich unter anderem auch auf Google+, facebook, Xing oder Twitter. Ich schreibe und berichte regelmäßig zu den Themen Medizin, Fitness und Gesundheit. Wenn Sie dies interessiert, dürfen Sie gerne (siehe Box hier unten), meinen persönlichen Gesundheits-Newsletter anfordern. In den ersten 5 Teilen berichte ich über meine "5 Lieblings-Wundermittel".

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27 Kommentare
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  1. […] mal der Welt den Rat geben, die Friedhöfe zu besuchen, wo alle die Toten liegen, die Vioxx oder Avandia geschluckt haben. Allein diese Medikamente haben mehr Tote produziert als Ehec – UND sind […]

  2. […] die Homöopathie als Hirngespinst und Schwachsinn darzustellen. Todbringende Präparate wie Vioxx, Avandia etc. sind mit Pomp und Trara als neue medizinische Durchbrüche gefeiert worden und mit einer […]

  3. […] auch, wenn es um ihre nebenwirkungsreichen Medikamente geht. Bis solche “Zugpferde” wie Avandia, Vioxx & Co. vom Markt genommen werden müssen (die Links führen zu meinen Beiträgen über […]

  4. […] Veröffentlichung zu einem Präparat, das in den Markt geboxt werden muss, wie z.B. Vioxx oder Avandia, und schon werden für die nächsten 10 Jahre Millionen Patienten einem gesundheitlichen Risiko […]

  5. […] lebensbedrohlicher Arrhythmien in den USA und Europa vom Markt genommen. Das gleiche erfolgte mit Avandia, einer Diabetestablette, die es schon über 10 Jahre im Markt gibt. Erst letztes Jahr erfuhr die […]

  6. […] im Auge der alternativen Medikamente und Lebensmittel, besonders dann, wenn in seinem eigenen Auge Avandia-, Vioxx- und Analogkäse-Splitter in Balkengröße […]

  7. […] Zur Info: Die EMA, die 1995 gegründet wurde, um die Arzneimittelzulassung in ganz Europa zu reglementieren und vereinheitlichen, bekommt 80 Prozent seiner Bezüge von der pharmazeutischen Industrie, laut Michèle Rivasi, dem „grünem“ Parlamentsmitglied, die auch die Untersuchung leitet (Quelle). GlaxoSmithKline (GSK) hat sich bereit erklärt, 3 Milliarden Dollar als Strafe für das Puschen von Avandia als Verkaufspraxis zu zahlen. Avandia, ebenfalls ein Diabetesmedikament, wurde 2010 vom Markt genommen, nachdem sich herausstellte, dass es das Risiko für Herzinfarkte erhöht (Avandia – ein evidenzbasiertes Desaster). […]

  8. […] Die Bewertungskriterien für Substanzen seitens der Schulmedizin haben für mich spätestens seit Avandia und Vioxx einen superfaden Beigeschmack bekommen. Denn es wird immer offensichtlicher, dass die […]

  9. […] Avandia – ein evidenzbasiertes Desaster […]

  10. […] Die evidenzbasierte Medizin dagegen untersuche den Nutzen für den Patienten. Angesichts Vioxx, Avandia, Avastin und dergleichen muss man sich schon fragen, wovon Herr Windeler eigentlich nachts träumt? […]

  11. […] in der Vergangenheit deutlich gefährlichere „Heilsbringer“ fabriziert. Man braucht da nur an Avandia, Vioxx und andere „Scherze“ zu […]

  12. […] der Patienten interessiert ist, der wird sehr wahrscheinlich auch glauben, dass Vioxx und Avandia zum Wohl der Patienten von der Pharmaindustrie erschaffen worden […]

  13. […] nehmen. Bis dahin haben wir Milliarden an Einnahmen und überhaupt… nach uns die Sintflut. Avandia, Vioxx, Contergan etc. sind einige Beispiele aus der Welt der menschenrettenden und höchst […]

  14. […] ihren eigenen Regeln nachzukommen. Statt dessen werden „evidenzunbasierte“ Mittel, wie Avandia usw., über den grünen Klee gelobt, die dann mitsamt dem Klee nach einigen Jahren in der […]

  15. […] sind ParoLich, Paroxalon, Paroxat, Seroxat, Tagonis), Wellbutrin (Elontril, Zyban) und Avandia. Die Firma stimmte der Zahlung einer Strafe zu, die die Rekordsumme von 3 Milliarden Dollar betrug […]

  16. […] Avandia (mit dem Wirkstoff Rosiglitazon) ist 2011 vom Markt genommen worden – wegen extrem hoher Nebenwirkungsraten, unter anderem einem fast 50-prozentigen erhöhten Herzinfarktrisiko. Eine „Schwestersubstanz“ namens Actos (Wirkstoff: Pioglitazon), galt darauf hin als die sicherere Alternative bei der Wahl eines „Insulinsensitizers“. Aber damit könnte bald auch Schluss sein. Erstmalig veranlasste die amerikanische FDA im September 2010 eine Prüfung der Substanz, da in zwei klinischen Studien eine erhöhte Erkrankungsrate für Blasenkrebs beobachtet worden war (http://www.fda.gov/Safety/MedWatch/SafetyInformation/SafetyAlertsforHumanMedicalProducts/ucm226257.htm). […]

  17. […] helfen. Sie sind Markt- und Markenprodukte, die Gewinne erzielen sollen, selbst über tote Körper. Avandia, Vioxx, Contergan usw. hatten ganz andere Nebenwirkungen als Notakehl bei einem „statistisch […]

  18. […] Jahrzehnte lang, trotz Warnungen und Zwischenfällen aus allen Ecken, Horror-Präparate vertreibt (Avandia, Vioxx, Contergan usw.), die auch noch ein Vielfaches mehr an Todesopfern fordern als vergleichbare […]

  19. […] Auch die Firma Glaxo ist ein Künstler in Sachen Datenakrobatik. Sie lässt ihr Antidepressivum Paxil ohne evidenzbasierte Studienlage einfach auch den Kindern und Jugendlichen verschreiben, um so eine kostenlose Marktausweitung zu bekommen. Mehr dazu unter: “Die „bösen Buben“ der Pharmaindustrie beim Schummeln erwischt“. Ein weiteres Produkt, dass jetzt inzwischen vom Markt ist, ist ebenfalls Ergebnis solcher Datentricksereien: Avandia. […]

  20. […] man jetzt an Vioxx und Avandia denkt, dann kann man sehr gut verstehen, warum solche Präparate zugelassen werden auf einer Basis, […]

  21. […] Denn hier zeigt sich deutlicher als deutlich, worum es denen geht. Wenn man Medikamente, wie Vioxx, Avandia, Contergan und so weiter nahezu unkontrolliert und alles andere als evidenzbasiert auf den Markt […]

  22. […] Avandia – ein evidenzbasiertes Desaster […]

  23. […] Avandia – ein evidenzbasiertes Desaster […]

  24. […] Avandia – ein evidenzbasiertes Desaster […]

  25. […] in Beiträgen wie: Betablocker für alle – Evidenzbasierte Katastrophen der Schulmedizin oder Avandia, ein evidenzbasiertes Desaster, versucht zu […]

  26. […] mich stellt sich die Frage: Nach all diesen Skandalen, wo Avandia, Vioxx, Contergan etc. nur die Spitze des Eisberges bilden, wie oft wiederholt sich dieser Zirkus, […]

  27. Ein unglaublicher Skandal in Anbetracht dessen, was Medikamente wie Vioxx, Avandia, Cholesterinsenker, etc. alles angerichtet haben.
    Mir selbst wollte eine Ärztin im Jahre 2004 das „sehr gute“ Schmerzmittel Vioxx verordnen. Ich antwortete ihr, dass ich zuerst den Beipackzettel studieren wolle, bevor sie es mir verordne (ich vertraue einem Arzt bzw. seinen medikamentösen Verordnungen nicht vorbehaltlos).
    Jedenfalls lehnte ich Vioxx aufgrund des Inhaltes auf dem Beipackzettel und aufgrund meiner Intuition ab. Und eine Kollegin, die Vioxx im Jahre 2004 bereits seit ein paar Wochen einnahm, setzte dieses Medikament sofort selber ab, als ich ihr kundtat, dass ich dieses Medikament auf gar keinen Fall einnehmen werde.
    Etwa vier Monate später berichteten die Medien (Zeitungen/TV), dass Vioxx aufgrund von lebensgefährlichen NW und Todesfällen vom Markt zurückgenommen wurde.

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